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Medizin

Irreversible Elektroporation: Option für nicht mehr therapierbare Leberkrebspatienten

Montag, 27. März 2017

Regensburg – Die Irreversible Elektroporation (IRE) eröffnet konservativ nicht mehr the­rapierbaren Leberkrebspatienten eine neue Option. Das Institut für Röntgen­diag­nostik des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) hat dazu die bisher größte klinische Studie durchgeführt. Die Teilnehmenden überlebten nach einer IRE-Behand­lung im Schnitt zwei Jahre. Somit konnten vorherige Ergebnisse zur Wirksamkeit der Methodik bestätigt wer­den. Die Studie wurde in Scientific Reports publiziert (2017; doi: 10.1038/srep43687).

Hepatozelluläres Karzinom (HCC)

Mit rund 780.000 Neuerkrankungen im Jahr gilt HCC als fünfthäufigster bösartiger Tumor weltweit. Betroffe­ne haben oftmals eine schlechte Prognose, da die Erkrankung häufig erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird und dadurch auf konventionelle Art nicht mehr therapierbar ist. Genau hier gibt IRE Hoffnung: Das Verfahren bietet eine Therapiealternative für bisher inoperable Patienten.

Die Forscher um Christian Stroszczynski und Philipp Wiggermann hatten ins­ge­samt 71 Patienten, die am UKR mit der IRE behandelt wurden, über fünf Jahre hinweg retrospektiv beobachtet. Etwas mehr als 40 Prozent der Patienten hatten ein inoperables hepatozelluläres Karzi­nom (HCC), weitere 40 Prozent nicht resezierbare Metastasen eines kolorekt­alen Karzinoms. Somit hatte das Patien­ten­kollektiv eine eher schlechte Gesamtprognose und zudem multiple Vorbehand­lungen.

Die Studie ergab, dass die Patienten nach der Behandlung im Schnitt länger als zwei Jahre überlebten. Eine vergleichende Prognose für das Gesamtüberleben ohne IRE können die Forscher nicht hinreichend genau abschätzten. Bei etwa 93 Prozent der einbezogenen Fälle konnte eine komplette Tumorentfernung innerhalb des sechs­wö­chi­gen Nachbeobachtungszeitraums nachgewiesen werden. Ein Drittel der behan­delten Patienten entwickelte Rezidive.

„Den im Rahmen der Studie betrachteten Patienten hätte ohne die IRE keine kurative Therapieoption mehr zur Verfügung gestanden“, resümiert Wiggermann. Es sei nur noch eine palliative Systemtherapie möglich. Die IRE könne in der Leber bei Tumoren von bis zu sechs Zentimetern Größe angewandt werden. „Im Gegensatz zu einer Operation blei­ben durch den minimalinvasiven Eingriff lediglich millimeterkleine Narben zurück“, sagt Wiggermann.

„Bislang ist die IRE noch nicht sehr verbreitet. Christoph Nießen, Facharzt im Institut für Röntgendiagnostik des UKR, hofft jedoch, dass die positiven Ergebnisse dazu beitragen, dass künftig mehr Patienten davon profitieren.

Behandlungsmethoden des Leberkrebses im Überblick

Zur Therapie des HCC stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Mittel der Wahl ist die Operation. Operativ entfernt werden kann der Tumor aber nur, wenn noch nicht zu viel des Lebergewebes befallen ist. Als Alternative zur Operation dient häufig die Radiofrequenzablation (RFA). Hierbei wird der Tumor mittels Hitze, die zielgenau über spezielle Sonden in den Körper eingebracht wird, verkocht. Aber auch diese Methodik hat ihre Grenzen. So können beispielsweise nur Tumoren behandelt werden, die kleiner als fünf Zentimeter sind. Auch ist eine vollständige Entfernung der Tumor­zellen oft nicht möglich. Sind alle gängigen Therapieoptionen ausgeschöpft, bietet die IRE betroffenen Patienten eine Behandlungschance.

Die Irreversible Elektroporation ist wie die RFA ein minimalinvasives Verfahren. Zur Durchführung benötigt ein Krankenhaus ein spezielles Gerät und Expertise. Die IRE bekämpft Leberkrebszellen mit zielgerichteten Elektroimpulsen. Im Zentrum des Tumors werden hierfür perkutan über mehrere Sonden Elektroden platziert, deren Lage durch bildgebende Verfahren wie Sonographie oder Computertomographie kontrolliert wird. Sind die Elektroden an ihrem Platz, werden bis zu 80 Mal kurze elektrische Impulse von bis zu 3.000 Volt abgegeben. Das dadurch entstehende elektromagnetische Feld verur­sacht Risse in der Membran der Leberkrebszellen, die zu einem geregelten Zelltod führen.

Die Behandlung kann bis zu zweieinhalb Stunden dauern. Durch den minimalinvasiven Eingriff können Patienten bereits nach drei bis vier Tagen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Ein weiterer Vorteil: Sollten innerhalb einer Behandlung nicht alle Leberkrebszellen zerstört worden sein, kann das Verfahren nach sechs bis acht Wochen wiederholt werden. © gie/idw/aerzteblatt.de

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