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Medizin

Evidenz für Aortenschädigung durch Fluorchinolone sehr gering

Montag, 3. April 2017

Bonn – Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone stehen bekanntlich im Verdacht, kollagenreiche Strukturen schädigen zu können. Zwei im Jahr 2015 veröffentlichte epide­mi­ologische Studien fanden ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Aorten­aneurysmen und Aortendissektionen unter der Einnahme von Fluorchinolonen. Eine Arbeitsgruppe des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat nun den Zusam­men­­hang untersucht und die Studien sowie weitere Einzelfallberichte analy­siert. Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse im Bulletin zur Arzneimittelsicherheit des BfArM und des Paul-Ehrlich-Instituts veröffentlicht (2017; 1: 3–11).

„In Deutschland stellen die Fluorchinolone aktuell unter den Antibiotika nach Beta­lakta­men, Makroliden und Tetracyclinen die viertstärkste Verordnungsgruppe mit 33,7 Millio­nen definierten Tagesdosen im ambulanten Bereich dar“, berichten die Autoren. Sie wür­den aufgrund ihres breiten Wirkungsspektrums bei einer Vielzahl von Infektionen wie Harn­wegs- und Atemwegsinfektionen sowie schweren systemischen Infektionen einge­setzt.

Im Jahre 2015 wurden erstmals Ergebnisse aus zwei Beobachtungsstudien zum Risiko von Aortenaneurysmen und Aortendissektionen unter der Therapie mit Fluorchinolonen publiziert. Die taiwanesische Fall-Kontroll-Studie und die kanadische Kohortenstudie zei­gen übereinstimmend ein um den Faktor zwei erhöhtes Risiko unter Fluorchinolon­thera­pie. „Beide Studien weisen jedoch hinsichtlich der Assoziation zwischen Fluorchino­lonen und dem Ereignis Aortenaneurysmen/Aortendissektionen eine zu geringe Evidenz auf, um zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Aktualisierung der Produktinformationen zu recht­fer­tigen“, berichten die Autoren.

Die bewerteten Spontanberichte seien im Verhältnis zur sehr hohen weltweiten Exposi­tion gering. Bei einer Mehrzahl der Patienten lagen zudem Risikofaktoren für das Auf­treten von Aortenaneurysmen und Aortendissektionen vor, womit alternative Ursachen nicht aus­geschlossen werden könnten. „Insgesamt handelt es sich bei der Assoziation von Aor­tenaneurysmen und Aortendissektionen mit Fluorchinolonen um Zusammen­hänge, die nur sehr schwer im Rahmen von Beobachtungsstudien evaluiert werden können. Dies beruht vor allem auf der Seltenheit der Grundereignisse und den zahl­reichen mög­lichen Störfaktoren und Verzerrungen“, schreiben die Autoren.

Sie mahnen aber, Fluorchinolone generell nur entsprechend der Zulassungen und aktu­ellen Therapieleitlinien anzuwenden, also nicht als Mittel der ersten Wahl für zum Beispiel unkomplizierte Zystitis oder ambulant erworbene Pneumonien. Außerdem sollten Ärzte bei Patienten mit Risikofaktoren für die Entstehung und Progression von Aortenaneu­rys­men und -dissektionen sehr sorgfältig erwägen, ob nicht Therapie­alternativen möglich wären. Dies gelte „trotz der derzeit begrenzten Evidenz für einen Kausalzusammenhang“ zwischen der Gabe von Fluorchinolonen und dem Auftreten von Aortenaneurysmen und Aortendissektionen, so die Autoren. © hil/aerzteblatt.de

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