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Medizin

Studie: Häufige Antibiotika-Behand­lungen könnten Darmkrebsrisiko erhöhen

Mittwoch, 5. April 2017

Bits-and-Splits-stockadobecom

Boston – Teilnehmerinnen der Nurses Health Study, die im jungen und mittleren Erwachsenenalter längere Zeit mit Antibiotika behandelt worden waren, hatten im Alter bei einer Vorsorge-Koloskopie häufiger Polypen im Darm, die eine Vorstufe des Kolo­rektalkarzinoms sind. Dies zeigt eine Auswertung der prospektiven Beobachtungsstudie in Gut (2017; doi: 10.1136/gutjnl-2016-313413).

Eine Antibiotikabehandlung kann die Darmflora über längere Zeit schädigen. Dabei kann es zu einem Rückgang bestimmter Darmbakterien, etwa von Bacteroidetes, Firmicutes und Proteobacteria kommen, deren Platz von anderen Arten wie den Fusobacteriae übernommen werden. Diese Konstellation der Darmflora wird häufig auch bei Patienten mit Darmkrebs beobachtet. Häufige Antibiotika-Behandlungen könnten deshalb langfristig das Darmkrebsrisiko erhöhen. 

Ein Team um Andrew Chan vom Massachusetts General Hospital in Boston hat hierzu die Daten der Nurses Health Study ausgewertet. Die Studie begleitet seit 1976 eine Gruppe von mehr als 120.000 US-Krankenschwestern, die regelmäßig nach ihren Lebensumständen und ihrem Gesundheitszustand befragt werden. Insgesamt 16.642 Teilnehmerinnen haben inzwischen das Alter von über 60 Jahren erreicht und an mindestens einer Vorsorge-Koloskopie teilgenommen. Bei 1.195 Frauen wurden dabei Polypen entdeckt, die eine Darmkrebsvorstufe sind und die deshalb bei der Unter­suchung entfernt werden. Die Teilnehmerinnen hatten vor der Koloskopie auch einen Fragebogen ausgefüllt, in dem sie nach früheren Antibiotikabehandlungen gefragt wurden. 

Ergebnis: Bei Frauen, die im Alter zwischen 20 und 39 Jahren über zwei Monate oder länger Antibiotika erhalten hatten, waren zu 36 Prozent häufiger Polypen entdeckt worden als bei Frauen, die in dieser Zeit keine Antibiotika erhalten hatten. Die multivariate Odds Ratio von 1,36 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,03 bis 1,79 signifikant. 

Auch eine Antibiotikabehandlung (über zwei Monate oder länger) im Alter von 40 bis 59 Jahren war mit einer häufigeren Diagnose von Darmpolypen verbunden. Die Odds Ratio betrug hier 69 Prozent 1,69 (1,24-2,31). Die Antibiotika-Behandlungen waren sowohl mit risikoarmen als mit risikoreichen Adenome assoziiert. Zu letzteren gehören Adenome mit einer Größe vom mehr als 1 cm sowie Adenome mit tubulovillöse oder villöser Gestalt, sowie das Auftreten von drei oder mehr Adenomen bei einer Patientin). Für Polypen im proximalen Dickdarm war die Assoziation ausgeprägter als für Polypen im distalen Dickdarm. Eine Antibiotika-Behandlung in den vier Jahren vor der Koloskopie war nicht mit einer häufigeren Diagnose von Darmpolypen assoziiert. 

Die Studie kann eine Kausalität nicht beweisen, sie wirft aber erneut Fragen zu einem unkritischen Einsatz von Antibiotika auf, der in anderen Studien auch mit entzündlichen Darm­er­krank­ungen, Zöliakie und Adipositas in Verbindung gebracht wurde. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren Antibiotika wie Rifaximin entwickelt wurden, die nicht vom Darm resorbiert werden und sich deshalb für einen längerfristigen Einsatz anbieten. © rme/aerzteblatt.de

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