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Medizin

Brustimplantate: FDA meldet neun Todesfälle durch seltenes Lymphom

Donnerstag, 23. März 2017

/euthymia stock.adobe.com

Silver Spring – Brustimplantate können, vor allem wenn sie eine raue Oberfläche haben, möglicherweise die Bildung eines Lymphoms verursachen. Der US-Arzneibehörde FDA sind in den letzten Jahren 359 Fallberichte (Medical Device Reports) über ein sogenanntes Brustimplantat-assoziiertes anaplastisch-großzelliges Lymphom (BIA-ALCL) zugetragen worden. Neun Frauen starben an dieser insgesamt wohl sehr seltenen Variante eines Non-Hodgkin-Lymphoms, die die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) kürzlich in ihre Lymphom-Klassifikation aufgenommen hat.

Die FDA hatte zuerst im Jahr 2011 über die Assoziation berichtet. Damals waren 60 Fälle bekannt geworden. Bis Anfang Februar diesen Jahres ist die Zahl auf 359 gestiegen. Die Lymphome wurden wohl in den meisten Fällen anlässlich der Entfernung von Brustimplantaten entdeckt und dann als Medical Device Report an die FDA weitergeleitet.

Textur des Implantats könnte von patho­physiologischer Bedeutung sein

In 231 Berichten wurden Angaben zur Implantatoberfläche gemacht. 203 der 231 Implantate hatten eine strukturierte Oberfläche, nur 28 Implantate hatten eine glatte Oberfläche. Die FDA vermutet deshalb, dass die Textur des Implantats von patho­physiologischer Bedeutung ist. Die französische Arzneimittelagentur ANSM sieht dies ähnlich. Sie hat im Juni letzten Jahres die Hersteller aufgefordert, die Unbedenklichkeit ihrer Produkte durch eine Reihe von Tests zu belegen und die Ergebnisse innerhalb eines Jahres vorzulegen.

Die Füllung der Implantate scheint keinen Einfluss auf die Induktion der Lymphome zu haben. Laut FDA enthielten 312 der 359 Berichte Informationen über den Fülltypen: 186 Implantate enthielten Silikongel, 126 eine Kochsalzlösung.

Die WHO hat die BIA-ALCL provisorisch in ihre Lymphom-Klassifikation aufgenommen. Die BIA-ALCL entwickelt sich demnach etwa zehn Jahre nach der Implantation zunächst in einem Serom, das sich zwischen dem Implantat und der das Implantat umgebenden Bindegewebskapsel bildet. In den meisten Fällen bleibt der Tumor auf das Serom beschränkt. Nach einer Invasion der Kapsel kann es jedoch zu einem Befall der regionalen Lymphknoten und zur Fernmetastasierung kommen. 

Die FDA rät bei allen Patientinnen, bei denen sich relativ spät nach der Implantation ein persistierendes Serom bildet, an die Möglichkeiten eines BIA-ALCL zu denken. Die Seromflüssigkeit und eine Probe der angrenzenden Kapsel sollten dann von einem Spezialisten untersucht werden.

Die US-Plastic Surgery Foundation rät bei einem bestätigten BIA-ALCL, das Implantat und die gesamte Bindegewebskapsel (die sich nach der Implantation als Abwehrreaktion des Körper gebildet hat) zu entfernen, ebenso alle verdächtigen Lymphknoten. Die routinemäßige Untersuchung eines Wächterlymphknotens wird derzeit nicht für erforderlich gehalten. Bei den meisten Patientinnen sollte damit das Problem behoben sein, schreibt der US-Verband der plastischen Chirurgen. Die Frage einer weiteren adjuvanten Therapie (etwa einer Chemotherapie oder einer Strahlentherapie) werde derzeit in klinischen Studien untersucht./rme © rme/aerzteblatt.de

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