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Wissenschaftler fordern breite Diskussion zu CRISPR/Cas9

Mittwoch, 29. März 2017

/vchalup, stock.adobe.com

Berlin – Eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über ethische und rechtliche Fragen neuer molekularbiologischer Methoden, die gezielte Eingriffe in das menschliche Erbgut erlauben, fordern Wissenschaftler der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopol­dina. Eine Expertengruppe der Akademie hat dazu jetzt ein Diskussionspapier „Ethische und rechtliche Beurteilung des genome editing in der Forschung an humanen Zellen“ vorgestellt.

Zu den Autoren gehören unter anderen der frühere Präsident der Deutschen For­schungs­­gemeinschaft, der Genforscher Ernst-Ludwig Winnacker, der Mannheimer Jurist Jochen Taupitz, der Heidelberger evangelische Theologe Klaus Tanner und die Münste­ra­ner Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert.

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Bislang galten gezielte Eingriffe ins menschliche Erbgut als technisch schwer machbar. Doch künftig kann eine präzise schneidende Genschere das Erbgut von Pflanzen, Tie­­ren und Menschen verändern – einfach, billig und hocheffizient.

„CRISPR/Cas9“ nennt sich eine 2012 vorgestellt Methode, die sich „anschickt, unsere Lebenswelt ra­di­kal zu verändern“. Das hat der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, in der Januar-Ausgabe des Magazins Forschung und Lehre betont. Damit verbunden sei­en „unerwartete Chancen“ und „kaum kalkulierbare Risiken“, schreibt er.

Die Leopoldina-Autoren will mit der Veröffentlichung jetzt darauf hinweisen, dass ein brei­ter öffentlicher Diskurs über das Thema Genome Editing in der medizinischen Forschung dringend geboten sei, insbesondere, was Eingriffe in Embryonalzellen an­gehe. Die For­schung an menschlichen Embryonen sei zwar in Deutschland durch das Embryonen­schutz­gesetz verboten. Das Gesetz, das 2011 zuletzt geändert wurde, decke aber nicht alle Fragen ab, die die neuen Methoden der Genomchirurgie aufwerfen, so die Leopol­dina-Wissenschaftler.

Sie vertreten unter anderem die Position, dass der Einsatz von Genome Editing zur Er­forschung der menschlichen Embryonalentwicklung sinnvoll ist, weil die Entwicklung beim Menschen sich in einigen Aspekten deutlich von der Embryonalentwicklung bei Tieren un­terscheide. Ferner halten die Leopoldina-Wissenschaftler die Forschung an frühen Embryonen für die Grundlagenforschung für äußerst wichtig.

Sie versprechen sich durch die neuen Methoden neue Erkenntnisse für das Verständnis der frühen Embryonalentwicklung und damit auch verbesserte Verfahren der In-vitro-Fertilisation (IVF) und neue Therapien für genetische Erkrankungen. Schon heute wür­den Erfolg versprechende klinische Studien an HIV-Patienten und zur Behandlung von Krebs durchgeführt.

Eine Absage erteilen die Autoren des Diskussionspapiers Versuchen, mittels Genome Editing genetische Verbesserungen des Menschen zu erzielen. Abgesehen von den nicht abschätzbaren Risiken werfen solche Bestrebungen fundamentale ethische und soziale Fragen auf, so die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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