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Politik

Ärztemangel: SPD in Baden-Württenberg legt Zehn-Punkte-Programm vor

Donnerstag, 30. März 2017

Stuttgart – Die Ruhestandswelle und Nachfolgeprobleme bei Hausärzten erfordern nach Ansicht der SPD im Landtag ein Bündel von Maßnahmen. Ihr Zehn-Punkte-Plan für Hausärzte reicht von mehr Studienplätzen über monetäre Anreize für Praxisärzte in ab­ge­legenen Regionen bis hin zu besserer Vergütung für Allgemeinmediziner. „Nur wenn viele Maßnahmen gleichzeitig angegangen werden und alle Beteiligten an einem Strang zieh­en, kann die ärztliche Versorgung auf dem Land sichergestellt werden“, sagte Fraktions­chef Andreas Stoch heute in Stuttgart.

Mehr als 40 Prozent der Hausärzte sind älter als 60 Jahre

Im Jahr 2000 waren 6.229 Hausärzte im Land tätig – fünf Jahre später 750 weniger. Und der Rückgang geht weiter, denn derzeit sind mehr als 40 Prozent der Hausärzte älter als 60 Jahre. Der Fachkräftemangel bei den Ärzten sei größer als der bei den Inge­nieu­ren in der Automobilindustrie, erläuterte Stoch. Besonderer Ärztemangel herrsche in den Be­reichen Donaueschingen, Eberbach, Horb, Ostalb und Öhringen. Oft sei eine Eins-zu-eins-Wiederbesetzung einer Praxis nicht möglich. „Eine Zweig­praxis, die nur drei Tage in der Woche besetzt ist, ist besser als gar keine ärztliche Versorgung vor Ort“, sagte der SPD-Sozialpolitiker Rainer Hinderer.

Ge­sund­heits­mi­nis­ter Manne Lucha (Grüne) muss nach Ansicht Hinderers den Blick in den unterschiedlichen Koordinierungsforen, etwa in der Landesgesundheitskonferenz, auf die Problematik lenken. Lucha betonte, mit diesen Forderungen renne man bei ihm offene Türen ein: „Die Landesregierung arbeitet längst intensiv an dieser Heraus­forde­rung.“

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Auch Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) verwies darauf, dass viele der ge­forderten Maßnahmen bereits in der Planung sind. Mit dem Masterplan Medizin­studium 2020 stoße man wichtige Reformen in der Medizinerausbildung an, insbesondere die Stärkung der Allgemeinmedizin, sagte Bauer. Der Masterplan ist allerdings aufgrund der fehlenden Finanzierung bislang noch nicht von Bund und Ländern verabschiedet worden.

Zielgenaue Bedarfsplanung notwendig

Die Techniker Krankenkasse wünscht sich eine „Agenda ambulante Medizin 2030“ von Kassenärztlicher Vereinigung (KV) und Land. Aus Sicht der AOK Baden-Württemberg be­darf es dringend neuer Konzepte, die der Lebenswirklichkeit junger Ärzte gerecht wer­den. „Ärztinnen und Ärzte, die zu einer 70-Stunden-Woche bereit sind, gibt es immer we­niger“, sagte Landeschef Christopher Hermann. In der Zukunft werde der Arzt in der Stadt wohnen, 30 Kilometer zu seinem Teilzeitarbeitsplatz fahren und dort seine Leis­tung erbringen.

Der Gemeindetag begrüßte den Zehn-Punkte-Plan, mahnte jedoch weitere Schritte an. „Wir brauchen eine viel zielgenauere, an den Städten und Gemeinden orientierte Be­darfsplanung“, sagte Verbandspräsident Roger Kehle an die Adresse der Kassen­ärztl­ichen Vereinigung. Er betonte auch, die Sicherstellung der hausärztlichen Versor­gung sei keine kommunale Aufgabe. Zwar könnten Städte und Gemeinden Nieder­lassungs­bedingungen verbessern. Die notwendige finanzielle Unterstützung müsse jedoch von der KV kommen. © dpa/aerzteblatt.de

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