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Medizin

Clostri­dium-difficile Infektionen: Magensäureblocker erhöhen Rezidivrisiko

Dienstag, 28. März 2017

Rochester – Bei Patienten, die eine Darminfektion mit Clostridium difficile erleiden, sollte die Notwendigkeit einer Behandlung mit Magensäureblockern überdacht werden. Die Weiterführung der Therapie war in einer Meta-Analyse im JAMA Internal Medicine (2017; doi: 10.1001/jamainternmed.2017.0212) mit einem Anstieg des Rezidivrisikos verbunden. 

In den letzten Jahren hat nicht nur die Inzidenz, sondern auch der Schweregrad von Darminfektionen mit Clostridium difficile (CDI) zugenommen. Sie treten nicht mehr nur in Krankenhäusern bei multimorbiden Patienten nach wiederholten Antibiotika­behandlungen auf, sondern zunehmend auch im ambulanten Bereich. Als möglicher weiterer Risikofaktor stehen Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI), aber auch H2-Antagonisten im Verdacht, da der Ausfall der Magensäure die Passage von Keimen in den Darm erleichtern könnte.

Tatsächlich erhalten viele Patienten mit einer CDI Magensäureblocker, die peptische Ulzera verhindern und Säureschäden in der Speiseröhre vorbeugen. In den 16 Beobachtungsstudien, die Sahil Khanna von der Mayo Clinic in Rochester ausgewertet hat, waren 4.038 von 7.703 Patienten mit CDI mit Magensäureblockern behandelt worden.

Bei 892 dieser 4.038 Patienten (22,1 Prozent) kam es zu einem Rezidiv des CDI im Vergleich zu 633 von 3665 Patienten (17,3 Prozent), die keine Magensäureblocker eingenommen hatten. Khanna ermittelt eine Odds Ratio von 1,52, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,20 bis 1,94 signifikant war. Bei der Verwendung von PPI betrug die Odds Ratio sogar 1,66 (1,18-2,34). 

Die Ergebnisse der einzelnen Studien fielen allerdings recht unterschiedlich aus. Khanna gibt die Heterogenität mit 64 Prozent an. In einer weiteren Analyse unter Berück­sichtigung von möglichen Störfaktoren („Confounder“) sank die Odds Ratio (für alle Magensäureblocker) auf 1,38 (1,08-1,76). 

Am Ende können Beobachtungsstudien eine Kausalität nicht beweisen. Da PPI häufig „prophylaktisch“ eingesetzt werden, erscheint es Khanna dennoch ratsam, die Indikation bei Patienten, die bereits eine CDI erlitten haben, zu überprüfen. Klarheit könnte eine randomisierte kontrollierte Studie bringen, in der ein Teil der Patienten die PPI nach der Diagnose einer CDI absetzt. Endpunkt einer solchen Studie wäre die Häufigkeit von Rezidiven. © rme/aerzteblatt.de

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