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Medizin

FDA lässt Niraparib bei Ovarialkarzinom zu

Mittwoch, 29. März 2017

Silver Spring - Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen weiteren PARP-Inhibitor zur Behandlung des Ovarialkarzinoms und verwandter Malignome zugelassen. Grundlage waren die Ergebnisse einer Phase 3-Studie, in der Niraparib nicht nur bei BRCA-positiven Tumoren das progressionsfreie Überleben deutlich verlängert hat. 

PARP-Inhibitoren sind eine relativ neue Wirkstoffgruppe mit einem raffinierten Wirkprinzip. Die Hemmstoffe des Enzyms Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP) verhindern, dass Krebszellen einen durch Zytostatika induzierten DNA-Schaden reparieren. PARP-Inhibitoren kommen deshalb primär als Erhaltungstherapie nach einer Chemotherapie infrage.

Ihr Einsatzgebiet ist das Ovarialkarzinom. Als erster Wirkstoff wurde 2015 Olaparib zugelassen. In den USA folgte im Dezember 2016 Rucaparib. Beide Substanzen dürfen nur bei Patientinnen eingesetzt werden, bei denen Mutationen im BRCA-Gen vorliegen. Diese Gene sind an der DNA-Reparatur beteiligt und ihr Ausfall steigert die Wirkung von PARP-Inhibitoren. Doch die neuen Wirkstoffe scheinen nicht nur bei dieser relativ kleinen Gruppe wirksam zu sein.

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Dies zeigte sich zuletzt in der ENGOT­OV16/NOVA-Studie, die den neuen PARP-Inhibitor Niraparib mit Placebo bei 553 Patientinnen erprobt hat, die am Rezidiv eines Ovarial­karzinoms oder eines verwandten Karzinoms des Eileiters oder einer Peritonealkar­zinose mit histologischer Herkunft auf dem Ovar (seröses „high-grade“-Karzinom) erkrankt waren. Alle Patientinnen hatten auf zwei Zyklen einer platin-basierten Chemotherapie angesprochen, als sie auf eine zusätzliche Erhaltungstherapie mit Niraparib oder Placebo randomisiert wurden. Primärer Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben. 

Hier kam es, wie Mansoor Mirza vom Rigshospitalet in Kopenhagen und Mitarbeiter im Oktober im New England Journal of Medicine (2016; 375: 2154-64) berichteten, nicht nur bei den 203 BRCA-positiven Patientinnen zu einer Verlängerung von 5,5 auf 21,0 Monate (Hazard Ratio 0,27; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,17 bis 0,41). Auch bei 350 Patientinnen ohne BRCA-Mutation verbesserte Niraparib das progressionsfreie Überleben von 3,9 auf 9,3 Monate. 

Die Ergebnisse der Studie haben jetzt die FDA zur Zulassung von Niraparib veranlasst. Das Mittel darf bei erwachsenen Patientinnen mit rezidiviertem epithelialem Karzinom in Ovarien, Eileiter oder im Peritoneum eingesetzt werden, wenn es unter einer platinbasierten Chemotherapie zu einer Teil- oder Vollremission gekommen ist. 

Die Therapie ist nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen. Am häufigsten kam es in der Studie zu schweren Thrombozytopenien (33,8 Prozent), schweren Anämien (25,3 Prozent) und schweren Neutropenien (19,6 Prozent). Die FDA nennt als weitere Nebenwirkungen Palpitationen, Übelkeit und Erbrechen, Obstipation, Bauchschmerzen mit Distension, Mukositis, Diarrhö, Dyspepsie, Mundtrockenheit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Harnwegsinfektionen, Anstieg der Leberenzyme(AST/ALT), Myalgien, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Dysgeusie, Schlaflosigkeit, Angst, Nasopharyngitis, Dyspnoe, Husten, Hautausschlag und eine Hypertonie. Es kann zu hypertensiven Krisen, zum myelodysplastischen Syndrom, zur akuten myeloischen Leukämie und zu einer Knochenmarkdepression kommen. Frauen, die schwanger sind oder stillen, sollten das Medikament nicht einnehmen.

Der Hersteller hat auch bei der Europäischen Arzneimittelbehörde die Zulassung beantragt. © rme/aerzteblatt.de

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