Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Multiples Myelom: Medikamentöse Therapie in Studie einer Stammzelltherapie gleichwertig

Donnerstag, 6. April 2017

/Anna Jurkovska stockadobecom

Toulouse – Die Effektivität der medikamentösen Therapie des Multiplen Myeloms hat sich in den letzten Jahren so weit verbessert, dass in einer Phase 3-Studie im New England Journal of Medicine (2017; 376: 1311-20) jetzt gleich gute Ergebnisse wie nach einer (sofortigen) Stammzelltherapie erzielt wurden.

Eine Hochdosis-Chemotherapie gefolgt von einer autologen Stammzelltherapie ist seit 20 Jahren die Standardtherapie für Patienten mit Multiplem Myelom, sofern Alter und Allgemeinzustand die nicht risikolose Therapie möglich machen. Die Behandlung hat sich in den Grundzügen nicht verändert. Bei der medikamentösen Therapie, die in der Erstbehandlung bisher nur zweite Wahl ist, hat es jedoch deutliche Fortschritte gegeben. Die Einführung von immunmodulatorischen Medikamenten und Proteasom-Inhibitoren hat dazu beigetragen, dass die mediane Überlebenszeit der Patienten von 3 bis 4 auf mehr als 6 Jahre gestiegen ist.

Die Intergroupe Francophone du Myélome (IFM) hat deshalb 2010 mit einer Vergleichs­studie der beiden Behandlungsstrategien begonnen. An 69 Zentren in Frankreich, Belgien und der Schweiz erhielten 700 Patienten zunächst eine Induktionstherapie mit drei Zyklen RVD (Lenalidomid, Bortezomib und Dexamethason). Es folgte eine Konsolidierungsphase, in der die Hälfte der Patienten fünf weitere RVD-Zyklen erhielt, während bei der anderen Hälfte eine Hochdosis-Chemotherapie mit Melphalan mit anschließender Stammzelltransplantation und zwei zusätzlichen Zyklen RVD folgte. Alle Teilnehmer der Studie erhielten später eine Erhaltungstherapie mit Lenalidomid. Für den Fall eines Rezidivs war in beiden Gruppen eine Stammzelltherapie vorgesehen.

Wie Michel Attal vom Institut Universitaire du Cancer de Toulouse-Oncopole und Mitarbeiter berichten, erzielten nach einer (sofortigen) Stammzelltherapie mehr Patienten eine Vollremission (59 versus 48 Prozent). Der Anteil der Patienten, bei denen das Knochenmark nach der Konsolidierung frei von Tumorzellen war, war ebenfalls höher (79 versus 65 Prozent). Auch das mediane progressionsfreie Überleben nach vier Jahren war mit 50 versus 36 Monaten länger. Beim Gesamtüberleben, dem wichtigsten Endpunkt, gab es jedoch keine Unterschiede: Vier Jahre nach der Stammzell­transplantation lebten noch 81 Prozent der Patienten, nach der primär medikamentösen Therapie waren es 82 Prozent.

Das gute Ergebnis unter der primär medikamentösen Therapie war jedoch dem Umstand zu verdanken, dass 136 von 207 Patienten, die nach der medikamentösen Therapie einen Rückfall erlitten hatten, am Ende doch eine Stammzelltherapie erhielten. Die Studie war deshalb weniger ein Vergleich zwischen medikamentöser und Stammzelltherapie, als ein Vergleich zwischen sofortiger und eventuell späterer Stammzelltherapie.

Durch den Aufschub der Stammzelltherapie bleibt den Patienten (zunächst) die erhebliche Toxizität dieser radikalen Behandlung erspart. In der Studie traten schwere Neutropenien (Grad 3 oder 4) nach der Stammzelltherapie wesentlich häufiger auf als nach der medikamentösen Erstbehandlung (92 versus 47 Prozent).

Das gleiche gilt für schwere gastrointestinale Komplikationen (28 versus 7 Prozent) und für schwere Infektionen (20 versus 9 Prozent). Hinzu kommt noch, dass die Stamm­zelltherapie langfristig mit einem erhöhten Leukämie-Risiko verbunden ist. Die frühzeitige Stamm­zelltherapie hat jedoch den Vorteil, dass die Patienten im Fall eines Rezidivs nicht zu alt oder zu schwach für diese Behandlung sind. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17.10.17
Stammzellen: Neue Methoden zur Regeneration von Herzmuskelgewebe
Berlin – Die Wissenschaft sucht weiterhin nach Möglichkeiten, um Herzen nach einem Infarkt zu reparieren. Deutsche Forscher setzen etwa auf Herzmuskelgewebe aus pluripotenten Stammzellen, das auf die......
09.10.17
Gentherapie stoppt Fortschreiten der zerebralen Adrenoleu­kodystrophie
Boston – Die Stammzellbehandlung der zerebralen Adrenoleukodystrophie, einer erblichen Stoffwechselkrankheit, von der eines von von 17.000 Neugeborenen betroffen ist, könnte durch eine Gentherapie......
04.10.17
Regenerative Medizin gefährdet Pharmaindustrie
München – Der Markt für regenerative Medizin wird im kommenden Jahrzehnt rapide wachsen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger wird der weltweite Umsatz in diesem Bereich bis 2025......
28.09.17
Herzinsuffizienz: Stammzellen aus Nabelschnur verbessern Herzfunktion
Santiago/Chile – Die intravenöse Infusion von mesenchymalen Stammzellen, die aus Plazentas isoliert und in Zellkulturen vermehrt wurden, hat sich in einer Phase-1/2-Studie bei Patienten mit einer......
18.09.17
Apoptosehemmung könnte Transplantations­erfolg von Blutstammzellen verbessern
Freiburg/New York – Eine Möglichkeit, den Transplantationserfolg von Blutstammzellen durch eine Hemmung des programmierten Zelltods zu verbessern, haben Forscher des Universitätsklinikums Freiburg......
04.09.17
Neues Zentrum für pädiatrische Stammzelltrans­plantation und Zelltherapie in Frankfurt
Frankfurt am Main – Forschung und Behandlung direkt miteinander verbinden soll das neue Johanna-Quandt-Zentrum für pädiatrische Stammzelltransplantation und Zelltherapie am Universitätsklinikum......
31.08.17
Transplantierte Stammzellen verbessern Parkinsonsymptome bei Affen
Kyoto – Bisherige zelltherapeutische Ansätze der Parkinsonkrankheit waren limitiert, da die notwendigen Stammzellen aus Hirngewebe abgetriebener Feten verwendet werden mussten. Dabei geht es auch ohne......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige