NewsÄrzteschaftKV Baden-Württemberg kritisiert Modellvorhaben zu Blankorezepten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

KV Baden-Württemberg kritisiert Modellvorhaben zu Blankorezepten

Mittwoch, 22. März 2017

Stuttgart – Scharfe Kritik an den neuen Modellprojekten zur Verordnung von Heilmitteln übt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg. Laut dem neuen Heil- und Hilfsmittelgesetz verordnet der Arzt weiterhin die Leistung, allerdings bestimmt der Thera­peut Auswahl und Dauer der Therapie sowie die Häufig­keit der Behandlungsein­heiten. Die Krankenkassen werden verpflichtet, mit den Verbän­den der Heilmittel­erbringer Ver­trä­ge über solche Modellvorhaben abzuschlie­ßen. In jedem Bundesland soll es ein Mo­dellvorhaben geben.

Konkret geht es in Baden-Württemberg jetzt um die Physiotherapie. „Physiotherapie ist auch im längerfristigen Verlauf einer Erkrankung nur eine von vielen Therapiemöglich­kei­ten. Häufig müssen gar keine Maßnahmen ergriffen werden, stattdessen ist in solchen Fällen ein Gespräch, eine Medikation oder operative Versorgung oder auch eine psy­cho­therapeutische Behandlung angebracht. Die Auswahl, welche Therapie für die spezi­fi­schen Beschwerden des Patienten geeignet ist, hat in Abwägung zueinander alleine der Arzt erlernt“, sagte der KV-Vorsitzende Norbert Metke.

„Oft ist es nach initia­ler Diagnosestellung und beim Aufstellen einer Verdachtsdiagnose gerade der Verlauf der Symptome, der die Richtigkeit der Diagnose bestätigt oder wider­legt“, ergänzte sein Stellvertreter Johannes Fechner. Die Weiterbetreuung der Patienten durch Physiothera­peuten ohne ärztliche Kooperation sei ein „Experiment am Kranken, das wir ablehnen“, so Fechner.

Anzeige

Auf die ökonomischen Implikationen der Regelung wies der Bundesvorsitzende des Be­rufsverbandes der Orthopäden und Unfallchirurgen, Johannes Flechtenmacher, hin: „Schon heute ist die Physiotherapie Preistreiber Nummer eins in den Gesundheitsaus­gaben mit einer jährlichen Steigerung von durchschnittlich rund acht Prozent. Wer wie der Gesetzgeber die unbegrenzte Dauer der Therapie wünscht, kann sich auch nicht über eine entsprechende Ausgabenentwicklung beschweren“, sagte er. 

Auch die KV Niedersachsen hatte die Regelung kritisiert. „Eine Blankoverordnung von Heilmitteln in der Eigenverantwortung der nicht akade­mi­schen Hilfsberufe der Physio­the­rapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten ist sach­widrig, qualitätsmindernd und sozial­politisch fehlsteuernd“, heißt es in einem mehr­heitlich verabschiedeten Antrag der KV-Ver­treterversammlung von Anfang März. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. März 2020
Celle − Begleithunde sind für Kinder, die an vorgeburtlich erlittenen Schäden durch den Alkoholkonsum der Mutter leiden, kein Hilfsmittel der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Das entschied das
Gericht: Krankenkasse lehnt Begleithund zu Recht ab
4. März 2020
Berlin – Die Aufsichtsbehörden sollen Krankenkassen künftig dazu verpflichten können, Vertragsverhandlungen mit Hilfsmittelherstellern aufzunehmen. Das geht aus einem Änderungsantrag zum
Hilfsmittel: Krankenkassen müssen künftig Vertragsverhandlungen führen
20. Februar 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat eine jahrelange Diskussion zur Verordnung von Podologie beendet und die medizinische Fußpflege für weitere Indikationen in den Leistungskatalog der
Medizinische Fußpflege kann für weitere Indikationen verordnet werden
3. Januar 2020
Leipzig – Die Digitalisierung bringt blinden und sehbehinderten Menschen große Erleichterungen im Alltag. Es gebe inzwischen mehr als hundert barrierefreie Apps als Alltagshelfer, sagte Thomas
Digitale Sprachassistenten als Hilfe für blinde Menschen
17. Dezember 2019
Berlin – Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Das zeigen neue Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Dem neuen Heilmittelreport des Instituts zufolge ist mehr als jeder sechste
Mehr als jeder Sechste leidet an chronischen Rückenschmerzen
13. November 2019
Berlin – Bei der Barmer sind die Ausgaben für Physio- und Ergotherapie angestiegen. Die Kosten dafür haben sich dem Heil- und Hilfsmittelreport der Krankenkasse zufolge im vergangenen Jahr um 14
Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel bei Barmer gestiegen
8. November 2019
Berlin – Nach der Nutzung von Orthesen und Bandagen haben 21 Prozent der Patienten auf eine Operation verzichtet. 22 Prozent nahmen keine Schmerzmittel mehr ein. Zu diesem Ergebnis kam eine vorgestern
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER