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Politik

Wirksame Behandlungen gegen Depressionen stehen bereit

Freitag, 7. April 2017

Berlin – Die WHO geht aktuell davon aus, dass weltweit rund 322 Millionen Menschen von Depressionen betroffen sind. In Deutschland allein sind es rund vier Millionen. „Die Sorge vor Stigmatisierung hält viele Menschen davon ab, sich Hilfe zu suchen. Wir wollen sie ermuntern, Hilfe einzufordern und sie nicht allein lassen. Wirksame Behand­lungen und Hilfsangebote stehen bereit“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) heute bei einer Fachtagung zum Weltgesundheitstag mit dem Titel „Depression, sprechen wir’s an“. Nach Berlin eingeladen hatten das Bundesgesund­heits­ministerium (BMG) und die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheits­förderung.

Gröhe wies in seiner Rede auf die Bedeutung einer leitliniengerechten Behandlung der Depression durch Hausärzte, Psychiater und Psychotherapeuten hin. Gefördert werden müsste zudem die sektorenübergreifende Versorgung, weil die Betroffenen an den Schnitt­stellen oftmals verloren gingen. „Mit der Einführung des Home-Treatments für schwer psychisch Kranke durch spezielle stationäre Behandlungsteams haben wir einen Schritt in die richtige Richtung getan“, betonte er.

Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Entwurf angekündigt

Um die Versorgung psychisch Kranker noch weiter zu verbessern, habe das BMG darü­ber hinaus eine Reform der Ausbildung von Psychologischen Psychotherapeuten und Kin­der- und Jugendlichenpsychotherapeuten auf den Weg gebracht, betonte der Bun­des­gesundheitsminister. Mit einem fünfjährigen Hochschulstudium der Psychotherapie mit anschließender Weiterbildung und „einer gestärkten Verbindung von Praxis und The­orie“ sollen künftige Psychotherapeuten den Herausforderungen begegnen können. Gröhe kündigte dazu einen Arbeitsentwurf seines Ministeriums an. Bisher liegt nur ein Eckpunktepapier vor.

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Den aktuellen medizinischen Wissensstand zur Diagnostik und Therapie der Depression stellte Ulrich Hegerl, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Univer­si­tät Leipzig vor. Von einer Depression spreche man, wenn mindestens zwei relevante Symptome über mindestens zwei Wochen auftreten: Schlafstörungen, Gefühl von Schuld und Wertlosigkeit, Appetittmangel, Antriebslosigkeit, verminderte Konzentration und Sui­zidgedanken. Hegerl unterscheidet folgende Erscheinungsbilder: gehemmte Depression, agitierte Depression, somatisierte „larvierte“ Depression und die wahnhafte Depression. Die Erkrankung komme bei Frauen doppelt so häufig vor wie bei Männern.

Schlafentzug hilft häufig bei Depressionen

Neben Psychotherapie und medikamentöser Behandlung helfe rund 60 Prozent der Be­troffenen ein Schlafentzug in der zweiten Nachthälfte, betonte Hegerl, der auch Vorsit­zen­der der Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist. „Das hört sich erst einmal wider­sprüch­lich an, weil Menschen mit Depression sich oftmals sehr erschöpft fühlen. Aber ge­rade langes Schlafen und auch Schlafen tagsüber befördern die Depression – das ist ein Teufelskreis“, sagte der Psychiater. Schlafentzug könne eigentlich nur bei statio­nä­rem Aufenthalt angewendet werden, doch mit der App „Get.Up!“ könnten Betroffene auch zuhause ausprobieren, ob Schlafentzug ihnen helfe.

Mehr Psychiater und digitale Interventionen

Hinsichtlich der Versorgung von Menschen mit Depressionen ist Hegerl überzeugt: „Wir brauchen mehr Psychiater.“ Zwar seien auch mehr Psychotherapeuten notwendig, doch die würden im Vergleich mit einer Richtlinien-Psychotherapie deutlich weniger Patienten versorgen können als die Psychiater und Nervenärzte. Darüber hinaus findet er die Inte­gration digitaler Interventionen in die Regelversorgung wichtig. Ein Beispiel für ein gutes Angebot sei hier das Online-Training-Programm „ifightdepression“, das auf Initiative des „Europäischen Bündnis gegen Depression“ entstanden ist. Betroffene sollten das Pro­gramm mit ärztlicher Überwachung anwenden. © pb/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 8. April 2017, 22:07

"Weltgesundheitstag" eher "Weltkrankheitstag"!

Die Situation seelisch kranker Menschen begreift und verändert man nicht mit unverdrossenen Gesundheitsappellen! Wenn der Deutsche Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe den "Weltgesundheitstag 2017" mit dem dümmlichen Motto: "Depressionen - Let's talk!" eröffnet, grenzt er unsere Patientinnen und Patienten aus.

Sie sind mit Depressionen i.d.R. chronisch bzw. mit wechselnder Intensität krank, teilhabegemindert und kommunikativ bzw. interaktiv eingeschränkt. Manche sind im Verlauf ihrer Erkrankung suizidal, leiden an Zwangsgedanken, Manien, Psychosen, Alpträumen und bio-psycho-sozialer Ausgrenzung.

Wenn 50% der weltweit auf rund 322 Millionen geschätzten Menschen mit Depressionen keine medizinische und/oder psychologische Behandlung und Betreuung bekommen, sind globale Initiativen zur Krankheitsbewältigung ("Coping Strategies") für Patienten, Ärzte, Pflegepersonal und Psychologen gefordert, aber keine gesundheitspolitischen Sonntagsreden. Das gilt auch für die WHO-Generaldirektorin Frau Dr. med. Margret Chan.

"Gesundbeten" mit Weltgesundheitstagen diskriminiert nur unsere kranken Patienten!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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