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Medizin

Blasenentzündung: Neues Bakterium als Auslöser entdeckt

Freitag, 31. März 2017

Blase und Nieren /stock.adobe.com_lom123
Gardnerella vaginalis, die bei vielen gesunden Frauen in der Scheide nachweisbar sind, führen, wenn sie in die Harnblase gelangen, zu Entzündungsprozessen und Epithelschädigungen. /lom123, stock.adobe.com

St. Louis – Wiederkehrende Harnwegsinfekten können auftreten, wenn Escherichia-coli-Bakterien, die in der Harnblasenwand zurückgezogen ruhen, reaktiviert werden. Den möglichen Auslöser für die Reaktivierung haben Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis jetzt in einem Mausmodell entdeckt. Das Bakterium Gardnerella vaginalis, das in geringen Keimzahlen in der Vaginalflora vorkommt und als Verursacher der Scheidenentzündung bekannt ist, soll als indirekter Trigger fungieren, heißt es in der Studie, die in PLOS Pathogens erschienen ist (2017; doi: 10.1371/journal.ppat.1006238).

Fast zehn Prozent der in Praxen verordneten Antibiotika würden aufgrund von Harn­wegs­infektionen verschrieben und ein Viertel der betroffenen Frauen erleide bereits innerhalb von sechs Monaten eine erneute Blasenentzündung, erklärt André Gessner, Direktor des Instituts für Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum Regens­burg. Eine Erklärung für rezidivierende Infektionen der Blase, die häufig nach sexueller Aktivität auftreten, sind intrazelluläre E-coli-Reservoirs in der Harnblasenwand. An ihrem Rückzugsort entgehen sie der Immunreaktionen oder einer Antibiotikatherapie. „Unklar ist aber bislang, welche Mechanismen oder Faktoren, die auch nach Sexualkontakten gehäuft auftretenden, Blasenentzündungen begünstigen“, sagt Gessner.

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Im Mausmodell untersuchten die US-Wissenschaftler um Nicole M. Gilbert, ob bestimm­te Vaginalbakterien der Auslöser sein könnten. Denn sie könnten während sexueller Aktivität in den Harntrakt befördert werden, so die Hypothese. In ihrer Studie bestätigte sich der Verdacht für das Bakterium Gardnerella vaginalis, nicht aber für Lactobacillus crispatus. Gardnerella vaginalis schädigt das Blasenepithel und setzt damit uropatho­gene Escherichia coli aus den Reservoirs frei, sodass eine erneute Infektion hervor­gerufen wird.

„Wenn sich die Ergebnisse bei weiteren Studien am Menschen bestätigen, stünden damit neue Wege zur Infektionsprophylaxe bei Blasenentzündungen offen: Diese Er­kran­kung könnte dann durch Beeinflussung der vaginalen Bakterienflora, zum Beispiel durch spezielle Antibiotika, verhindert werden“, sagt Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie am Uniklinikum Köln und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infek­tiologie. © gie/aerzteblatt.de

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