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Medizin

Mäßiger Alkoholkonsum in Studie erneut mit weniger Herz-Kreislauf­-Erkrankungen assoziiert

Donnerstag, 23. März 2017

v.poth-stock.adobe.com-

Cambridge –  Briten, die regelmäßig, aber mäßig alkoholische Getränke konsumieren, erkranken laut einer Datenbank-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2017; 356: j909) seltener an einer Reihe von kardiovaskulären Erkrankungen. 

Die in zahlreichen Beobachtungsstudien entdeckte Assoziation zwischen einem mäßigen Alkoholkonsum und einem niedrigeren Risiko aus Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird von vielen Epidemiologen mittlerweile skeptisch beurteilt. So hatten einige Untersuchungen Personen, die niemals Alkohol tranken, nicht genau von Personen getrennt, die erst seit kurzem abstinent lebten. Da chronische Erkrankungen der Anlass sein können, den Alkoholkonsum einzuschränken, könnte die Zusammenfassung beider Gruppen die Ergebnisse leicht verfälschen.

Ein Projekt der Universität Cambridge mit dem University College London bot jetzt die Gelegenheit, die Verbindung erneut zu untersuchen. Die Datenbank CALIBER („ClinicAl research using LInked Bespoke studies and Electronic health Records“) verknüpft die elektronischen Krankenakten von Hausarztpatienten mit Einträgen im landesweiten Krankenhausregister (mit den Diagnosen der Patienten), mit dem Office for National Statistics (das Todesfälle registriert) und mit dem „Myocardial Ischaemia National Audit Project registry“, das die Behandlungsergebnisse bei Herzinfarkt-Patienten bewertet. Da die Hausärzte ihre Patienten routinemäßig nach dem Alkoholkonsum befragen, konnten Steven Bell vom Strangeways Research Laboratory in Cambridge und Mitarbeiter eine Verbindung zu späteren Erkrankungen herstellen. Und die Größe der Datenbankanalyse ermöglichte eine Reihe von detaillierten Analysen.

Von den 1,9 Millionen Erwachsenen im Alter von über 30 Jahren wurde in der Folgezeit bei 114.859 erstmals eine Herz-Kreislauf-Erkrankung diagnostiziert. 

Die Alkoholabstinenz war im Vergleich zum mäßigen Alkoholkonsum mit einem erhöhten Risiko auf folgende Endpunkte assoziiert: Instable Angina pectoris (Hazard Ratio HR 1,33; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,21-1,45), Herzinfarkt (HR 1,32; 1,24-1,41), koronarer Herztod ohne Vorwarnung (HR 1,56; 1,38-1,76), Herzinsuffizienz (HR 1,24; 1,11-1,38), ischämischer Schlaganfall (HR 1,12; 1,01-1,24), periphere arterielle Verschlusskrankheit (HR 1,22; 1,13-1,32) und abdominales Aortenaneurysma (HR 1,32; 1,17-1,49). Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass ein mäßiger Alkoholkonsum vor diesen Erkrankungen schützen könnte. 

Die obere Grenze für einen mäßigen Alkoholkonsum liegt in Großbritannien bei Männern bei 14 „Units“ pro Woche. Das sind sechs Gläser Wein (à 175 ml bei 13 Prozent Alkoholgehalt) oder sechs Pints „Lager“ (à 568 ml bei 4 Prozent Alkoholgehalt) oder fünf Pints „Cider“ (à 568 ml bei 4,5 Prozent Alkoholgehalt) oder 14 hochprozentige Drinks (à 25 ml bei 40 Prozent Alkoholgehalt).

Briten mit einem höheren Alkoholkonsum hatten laut der Studie ein erhöhtes Risiko auf einen koronaren Herztod ohne Vorwarnung (HR 1,21; 1,08-1,35), Herzinsuffizienz (HR 1,22; 1,08-1,37), Herzstillstand (HR 1,50; 1,26-1,77), transitorische ischämische Attacke (HR 1,11; 1,02-1,37), ischämischen Schlaganfall (HR 1,33; 1,09-1,63), intrazerebrale Blutung (HR 1,37; 1,16-1,62) und eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (HR 1,35; 1,23-1,48). Das Risiko auf einen Herzinfarkt (HR 0,88; 0,79-1,00) oder eine stabile Angina (0,93; 0,86-1,00) war dagegen vermindert. 

Die Ergebnisse der Studie sind aufgrund der hohen Teilnehmerzahl und der Berück­sichtigung zahlreicher Begleitfaktoren robust. Die wichtigste Einschränkung ist, dass der Alkoholkonsum vom Arzt erfragt wird und möglicherweise nicht alle Patienten bei ihren Angaben ehrlich sind. Die Forscher konnten auch nicht zwischen den verschiedenen alkoholischen Getränken unterscheiden. 

Die Ergebnisse sollten laut Bell nicht als Aufruf zum Alkoholkonsum missverstanden werden. Alkohol bleibe eine schädliche Substanz und der Konsum sei mit Leberer­krankungen und bestimmten Krebsarten assoziiert. Es gebe andere effektive und sichere Methoden, sich vor Herz-Kreislauferkrankungen zu schützen. Dazu gehören körperliche Bewegung, eine gesunde Ernährung und der Verzicht auf das Rauchen. © rme/aerzteblatt.de

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