Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Hepatitis-A-Ausbruch in Berlin: Impflücken befürchtet

Donnerstag, 6. April 2017

Berlin – Das Robert-Koch-Institut (RKI) und andere bitten Ärzte, bei ihren männlichen Pa­tienten, die Sex mit Männern haben, den Impf- beziehungsweise Immunstatus zu über­prü­­­fen und gegebenenfalls gegen Hepatitis A zu impfen. Hintergrund sind aktuelle Zah­len aus Berlin.

Dort ereignet sich aktuell ein großer Hepa­ti­tis-A-Aus­bruch, der vorwiegend Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben, betrifft. Das melden neben dem RKI auch das Landes­amt für Gesundheit und Soziales und die Berliner Gesund­heits­ämter. Konkret sind seit Mitte November 2016 bis einschließlich Anfang April für Berlin bereits mehr als 90 Hepa­ti­tis-A-Erkrankungen an das RKI übermittelt worden. Zu 88 Prozent sind Männer im Alter zwischen 20 und 60 Jahren (medianes Alter: 32 Jahre) betroffen und nach Angaben aus der sogenannten intensivierten Surveillance sind darunter über­wiegend MSM.

Das RKI, die Berliner Gesundheitsämter und das Landesamt für Gesundheit und Sozia­les untersuchen in Kooperation mit Ärzten des Arbeitskreises AIDS niedergelassener Ärz­te Berlin diesen Ausbruch, um gezielt Maßnahmen für die Intervention abzuleiten und ihn zu kontrollieren.

Die Hepatitis A kann als fäkal-orale Schmierinfektion zum Beispiel beim Analsex über­tra­gen werden. Die Verwendung von Kondomen kann die Übertragung von Hepatitis-A-Vi­ren nicht verhindern, da auch hierbei ein hohes Infektionsrisiko durch Kontakt zu Fäkal­spu­ren bestehen bleibt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher die Hepa­ti­tis-A-Impfung für Personen mit einem Sexualverhalten mit hoher Infektions­gefährdung.

Die bisherigen Ergebnisse der Ausbruchsuntersuchung deuten darauf hin, dass in Deutsch­land bei MSM die empfohlene Hepatitis-A-Impfung nicht ausreichend umgesetzt wird und weiterhin beachtliche Impflücken bestehen. Eine Hepatitis-A-Impfung ist auch bei einer HIV-Infektion unbedenklich und wirksam.

Um im Rahmen der aktuellen Infektionsgefährdung einen schnellen Impfschutz zu errei­chen, wird empfohlen, einen monovalenten Hepatitis-A-Impfstoff (Vaqta 50, Havrix 1440) zu verwenden. Mit einer einmaligen Impfung sind die geimpften Personen bereits inner­halb von zwei bis vier Wochen nach der Impfung ausreichend geschützt. Um einen Lang­zeitschutz zu gewährleisten, sollte eine zweite Dosis sechs bis 18 Monate nach der ers­ten Dosis verabreicht werden. Außerdem wird für Kontaktpersonen von Hepatitis-A-Er­krank­ten, also Haushaltskontakten, aber auch Sexualpartnern, eine postexpositionelle Impfung mit monovalentem Hepatitis-A-Impfstoff bis zu zwei Wochen nach Kontakt em­pfohlen. 

Gegenwärtig wird weltweit über aktuelle Hepatitis-A-Ausbrüche in der MSM-Population berichtet. Durch die hohe Mobilität und das sexuelle Risikoverhalten in dieser Gruppe besteht die Gefahr einer fortgesetzten Infektionsausbreitung. In Europa wurde neben Deutschland aus England, den Niederlanden, Spanien und Portugal über ähnliche Häu­fungen berichtet. Innerhalb Deutschlands beschränkt sich der Hepatitis-A-Ausbruch vor­nehmlich auf Berlin, jedoch wurden vereinzelt auch aus anderen Großstädten Hepa­titis-A-Fälle unter MSM berichtet. © hil/EB/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

16. Mai 2018
Bochum – Angesichts der großen Masernausbrüche 2017 in Nordrhein-Westfalen (NRW) will die Landesregierung gezielt für mehr Impfungen werben. Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) kündigte heute
Nordrhein-Westfalen will Werbekampagne in impfmüden Regionen
11. Mai 2018
Kiel/Kopenhagen – Die Hepatitis B, an der nach Schätzungen der Welt­gesund­heits­organi­sation derzeit 257 Millionen Menschen leiden und an der jährlich 887.000 Menschen sterben, war offenbar bereits in
Hepatitis B war schon in der Steinzeit weit verbreitet
9. Mai 2018
Brüssel – Bei Mädchen und Frauen zwischen 15 und 26 Jahren, die sich gegen humanen Papillomaviren HPV 16 und HPV 18 impfen lassen, sinkt das Risiko für die gefährliche Vorstufe von
Cochrane Review bewertet HPV-Impfung als sicher
8. Mai 2018
Aden – Internationale Organisationen haben im Jemen und in Teilen Afrikas groß angelegte Impfkampagnen gestartet, die mehrere Millionen Menschen vor Cholera schützen sollen. Im Bürgerkriegsland Jemen
Groß angelegte Choleraimpfkampagnen im Jemen und Teilen Afrikas gestartet
7. Mai 2018
Köln – Der mögliche Nutzen aber auch Schaden eines Screenings der Allgemeinbevölkerung auf Hepatits B ist mangels aussagekräftiger Evidenz unklar. Bei Hepatitis C könnte ein Screening für bestimmte
Hepatits: IQWiG legt Vorbericht für Screenings vor
26. April 2018
Brüssel – Um der Impfskepsis vieler Europäer entgegenzuwirken und die Impfquoten in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) zu erhöhen, hat die EU-Kommission heute in Brüssel und Berlin eine
EU-Kommission will sich für höhere Impfquoten in Europa einsetzen
25. April 2018
Stockholm – Bis zu 80 Prozent aller Teenager und jungen Erwachsenen, die im letzten Jahr an Masern erkrankt sind, waren nicht geimpft. Dies geht aus einem Surveillance-Report des Europäischen Zentrums

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige