Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Pregabalin bei Ischiasschmerz in Studie ohne Wirkung

Freitag, 24. März 2017

/Richard Villalon, stock.adobe.com

Sydney – Das Antiepileptikum Pregabalin, das zunehmend zur Behandlung neuropathi­scher Schmerzen eingesetzt wird, hat in einer Placebo-kontrollierten Studie keine Linderung von Ischiasbeschwerden erzielt. Es kam jedoch laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2017; 376: 1111–1120) häufiger zu Nebenwirkungen.

Das GABA-Analogon Pregabalin, das ursprünglich als Antikonvulsivum eingeführt wurde, ist in den letzten Jahren zu einem wichtigen Medikament zur Behandlung neuropathi­scher Schmerzen geworden. Der Einsatz bei der diabetischen Polyneuropathie oder der postherapeutischen Neuralgie gilt mittlerweile als evident-basiert. Für die Ischialgie, die aufgrund ihrer Pathogenese – eine Druckschädigung am Austritt aus der Wirbelsäule – durchaus als neuropathischer Schmerz gedeutet werden kann, gilt dies nicht. Die Nationale Versorgungs-Leitlinie Kreuzschmerz lehnt den Einsatz von Pregabalin (und anderer Antiepileptika) wegen eines fehlenden sicheren Wirksamkeitsnachweises ab. Gleichwohl dürfte es sich auch in Deutschland um eine häufige Off-Label-Indikation handeln.

Angesicht der starken Beschwerden, die eine Ischialgie auslöst, mag die Verordnung von nicht erprobten Substanzen verständlich sein. Am Ende könnte sie den Patienten jedoch mehr schaden als nutzen. Bereits in einer früheren randomisierten klinischen Studie, die die Behandlung auf Patienten beschränkte, die in einer Probephase auf Pregabalin ansprachen, wurde später im direkten Vergleich keine bessere Wirkung als unter Placebo erzielt. Fast jeder zehnte Patient brach die Studie wegen Nebenwir­kun­gen des Medikaments ab (Pain 2010; 150: 420–7). 

Auch in der aktuellen Studie verfehlte die Behandlung mit Pregabalin die erhoffte Wir­kung. An der Studie nahmen 207 Patienten teil, die seit median 63 Tagen unter einer Ischialgie litten, die zu 80 Prozent durch eine Wurzelkompression in L5 oder S1 aus­gelöst wurde. Etwa ein Drittel hatte motorische Ausfälle, und zwei Drittel hatten Schmer­zen beim Strecken des Beines. Die Patienten wurden auf eine achtwöchige Behandlung mit Pregabalin oder Placebo randomisiert. Die Pregabalin-Dosis betrug anfangs 150 mg pro Tag, durfte allerdings bei Bedarf und Verträglichkeit auf bis zu 600 mg pro Tag er­höht werden. Primärer Endpunkt war die Schmerzintensität auf einer numerischen Skala von 0 (schmerzfrei) bis 10 (maximaler Schmerz).

Wie das Team zum Christine Lin vom George Institute for Global Health in Sydney berichtet, kam es sowohl unter Placebo als auch unter Pregabalin am Anfang zu einer leichten Linderung der Schmerzen. Im gesamten Verlauf der Behandlung gab es jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Die Schmerzintensität wurde am Ende von der Pregabalin-Gruppe mit 3,7 von 10 und in der Placebo-Gruppe mit 3,1 von 10 angegeben. Die bereinigte mittlere Differenz von etwa 0,5 Punkten war bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von -0,2 bis 1,2 nicht signifikant.

Auch nach dem Abschluss der Behandlung gab es keine signifikanten Unterschiede. Eine langfristige Wirkung von Pregabalin, etwa durch die allmähliche Erholung der druck­geschädigten Nerven, war nicht erkennbar. Nach 52 Wochen lag die Schmerz­inten­sität in der Pregabalin-Gruppe bei 3,4 von 10 Punkten und in der Placebo-Gruppe bei 3,0 Punkten. Die bereinigte mittlere Differenz von 0,3 Punkten verfehlte mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von -0,5 bis 1,0 Punkten erneut das Signifikanzniveau.

Die Behandlung mit Pregabalin war nicht ohne Nebenwirkungen. In der achtwöchigen Therapiephase wurden bei 68 Patienten 227 Ereignisse gezählt. In der Placebo-Gruppe wurden 124 Ereignisse bei 43 Patienten gezählt. Die häufigsten Nebenwirkungen von Pregabalin waren Schwindelgefühle, über die fast 40 Prozent der Patienten klagten. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

klausenwächter
am Sonntag, 26. März 2017, 22:23

Das habe ich auch gemerkt.

Dann kann ich die Einnahme aufgeben. Ich habe jetzt 6 Monate Lumboischialgien. Einen Monat lang habe ich Pregabalin eingenommen. Die Kapseln sich schwer zu schlucken, kleben im Gaumen an. Eine Besserung meiner Schmerzen habe ich nicht gemerkt. Mir wäre insbesonder eine Besserung des nächtlichen Lagerungsschmerzes willkommen.

Nachrichten zum Thema

11.12.17
Diskussion um Lancetstudie zu Schulteroperationen entbrannt
Berlin – Fach- und Berufsverbände aus Orthopädie, Unfallchirurgie und Chirurgie haben davor gewarnt, Studienergebnisse zu Schulteroperationen, die jüngst im Lancet publiziert wurden (doi......
01.12.17
Interesse an Cannabis als Schmerzmittel flaut ab
Weimar – Nach der zunächst großen Nachfrage nach Cannabis als Medikament verzeichnen Schmerzmediziner inzwischen weniger Patientenanfragen. „Das hat sich wieder relativiert“, sagte der......
01.12.17
Zertifizierte Online-Fortbildungen zu Kreuzschmerz und Wundinfektionen
Berlin – Im Fortbildungsportal der Kassenärztlichen Bundesvereinigung können Ärzte erstmals an einer zertifizierten Schulung zur Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) „Nicht-spezifischer Kreuzschmerz“......
01.12.17
Neue Patienten­informationen zum Thema Kreuzschmerz
Berlin – Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hat die überarbeitete Patientenleitlinie „Kreuzschmerz“ veröffentlicht. Grundlage ist die aktuelle Fachleitlinie „Nicht-spezifischer......
21.11.17
Subakromiale Dekompression: Operation bei Schulterschmerzen oft ohne Nutzen
Oxford – Wer dauerhaft Schulterschmerzen aufgrund eines subakriomialen Schulterschmerz-Syndroms hat, kommt in vielen Fällen unnötigerweise unters Messer. Zu diesem Ergebnis kommt eine erste......
16.11.17
Schmerzmittel in der Schwangerschaft reduzieren hämatopoetische Stammzellen
Hamburg – Jede zweite Frau nimmt während der Schwangerschaft Schmerzmittel ein. Das hat eine im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) laufende Studie ergeben, die in EBioMedicine publiziert......
16.11.17
Kratom: FDA warnt nach Todesfällen vor opioidhaltiger Pflanze
Silver Spring/Maryland – Mehrere Todesfälle nach dem Konsum von Kratom, einem in Südostasien verbreiteten Naturheilmittel zur Schmerzbehandlung, veranlassen die US-Arzneimittelbehörde FDA zu einer......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige