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Bronchopulmonale Dysplasie: DHA kann Lungenschädigung bei Frühgeborenen nicht verhindern

Freitag, 31. März 2017

Ramona-Heim-stockphotocom

Adelaide – Der Versuch, Frühgeborene durch enterale Gabe von Docosahexaensäure (DHA) vor einer bronchopulmonalen Dysplasie zu schützen, ist in einer randomisierten klinischen Studie gescheitert. Die Ergebnisse des N3RO-Trial wurden jetzt im New England Journal of Medicine (2017; 376: 1245-1255) publiziert.

Docosahexaensäure (DHA) gehört zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Es ist ein integraler Bestandteil von Membranen, vor allem der Nervenzellen. Das South Australian Health and Medical Research Institute (SAHMRI) hatte in einer früheren randomisierten  klinischen Studie untersucht, ob die gezielte Gabe von DHA über eine enterale Sonde Frühgeborene vor neurologischen Komplikationen schützen kann.

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Damals waren 657 Kinder, die vor der 33. Gestationswoche geboren wurden, auf eine hoch oder niedrig dosierte DHA-Gabe randomisiert worden. Die hochdosierte DHA-Sondennahrung konnte den neurologischen Entwicklungsstand der Kinder im Alter von 18 Monaten nicht verbessern (JAMA 2009; 301: 175-182).

In einer Untergruppe von Kindern mit einem Geburtsgewicht unter 1.250 Gramm war es jedoch zu einer niedrigeren Zahl von bronchopulmonalen Dysplasien gekommen, einer weiteren schweren Komplikation von Frühgeburten. Da DHA das „entzündliche Gleich­gewicht beeinflusst, die Zellfunktion moduliert und entzündliche Reaktionen abschwächt“, wie Carmel Collins und Mitarbeiter am SAHMRI jetzt schreiben, wurde eine weitere randomisierte klinische Studie begonnen, die dieses Mal die Prophylaxe der bronchopulmonalen Dysplasie zum Ziel hatte. 

An 13 Zentren in Australien, Neuseeland und Singapur wurde bei 1.205 Säuglingen, die vor der 29. Gestationswoche geboren wurden, spätestens am dritten Lebenstag mit einer enteralen Sondenernährung begonnen, die bis zur 36. postmenstruellen Woche fortgesetzt wurde. Bei der Hälfte der Frühgeborenen enthielt die Sondennahrung DHA in einer Dosierung von 60 mg pro kg Körpergewicht, in der anderen Gruppe wurde eine Soya-Emulsion ohne DHA gegeben. Primärer Endpunkt war das Auftreten einer broncho­pulmonalen Dysplasie bis zur 36. postmenstruellen Woche.

Nach den jetzt von Collins und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnissen ist auch der zwei­te Versuch gescheitert, die Prognose von Frühgeborenen durch DHA-Gabe zu ver­bessern. Die Häufigkeit einer bronchopulmonalen Dysplasie war mit 291 von 592 Säuglingen (49,1 Prozent) sogar höher als in der Kontrollgruppe, in der 269 von 613 Säuglingen (43,9 Prozent) erkrankten. Das relative Risiko von 1,13 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,02 bis 1,25 signifikant erhöht. Die DHA-Gabe könnte demnach mehr geschadet als genutzt haben. Auch die Sterberate war mit 6,2 Prozent versus 4,5 Prozent (vor der 36. Woche) und 7,9 versus 5,9 Prozent (vor der Entlassung aus der Klinik) erhöht. Die Unterschiede waren in diesem sekundären Endpunkt jedoch nicht signifikant.

Die Studie liefert damit überzeugende Argumente gegen eine enterale Ernährung mit DHA. Sie wirft laut Collins auch Fragen zur parenteralen Ernährung auf, bei der eben­falls mit DHA angereicherte Lösungen verwendet werden (sie stellt allerdings die enterale oder parenterale Ernährung an sich nicht infrage).

Eine weitere in der letzten Woche publizierte randomisierte Studie des SAHMRI kam zu dem Ergebnis, dass DHA-Supplemente in der Schwangerschaft ohne Auswirkungen auf die Intelligenz der Kinder bleiben. Nach einer Ende Dezember publizierten Studie könnte die Einnahme von DHA (plus Eicosapentaensäure) in der Schwangerschaft allerdings eine präventive Wirkung gegen Asthmaerkrankungen im Kleinkindalter haben.

© rme/aerzteblatt.de

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