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Medizin

Menopause: Neurokinin B-Antagonist lindert klimakterische Beschwerden

Dienstag, 4. April 2017

/pixdesign123 stockadobecom

London – Ein oral verfügbarer Wirkstoff, der in die hormonelle Thermoregulation des Hypothalamus eingreift, hat in einer Phase 2-Studie die vasomotorischen Symptome gelindert, zu denen es bei den meisten Frauen mit den Wechseljahren kommt. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der Endocrine Society in Orlando/Florida vorgestellt und im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)30823-1) publiziert.

Die Menopause beginnt zwar im Ovar, wo mit dem Verbrauch der Follikel die Östrogen­produktion erlischt. Die Folgen machen sich jedoch auch im Gehirn bemerkbar. Durch den Ausfall des negativen Feedbacks der Östrogene steigt im Hypothalamus die Produktion des Gonadotropin-Releasing-Hormons. Die vermehrt aktiven NKB-Neurone (für „kisspeptin–neurokinin B“) haben Verbindungen zur Area praeoptica, die für die Thermoregulation zuständig ist.

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Hier greift der Neurokinin B-Antagonist MLE4901 ein, der von AstraZeneca entwickelt und von der Firma Millendo Therapeutics in Ann Arbor/Michigan lizensiert wurde, einer kleineren Firma, die auf die Entwicklung von neuen Hormonpräparaten spezialisiert ist. MLE4901 verhindert, dass der überaktive Hypothalamus die Wärmeabgabe steigert, indem die Hautgefäße erweitert werden. Bei den betroffenen Frauen machen sich diese vasomotorischen Reaktionen durch Hitzewallungen und Nachtschweiß bemerkbar, was viele als Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität erleben.

Die klimakterischen Beschwerden lassen sich durch die Substitution von Östrogen vermeiden, die lange als Hormonersatztherapie populär war, inzwischen aber wegen der damit verbundenen Risiken (Brustkrebs, Thrombosen, Schlaganfall) weitgehend verlassen wurde. Antidepressiva, Antikonvulsiva oder auch Naturheilmittel sind entweder zu schwach wirksam oder nicht frei von Nebenwirkungen, die die Lebensqualität mindern können.

Es besteht deshalb durchaus Bedarf für einen neuen Wirkstoff, der in die Pathogenese der klimakterischen Beschwerden eingreift, und MLE4901 könnte ein solches Mittel sein. Der Wirkstoff ist oral verfügbar, und er erzielte bei zweimal täglicher Einnahme in der Studie, deren Ergebnisse ein Team um Waljit Dhillo vom Imperial College London vorstellt, eine gute Wirkung.  

An der Studie nahmen 28 Frauen teil, bei denen die Menopause (entweder natürlich oder nach bilateraler Oophorektomie) durch den Anstieg des Follikel-stimulierenden Hormons auf über 20 mIU/ml oder einen Abfall des Estradiolswerts auf unter 90pmol/l dokumentiert war. In einem Cross-Over-Design wurden die Teilnehmerinnen über jeweils vier Wochen mit MLE4901 (zweimal täglich 40 mg) oder Placebo behandelt.

Die Behandlung mit MLE4901 senkte die Gesamtzahl der Hitzewallungen in der letzten Woche einer 4-wöchigen Behandlungsperiode um 73 Prozent im Vergleich zu einem Rückgang um 28 Prozent unter Placebo. MLE4901 senkte auch den Schweregrad der Hitzewallungen und milderte die Beeinträchtigungen der Frauen, von denen viele eine Verbesserung der Lebensqualität angaben.

Dabei wurde MLE4901 im Allgemeinen gut vertragen. Es gab laut Dhillo keine ernsthaften Nebenwirkungen. Einzig ein leichter reversibler und asymptomatischer Anstieg der Transaminasen bei normalen Bilirubinwerten nach 28 Tagen Behandlung, zu dem es bei drei Teilnehmerinnen kam, wirft noch Fragen auf.

Der Hersteller hat aufgrund der Ergebnisse eine Folgestudie angekündigt. In einer weiteren Studie wird derzeit untersucht, ob sich MLE4901 auch zur Behandlung des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCSO) eignet. Bei dieser Erkrankung kommt es nach neueren Erkenntnissen auch zu einer Fehlregulation der NKB-Neurone. © rme/aerzteblatt.de

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