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Politik

„Studentisches Know-How stärker berücksichtigen“

Montag, 3. April 2017

Berlin – Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) hat die Ei­nigung von Bund und Ländern über die Reform des Medizinstudiums grundsätzlich be­grüßt. Die Option für eine Landarztquote und eine Pflichtprüfung Allgemeinmedizin leh­nen die Medi­zin­studierenden in Deutschland aber weiter ab. Nicolas Krapp, Bundeskoor­di­nator der AG Medizinische Ausbildung der bvmd, erläutert, was die Studierenden in Deutsch­land für zukunftsweisend halten – und was nicht.

Fünf Fragen an Nicolas Krapp, Bundeskoor­di­nator der AG Medizinische Ausbildung 

DÄ: Es geht voran bei der Reform des Medizinstudiums. Sind Sie zufrieden?
Nicolas Krapp: Wir sind grundsätzlich zufrieden damit, dass die Reform nicht weiter auf Eis liegt. Aber einzelne Punkte des Masterplans sehen wir sehr kritisch. Dazu gehört insbesondere die sogenannte Landarztquote, welche die Bundesländer ja künftig ein­führen können.

DÄ: Was kritisiert die bvmd daran?
Krapp: Die Bundes­ärzte­kammer und viele andere – auch wir – haben die Kritik daran ja immer wieder for­mu­liert. Es ist einfach nicht richtig, junge Menschen nach der Schule bereits auf eine hausärztliche Tätigkeit auf dem Land festzulegen – noch vor jeder Vorlesung und vor dem allerersten Patientenkontakt im Studium. Wichtig ist uns noch, dass eine solche Quote auch die Allgemeinmedizin und die hausärztliche Tätigkeit auf dem Land abwertet. Statt die Bedingungen dieser Tätigkeit zu verbessern, werden Zwangsmaßnahmen eingeführt.

DÄ: Die übrigen Maßnahmen im Masterplan zur Stärkung der Allgemeinmedizin ...
Krapp: … sehen wir gemischt. Zunächst: Die Pflichtprüfung Allgemeinmedizin am Ende des Studiums lehnt die bvmd ab. Das neue ambulante Quartal im Praktischen Jahr (PJ) begrüßen wir dagegen grundsätzlich. Dies ist ja eine weitere Wahlmöglichkeit für Stu­die­rende. Natürlich geht es jetzt um die Ausgestaltung. Die Anforderungen an die Praxen müssen formuliert werden – Stichwort Zertifizierung –, PJ-Logbücher für das Quartal er­stellt und externe Lehr- und Lernmöglichkeiten eingerichtet werden, also Kolloquien und Seminare zur Ausbildung. Außerdem müssen wir schauen, wie das ambulante Quartal so organisiert werden kann, dass es für Studierende keine zusätz­lichen finanziellen Belas­tun­gen bedeutet. Schließlich können PJler nicht parallel noch arbeiten, um Fahrtkosten zu den Praxen und gegebenenfalls Unterkunft vor Ort zu bezahlen.

DÄ: Was hält die bvmd von den Plänen für mehr Wissenschaft im Studium?
Krapp: Das begrüßen wir! Jeder Medizinstudierende sollte vor dem ersten und dann noch einmal vor dem zweiten Staatsexamen eine wissenschaftliche Arbeit schreiben. Da­bei geht es nicht um die Promotion, sondern darum, wissenschaftliche Studien lesen und einordnen zu lernen. Das muss jeder Arzt können.

Die Promotion dagegen würden wir gern nach dem Studium ansiedeln, wie in anderen na­turwissenschaftlichen Fächern auch. Dann sollte sie aber strukturiert in Form von Pro­motionsprogrammen mit guter Betreuung erfolgen.

DÄ: Was fehlt der bvmd im jetzt laufenden Prozess der Studienreform?
Krapp: Wir wünschen uns, dass in der jetzt folgenden Phase, in der ein Experten­gremi­um Maßnahmen des Masterplans in die Approbationsordnung überführen soll, die stu­dentische Sicht maßgeblich beteiligt ist. Am liebsten wäre uns, Medizinstudierende wür­den bei der Arbeit der Kommission mit am Tisch sitzen.

Und es gibt eine zweite wichtige Sache: Bei der Erstellung des Nationalen Kompetenz­ba­sierten Lernzielkataloges Medizin (NKLM) haben Studierende ganz offiziell mitgewirkt. Im Masterplan sind die Medizinstudierenden aber bei der Weiterentwicklung des NKLM nicht mehr erwähnt. Aber wir wollen auch hier weiterhin mitarbeiten.

Der dritte Punkt bezieht sich auf die Qualität der Lehre: Gute Lehre kann nur funktio­nie­ren, wenn Ärzten in der Klinik Zeit dafür eingeräumt wird, Lehrkompetenzen zu erlangen und Veranstaltungen adäquat vorzubereiten. Das fällt bei dem augenblicklichen Arbeits­druck im klinischen Alltag oft unter den Tisch, ist aber für die Qualität des Studiums enorm wichtig. Im Masterplan findet sich dazu leider nichts Konkretes. © hil/aerzteblatt.de

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