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Politik

Notfallversorgung: Krankenhäuser greifen KBV an

Donnerstag, 23. März 2017

Berlin – Der Streit zwischen Krankenhäusern und Kassenärzten um die Notfall­ver­sorgung in Deutschland geht weiter. Auf dem 16. DRG-Forum kritisierte heute der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) die Kassenärztliche Bundes­vereinigung (KBV) für ihre Haltung in dieser Frage.

„Die Krankenhäuser übernehmen die Sicherstellung der ambulanten Notfallversorgung – eine Aufgabe, die eigentlich die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) erfüllen müss­en“, sagte Thomas Reumann. Soweit Portalpraxen der KVen an den Krankenhäusern vorhanden seien, würden sie „nur stundenweise“ besetzt.

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„Wir waren lange genug geduldig und haben auf koope­rative Lösungen gesetzt. Doch wir stellen fest: Kooperation funktioniert nicht als Ein­bahnstraße“, sagte Reumann. „Wir haben genug davon, dass uns vorgeworfen wird, wir wollten über die Notfallambulanzen nur Patienten in unsere Krankenhäuser schleusen.“ Mit solchen Vorwürfen wolle die KBV nur von eigenen Unzulänglichkeiten ablenken.

Reumann kritisierte auch den Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses, für eine sogenannte Abklärungspauschale 4,74 Euro zu bezahlen. Dafür soll ein Notauf­nah­me­arzt im Krankenhaus abklären, ob der Notfallpatient stationär aufgenommen wer­den muss oder nicht. Die DKG hatte kritisiert, dass dies zwei Minuten ärztlicher Arbeitszeit ent­spreche. „Das Schiedssystem hat versagt. Die Vorgabe von zwei Minuten ist für uns unerträglich“, sagte Reumann jetzt. „Wer die Zwei-Minuten-Medizin zum Goldstandard er­hebt, zeigt, welchen Stellenwert der Patient hat.“ So dürften Selbstver­waltungspartner nicht miteinander umgehen.

„Wir haben genug davon, bei den Abrechnungen die Schikane der KVen erleben zu müs­s­en“, kritisierte Reumann und forderte, die Finanzierung der ambulanten Notfall­ver­sorgung aus dem KV-System herauszulösen. „Wir brauchen eine eigenständige Lösung“, meinte Reumann und forderte den anwesenden Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) auf, die Finanzierung der Notfallversorgung so schnell wie möglich gesetz­lich zu regeln. © fos/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Sonntag, 26. März 2017, 22:57

Wenn zwei sich streiten ...

...dann freut sich der dritte. Das dürften in dem Fall die Krankenkassen sein, die aus der Ferne in aller Ruhe zuschauen, wie sich die beiden unterfinanzierten Sektoren der medizinischen Versorgung bei der Erfüllung artfremder Aufgaben gegenseitig zerfleischen.

Zwei Minuten mögen ausreichend sein für eine Triage, zur Entscheidung, ob der Patient akut vital bedroht ist. Sie sind aber nicht ausreichend zur Erstellung einer Diagnose. Und wenn der Patient zur Versorgung in den ambulanten Sektor zurückgeschickt wird und wegen einer unentdeckten Diagnose innerhalb der nächsten Stunden Schaden erleidet, wer trägt dafür die Verantwortung?

Die Kassen sind sowohl verantwortlich für die Unterfinanzierung des ambulanten Sektors (beim Sachleistungsprinzip ist es nicht vorgesehen, alle Leistungen wirklich zu bezahlen, deshalb ist der EBM auch keine Gebührenordnung) als auch für die Unterfinanzierung des stationären Sektors (die DRG's sind die Ursache der Ökonomisierung des Krankenhaussektors).

Aus meiner Sicht hilft hier nur eines: weg vom Sachleistungsprinzip und hin zum Erstattungsprinzip. Die Steuerung der Patientenströme ist Kernaufgabe der Krankenkassen. Ein Teil der Patienten in der Notaufnahme sind echte Notfälle, ein Teil ist dort aus Bequemlichkeit (um sich den Weg durch den ambulanten Sektor zu ersparen), ein Teil ist aber auch dort, weil in manchen Regionen die ambulante Versorgung so ausgedünnt wurde, dass die Krankenhäuser die Lücken schließen müssen. Die Krankenkassen sind verantwortlich für die Versorgungslücken, also sollten sie auch das Problem lösen, indem sie erstens die Kosten übernehmen und zweitens über den Grad der Rückerstattung auch Einfluß auf das individuelle Verhalten der Patienten nehmen.

So wie es jetzt läuft, haben wir Ärzte die Wahl zwischen Pest und Cholera, entweder der stationäre Sektor arbeitet in der Notfallversorgung faktisch für umsonst oder der ambulante Sektor wird für seine Unterfinanzierung noch zusätzlich bestraft, indem Gelder zum stationären Sektor verschoben werden. Die KBV als Körperschaft des öffentlichen Rechts spielt in dieser Auseinandersetzung aus meiner Sicht keine gute Rolle.

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