Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Modellprojekte zur Fernbehandlung: Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg gibt Startschuss

Dienstag, 28. März 2017

/rocketclips, stock.adobe.com

Stuttgart – Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg hat gestern den Startschuss zur Bewerbungsphase für Fernbehandlungs-Modellprojekte gegeben. „Erstmals in Deutsch­land gestatten wir, dass ärztliche Behandlungen ausschließlich über Kommuni­kations­net­ze durchgeführt werden“, sagte Kammerpräsident Ulrich Clever. Das werde zunächst im Rahmen von Modellprojekten geschehen. Die Kammer nehme ab sofort Bewerbungen entgegen.

Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Landes­ärz­te­kammer Baden-Württemberg den Weg dafür freigemacht und die ärztliche Berufs­ord­nung geändert. Seitdem gestattet diese Modellversuche zur Fernbehandlung. Diese müss­en zuvor von der Lan­des­ärz­te­kam­mer genehmigt und während der Laufzeit evalu­iert werden.

Umfangreicher Kriterienkatalog

Inzwischen hat die Lan­des­ärz­te­kam­mer einen umfangreichen Kriterienkatalog erarbeitet, nach dem potenzielle Bewerbungen beurteilt werden sollen. „Der Kammervorstand hat diese Verfahrensregelungen am vergangenen Wochenende einstimmig beschlossen“, sagte Clever. Eine der Bedingungen für ein Modellprojekt ist demnach beispielsweise, dass der medizinische Standard auch bei Fernbehandlungen eingehalten werden muss. Im Hinblick auf die Patientensicherheit müssten zudem die krankheits- und patientenbe­zoge­nen Umstände in die Entscheidung über Art um Umfang der Fernbehandlung einbe­zogen werden. Auch Datenschutz und Qualitätssicherung hätten „höchste Priorität“.

Vorstellen kann sich Clever im Rahmen des Modellprojektes zum Beispiel eine telefo­ni­sche Behandlung. Möglich wäre eine telefonische Anamnese und Befunderhebung – gegebenenfalls unterstützt durch via Smartphone übertragene Fotos. Auch die individu­elle Beratung und Verordnungen von Arzneimitteln und Krankschreibungen könnten te­le­fonisch erfolgen. „Selbst­verständ­lich gehört zu dem Telefonat auch die Aufklärung des Patienten über die besonderen Rahmenbedingen der ausschließlichen Fernbehand­lung“, so Clever.

Paradigmenwechsel in der ärztlichen Behand­lung 

Ärztliche Fernbehandlungen und Telemedizin finden bereits heute deutschlandweit statt, jedoch ausschließlich bei „Bestandspatienten“. Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württem­berg läute mit ihrer Neuregelung einen Paradigmenwechsel in der ärztlichen Behand­lung in Deutschland ein, zeigt sich der Kammerpräsident überzeugt.

„In anderen Ländern ist das längst Versorgungsrealität. Wir reagieren nicht zuletzt auf die große Nachfrage nach derartigen innovativen Lösungen aus den Reihen unserer Mitglieder. Und auch bei Patienten, in der Politik, bei den Krankenkassen und in der In­dustrie ist das Interesse an unserem Vorstoß riesig“, sagte Clever. Man sehe in den Mo­dellprojekten vielfältige Chan­cen für die Zukunft, gerade auch vor dem Hintergrund der Demografie und des technisch Machbaren. „Und wir gehen davon aus, dass wir mit un­serem Weg auch dem allenthalben spürbaren Ärztemangel ein Stück weit begegnen können“, so Clever.

© EB/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Max Trustner
am Mittwoch, 29. März 2017, 12:06

Wichtiger Schritt in die richtige Richtung

Endlich werden Projekte der Digitalisierung im Gesundheitswesen unterstütz und gefördert! Das wird auch höchste Zeit, vor allem um den aufkommenden Kommunikationsdienstleistern die vielschichtigen Ansprüche transparenter zu machen.
Wir bei Trustner bietet einen Messenger, der durch seine sichere Struktur und den Umgang mit Nutzerdaten bereits jetzt Anwendung in Kliniken finden kann und dies im Tübinger Uni Klinikum auch tut.
Solche Modellprojekte schaffen neue Diskussions- und Kooperationspartner und das wird der eigentliche Meilenstein sein, denn die Digitalisierung wird nicht von einer einzelnen Organisation oder Unternehmen stemmbar sein.

Nachrichten zum Thema

18. Mai 2018
Leipzig – Die gesetzlichen und privaten Krankenversicherer in Deutschland (GKV und PKV) setzen zunehmend auf digitale Informations- und Kommunikationstechnologien. Das berichten Wissenschaftler des
Digitalisierung wird Patienten stärker in den Mittelpunkt rücken
16. Mai 2018
Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstützt eine Anbindung von Gesundheitsdaten an ein geplantes zentrales Bürgerportal. „Wir brauchen die konsequente Digitalisierung von Verwaltung – und
Merkel für Anbindung von Gesundheitsdaten an „Bürgerportal“
15. Mai 2018
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hält am Aufbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) und an der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) fest. Das hat das Bundesministerium für Gesundheit
Spahn hält an Tele­ma­tik­infra­struk­tur und elektronischer Gesundheitskarte fest
14. Mai 2018
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) sucht als Alternative zur elektronischen Gesundheitskarte (eGK) nach einer einfachen Lösung für das Handy. Die Karte sei nicht die attraktivste
Handy könnte neue Alternative zur elektronischen Gesundheitskarte werden
14. Mai 2018
Kiel – Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Schleswig-Holstein hat die von der Kammerversammlung der Lan­des­ärz­te­kam­mer beschlossene Änderung der Berufsordnung zur Fernbehandlung genehmigt. Damit ist es Ärzte
Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Schleswig-Holstein macht Weg für Fernbehandlung frei
14. Mai 2018
Berlin – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will auf die Umbrüche durch das Internet reagieren. „Wir brauchen so etwas wie eine Ethik der Digitalisierung“, sagte Steinmeier gestern auf dem 21.
Steinmeier für ethischen Umgang mit Digitalisierung
14. Mai 2018
Erfurt – Die Telefonnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117 sollte schnellstmöglich auf der Vorder- und Rückseite der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) aufgedruckt werden. Dazu hat der

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige