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Auwaldzecke: Weiterer FSME-Überträger entdeckt

Dienstag, 4. April 2017

/emer, stock.adobe.com

Stuttgart – Die Auwaldzecke kann das Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)-Virus übertragen. Das haben Wissenschaftler der Universität Hohenheim in Stuttgart, des Deutschen Konsiliarlabors für FSME in München und des Landesgesundheitsamtes Ba­den-Württemberg herausgefunden. Bislang ist den Experten zufolge allerdings nicht klar, ob die winzigen Tiere erst kürzlich zum Überträger wurden, oder ob ihre Gefähr­lichkeit bislang schlicht nicht bekannt war.

Bekanntermaßen kann FSME durch Zeckenstiche auf Menschen übertragen werden. Mit 350 bis 400 Erkrankungsfällen bundesweit war 2016 ein extremes Zeckenjahr, wie der Leiter des Deutschen Konsiliarlabors für die FSME, Gerhard Dobler, schreibt. Neu seien immer mehr Fälle auch aus dem Norden Deutschlands, wie die Stuttgarter Parasitologin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim berichtet. „Da läuft gerade etwas ab, was sich hier abschließend noch keiner erklären kann.“

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Zudem gibt es neben den Zecken auch eine neue Ansteckungsquelle: Zwei Menschen hatten im vergangenen Jahr auf einem Ziegenhof in Zwiefalten bei Reutlingen Rohmilch von Ziegen getrunken, die mit dem FSME-Virus verunreinigt war. Es seien bereits verein­zelt solche Fälle aus Osteuropa bekannt geworden, wie Rainer Oehme vom Landesge­sund­heitsamt Baden-Württemberg erklärt.

Bei den Patienten aus Zwiefalten handele es sich aber um den ersten umfassend dokumentierten Fall. Eine Übertragung durch Roh­milch­käse sei ebenso denkbar. Pasteurisierte Milch hingegen könne diesbezüglich be­den­kenlos getrunken werden.

Das üble an der vom FSME-Virus ausgelösten Hirnhautentzündung sei, dass es keine Therapie oder Medikamente gebe, wie Oehme erklärt. Die Behandlung beschränke sich nach wie vor darauf, die Symptome zu lindern. „Da macht es wirklich Sinn, sich zu schüt­zen.“ Zumal Langzeitschäden drohten. Baden-Württemberg ist wie Bayern seit Jahren ein FSME-Risikogebiet. Auch Teile Südhessens und Südthüringens sowie kleinere Ecken in Rheinland-Pfalz oder im Saarland zählen dazu. Zuletzt dehnte sich die Grenze weiter Richtung Norden aus.

Die Fälle der Erkrankungen bundesweit schwanken nach Angaben der Experten von Jahr zu Jahr teils deutlich. 80 bis 90 Prozent entfielen bisher aber stets auf den Süden. Die meisten FSME-Infizierten bleiben beschwerdefrei. Andere haben grippeähnliche Symptome wie Fieber und Gelenkbeschwerden. In schweren Fällen kommt es zur Ent­zündung des Gehirns, etwa der Hirnhäute. Auch das Rückenmark kann betroffen sein.

Inzwischen gebe es keinen Zweifel mehr, dass nicht nur der Holzbock, sondern auch die Auwaldzecke den FSME-Virus auf den Menschen übertragen kann, meint Experte Dob­ler. Aus Nordsachsen, abseits des Risikogebiets Süddeutschland, sei ein Fall nachge­wie­sen. Eine Patientin habe einen Ort angegeben, wo Auwaldzecken samt Virus gefun­den wurden.

Das Tückische: Im Gegensatz zum Holzbock, der bisher als Hauptverursacher der FSME galt, ist die Auwaldzecke ganz früh im Jahr und im Herbst wieder bis zum ersten Schnee aktiv, wie Dobler erklärt. Die Zeit mit aktiven und gefährlichen Zecken weitet sich also aus. Dobler nennt das „Verlängerung der Aktivperiode“. © dpa/aerzteblatt.de

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