Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Unterbesetzung im öffentlichen Gesundheitsdienst: KV Thüringen schlägt Alarm

Montag, 3. April 2017

Weimar – Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Thüringen hat einen dringlichen Appell an das Land und die Kommunen gesandt, den öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) zu stärken. „Viele ärztliche Stellen sind unbesetzt. Amtsärzte sind meist Einzelkämpfer und schaffen trotz außerordentlichen Engagements kaum mehr ihre Pflichtaufgaben“, warnte die KV. Vielerorts seien die Gesundheitsämter nur noch eine „formale Hülle mit wenigen Verwaltungsmitarbeitern“. Kaum ein kommunales Gesundheitsamt biete daher zum Bei­spiel noch umfassende Impfungen und Impfberatungen an.

Land und Kommunen suchten mittlerweile für einzelne Aufgaben des ÖGD sogar nach Ver­tretungsärzten. So rief das Thüringer Bildungsministerium in Ermangelung von Amts­ärz­ten in Ärzteblatt und KV-Rundschreiben Ärzte dazu auf, die Tauglichkeits­untersu­chun­gen für die Verbeamtung von Lehrern zu übernehmen.

„Wenn wir auf Dauer die ärztlichen Aufgaben des öffentlichen Gesundheitsdienstes mit­er­ledigen müssen, geht das am Ende zulasten unserer eigentlichen Aufgabe, der Versor­gung der gesetzlich versicherten Patienten in Thüringen“, warnte die erste Vor­sitzende der KV Thüringen, Annette Rommel. Sie appellierte an Land und Kommunen, den ÖGD „personell, finanziell und materiell so auszustatten, dass er seine Aufgaben wieder selbst erledigen kann.“

Erst Anfang des Jahres hatte die Landesregierung in Thüringen angekündigt, den Kom­mu­­nen bei der Besetzung offener Amtsarztstellen und der Qualifizierung von Medi­zinern unter die Arme zu greifen. „Wir haben dafür in diesem Jahr Geld im Landeshaus­halt vor­ge­sehen“, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).

Grund für das Fehlen von Amtsärzten sei in der Regel die Gehaltsdifferenz zu Klinik­ärz­ten, die bis zu 1.000 Euro monatlich betragen könne, so Ramelow. Durch die Landes­hilfe sollen die Kommu­nen die Gehaltslücke durch Zulagen verringern und so möglichst mehr Mediziner gewinnen. „Letztlich ist die Bezahlung von Amtsärzten aber eine Sache von Ta­rifver­hand­­lun­gen der Gewerkschaften und des kommunalen Arbeitgeber­verbandes“, be­tonte Ra­me­low.

Schon auf dem Deutschen Ärztetag 2014 hatte die Vorsitzende der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Ute Teichert, vor einem Ausbluten des ÖGD gewarnt. „In zehn Jahren sind die meisten heute Aktiven im Ruhestand“, stellte Tei­chert 2014 fest. Zudem sei jede siebte Facharztstelle im ÖGD länger als sechs Monate unbesetzt. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

21.09.17
„Die Fachkräftequote ist auch bei den Pflegekräften dringend notwendig“
Berlin – Am 24. September ist Bundestagswahl. Das Deutsche Ärzteblatt hat die gesundheitspolitischen Sprecher der Parteien, Länderminister, Verbände und Ärzte aus der Patientenversorgung befragt, wie......
07.09.17
Mehr Ärzte behandeln in Thüringens Krankenhäusern mehr Patienten
Erfurt – In Thüringens Krankenhäusern behandeln immer mehr Ärzte immer mehr Patienten. 5.050 Ärzte kümmerten sich im vergangenen Jahr um 588.633 stationär aufgenommene Patienten, wie das Landesamt für......
16.08.17
Kollabierender Gesundheitsdienst gefährdet Versorgung von Kindern und Jugendlichen
Köln – Angesichts des drohenden Personalmangels im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) vor massiven Versorgungsmängeln gewarnt. „Der ÖGD darf......
15.08.17
Thüringen will Gehörlose finanziell unterstützen
Erfurt – Die rund 1.900 tauben Menschen in Thüringen sollen künftig finanzielle Unterstützung nach dem Vorbild des Blindengeldes bekommen. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde heute im......
02.08.17
Telemedizin: TK plädiert für Referat im Sozialministerium in Thüringen
Erfurt – Für den schnelleren Ausbau telemedizinischer Angebote dringt die Thüringer Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) auf die Einrichtung eines Referats für Digitalisierung im......
17.07.17
Hausärzteverband Thüringen dämpft Erwartungen an Videosprechstunde
Kranichfeld/Weimar – Der Thüringer Hausärzteverband dämpft die Erwartungen an Videosprechstunden in Arztpraxen der niedergelassenen Ärzte. „Ich finde die Idee charmant, bezweifle aber, dass man damit......
05.07.17
Erste Klage gegen Thüringer Krankenhausplan angekündigt
Erfurt – In Thüringen ist noch kein Landeskrankenhausplan ohne Klage in Kraft getreten. Auch diesmal zeichnen sich juristische Auseinandersetzungen ab: Das SRH-Krankenhaus Waltershausen-Friedrichroda......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige