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Medizin

NanoDisk-Test unterscheidet schnell aktive von latenter Tuberkulose

Dienstag, 28. März 2017

Infografik NanoDisc (grau) detektiert über Antikörper die TB-Proteine CFP-10 und ESAT-6 im Blut /Jason Drees Biodesign Institute at Arizona State University
NanoDisc (grau) detektiert über Antikörper die TB-Proteine CFP-10 und ESAT-6 im Blut /Jason Drees Biodesign Institute at Arizona State University

Arizona – Ein neuer NanoDisk-MS assay, der Blutproben untersucht, misst innerhalb einiger Stunden, ob eine aktive Tuberkulose (TB) vorliegt. Forscher der Arizona State University verkünden, dass der neue Test die Diagnose der TB weltweit verbessern könnte. Die Ergebnisse wurden in Proceedings of the National Academy of Sciences publiziert (2017, DOI: 10.1073/pnas.1621360114).

Der Nachteil der TB-Diagnostik-Methoden, die zurzeit zur Verfügung stehen, sei eine eingeschränkte Genauigkeit und, dass diese Tage oder auch Wochen in Anspruch nehmen könnten, teilt Ye Hu, Autor der Studie, mit. Der NanoDisk-MS assay detektiert zwei Proteine, CFP-10 und ESAT-6, die TB-Bakterien bei einer aktiven Infektion freilassen. Die Sensitivität des neuen Tests liegt bei etwa 92 Prozent, unabhängig davon, ob der Patient mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV) infiziert ist. Es konnte zudem mit einer Spezifität von 87 Prozent von einer latenten TB unterschieden werden.

Diagnostik

Um den TB-Erreger nachzuweisen, analysieren Ärzte in der Regel das Sputum, Bronchialsekret oder Trachealsekret. Ein Test des Magensafts, Urins, Pleuraexsudats, Liquors, anderer Punktions- beziehungsweise Biopsieproben je nach Lokalisation der Erkrankung möglich, sind ebenfalls möglich. Für die Diagnostik steht derzeit der Tuberkulin-Hauttest (THT) mittels Mendel-Mantoux-Methode sowie ein Interferon-Gamma-Tests zur Verfügung. Für das immunologische Testverfahren wird Interferon-Gamma im Blut nachgewiesen (Interferon-Gamma Release Assays, IGRA).

Der neue Test zeige sehr gute Sensitivitäts- und Spezifitätswerte, sagt auch Jan Rybniker, Arzt am Uniklinikum Köln. Das gelte vor allem bei TB-Patienten, bei denen andere Tests häufig versagen: HIV-positive, Patienten mit extrapulmonaler Tuberkulose und Patienten mit geschlossener Lungentuberkulose. „Hoffnung macht auch die Tatsache, dass relativ gut zwischen latenter und aktiver Tuberkulose unterschieden werden konnte. Allerdings wurden nur wenige Patientenproben in einer Fall-Kontroll-Studie getestet“, räumt Rybniker ein. Große multizentrische Studien müssten nun folgen, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Auch wenn der NanoDisk-MS assay dem Kliniker scheinbar die Frage „aktive Tuberkulose ja oder nein“ beantworten kann, so macht er keine Aussage über das Antibiotika-Resistenzprofil des Mykobakteriums, erklärt der Experte der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. „Dies wird in der Veröffentlichung kaum diskutiert, ist aber bei der derzeitigen Zunahme an resistenten Isolaten ein wichtiger Punkt. Die Erregeranzucht wird auch mit diesem Test mit großer Wahrscheinlichkeit der Goldstandard bleiben“, vermutet Rybniker, dessen Forschungs­schwerpunkt auf der Mycobacterium tuberculosis Vakzine-Entwicklung liegt.

Einen weiteren Kritikpunkt führt Rybniker an: Der Test basiere auf aufwendig herzustellenden Nanomaterialien, die die Tuberkulose-Antigene aus dem Serum anreichern sollen. Zudem benötige man für die Durchführung teure Geräte (MALDI-TOF Massenspektrometer). Entgegen dem Fazit der Studienautoren, kommt er daher zu dem Schluss, dass die Anwendung in ärmeren Hochinzidenzländern vorerst nicht möglich sein wird. © gie/aerzteblatt.de

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