NewsMedizinALS möglicherweise durch Belastungen am Arbeitsplatz getriggert
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

ALS möglicherweise durch Belastungen am Arbeitsplatz getriggert

Donnerstag, 6. April 2017

Utrecht – Eine Belastung mit extrem niederfrequenten elektromagnetischen Feldern am Arbeitsplatz könnte das Risiko erhöhen, an einer amyotrophen Lateralsklero­se (ALS) zu erkranken. Das berichten Wissenschaftler der Division of Environmental Epidemiology, Institute for Risk Assessment Sciences der Universität Utrecht im Journal of Occupatio­nal & Environmental Medicine (2017; doi: 10.1136/oemed-2016-103780).

ALS ist eine neurodegenerative Erkrankung, der ein progressiver Verlust der motori­schen Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark zugrunde liegt. Derzeit gibt es keine Heilung. Erkrankte sterben meist binnen weniger Jahre nach der Diagnose. Vor­he­rige Studien hatten bereits die Vermutung aufgeworfen, dass ALS mit extrem niederfre­quen­ten elektromagnetischen Feldern, elektrischen Schocks, Lösungsmitteln, Metallen und Pestiziden bedingt durch den Arbeitsplatz in Verbindung stehen könnte. Mängel am Stu­diendesign der bisher dazu existierenden Studien stellten die Zusammenhänge laut den Forschern jedoch infrage.

Um diese möglichen Fallstricke zu vermeiden, stützten die Forscher sich für ihre Studie auf Daten aus der niederländischen Kohortenstudie, die mehr als 58.000 Männer und mehr als 62.000 Frauen zwischen 55 und 69 seit 1986 zu einem ursprünglich anderen Zweck untersucht hatte. Teilnehmer, die an einer Erkrankung der Motorneurone verstor­ben waren (76 Männer und 60 Frauen) wurden mit rund 4.000 Probanden (2.411 Männ­ern und 2.589 Frauen) verglichen, die zufällig für den Zweck der aktuellen Studie ausge­wählt wurden.

Deren detaillierte Beschäftigungsverläufe wurden in eine Matrix zur Belastung am Ar­beits­platz durch Lösungsmittel, Pestizide, Metalle und extrem niederfrequente elektro­magnetische Felder umgewandelt (Job Exposure Matrix). Ein hohes Niveau an Belas­tung durch elektromagnetische Felder hing von der Art des Arbeitsplatzes ab und war weitgehend auf die Männer beschränkt. Hier reichten die Zahlen von zwei bis 25 Pro­zent, während die entsprechende Zahl bei den Frauen nur null bis zwei Prozent betrug. Die Forscher prüften den neurologischen Gesundheitsstatus der Patienten für durch­schnitt­lich 17 Jahre, um nachzuverfolgen, ob unter den Probanden jemand an ALS er­krankt war. Während dieser Zeit starben 76 Männer und 60 Frauen an ALS.

Insbesondere unter den Männern stellten die Forscher fest, dass die Belastung mit ex­trem niederfrequenten elektromagnetischen Feldern am Arbeitsplatz zu einem erhöhten Risiko für die Entstehung von ALS führt. Für Probanden mit einem besonders hohen Maß an Exposition durch ihre Arbeit stieg die Wahrscheinlichkeit, ALS zu entwickeln, auf das Doppelte gegenüber jenen an, die an ihrer Arbeitsstelle nie einem solchen Feld aus­gesetzt waren.

Andere belastende Faktoren am Arbeitsplatz waren bei Männern wie Frau­en nur schwach assoziiert mit einem steigenden Risiko für ALS. Das Team fand kei­nen eindeutigen Beweis für einen linearen Anstieg des Risikos in Abhängigkeit von der Menge der kumulativen Exposition.

Einschränkend fügen die Wissenschaftler hinzu, dass es sich um eine Beobachtungs­stu­die handelt, aufgrund derer man keine sicheren Schlussfolgerungen bezüglich Kausalität und Effekt ziehen könne. Dennoch betonen die Forscher zusammenfassend, dass die Ergebnisse ihrer Studie die Vermutung stärken, dass ALS in Verbindung mit einer Belas­tung durch extrem niederfrequente elektromagnetische Felder am Arbeitsplatz steht. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

docwok
am Freitag, 7. April 2017, 12:44

Correlation does not imply causation

"Einschränkend fügen die Wissenschaftler hinzu, dass es sich um eine Beobachtungs­stu­die handelt, aufgrund derer man keine sicheren Schlussfolgerungen bezüglich Kausalität und Effekt ziehen könne."

Warum ist die Überschrift dieses Artikels dann: "ALS möglicherweise durch Belastungen am Arbeitsplatz getriggert"?

Nachrichten zum Thema

28. Mai 2018
Jena – Rund 40 Prozent der Unternehmen in Thüringen werden nach eigenen Angaben nicht von einem Betriebsarzt betreut. Das teilte die Barmer in Thüringen heute unter Berufung auf eine Umfrage unter 800
Viele Unternehmen haben keine betriebsärztliche Betreuung
25. Mai 2018
Philadelphia – Die kostenlose Abgabe von Nikotinpflastern oder anderen Medikamenten hat in einer pragmatischen Studie zur betrieblichen Raucherentwöhnung weitgehend versagt. Auch das Angebot freier
Rauchstopp im Betrieb: Finanzielle Anreize effektiver als E-Zigaretten
24. Mai 2018
Rochester – Gesunde Ärzte können ihren Patienten am besten dienen. Eine sinnhafte Arbeit, gute Beziehungen zu den Patienten, positive Teamstrukturen und soziale Bindungen am Arbeitsplatz sind wichtige
Wie Ärzte gesund bleiben
11. Mai 2018
Erfurt – Der 121. Deutsche Ärztetag hat sich gestern gegen mögliche Pläne der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zur Substitution betriebsärztlicher Tätigkeiten durch Nichtärzte
Ärztetag wendet sich gegen Substitution von Betriebsmedizinern
8. Mai 2018
Berlin – Der Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK) fordert eine flächendeckende und verpflichtende Einführung von betrieblichem Gesundheitsmanagement für Pflegekräfte in der
Betriebskrankenkassen wollen Gesundheitsvorsorge für Pfleger
4. Mai 2018
Johannesburg – Zehntausende südafrikanische Minenarbeiter, die nach dem Einatmen von Quarzstaub unter der Lungenkrankheit Silikose leiden, haben in einem Vergleich umgerechnet 330 Millionen Euro
Südafrikanische Minenarbeiter erhalten Entschädigung wegen Lungenkrankheit
30. April 2018
Berlin/Köln – Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erhält vom Wissenschaftsrat ein gutes Zeugnis. Die Bundesanstalt habe nach einer umfassenden Neuorganisation ihre wissenschaftliche

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER