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Rauchen weltweit für jeden zehnten Todesfall verantwortlich

Freitag, 7. April 2017

/nito stockadobecom

Seattle – Rauchen ist nach der arteriellen Hypertonie der zweitwichtigste Risikofaktor für einen vorzeitigen Tod. Nach einer Analyse der Global Burden of Disease Study im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)30819-X) starben 2015 sechs Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums und es gingen 150 Millionen Lebensjahre in guter Lebensqualität verloren.

In den meisten Ländern ist der Anteil der Raucher an der erwachsenen Bevölkerung gesunken. Dennoch rauchten 2015 noch etwa 25 Prozent der Männer und mehr als 5 Prozent der Frauen. Die Hälfte aller Männer, die rauchen, gibt es in China (243 Millionen), Indien (91 Millionen) und Indonesien (50 Millionen). Die meisten Frauen, die rauchen, gibt es in den USA (17 Millionen), China (14 Millionen) und Indien (13,5 Millionen), was einen Anteil von etwa einem Viertel aller weiblichen Raucher ausmacht. In Deutschland rauchen 25,2 Prozent der Männer und 19,4 Prozent der Frauen.

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An der Schädlichkeit des Rauchens besteht seit längerem kein Zweifel. Die Erkenntnis hat sich vor allem in den reicheren Ländern durchgesetzt, wo der Anteil der Raucher vor allem bei den Männern seit längerem abnimmt. Am frühesten hat die Kehrtwende wohl in den USA begonnen. Aber auch in Deutschland geht die Zahl der Raucher seit 1990 kontinuierlich zurück, im Durchschnitt um 0,9 Prozent pro Jahr bei den Männern und um 0,3 Prozent bei den Frauen.

Hohe Steuern effektiv

Emmanuela Gakidou vom Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) vergleicht in ihrer Studie die Zeiträume zwischen 1990 bis 2005 und zwischen 2005 und 2015. Sie will dadurch die Auswirkungen der Framework Convention for Tobacco Control (FCTC) der WHO untersuchen, die 2003 auf der World Health Assembly beschlossen wurde und der sich seither 180 Länder und Organisationen angeschlossen haben. Die FCTC gibt eine Reihe von Empfehlungen, wie Staaten die Zahl der Raucher senken kann. Dazu gehören etwa hohe Steuern (nach Ansicht vieler Experten das effektivste Mittel), Werbeverbote, Raucher-freie Zonen, Warnhinweise auf Verpackungen und öffentliche Rauchstopp-Angebote. 

Erfolgreich umgesetzt wurden die Maßnahmen beispielsweise in Brasilien, wo es bereits seit Mitte der 1990er Jahre Werbebeschränkungen und raucherfreie Zonen gibt. Der Anteil der Raucher hat sich seither mehr als halbiert. Auch Pakistan und Indien haben Fortschritte gemacht. Gleich geblieben ist dagegen der Anteil der Raucher in Indonesien, das die FCTC nicht ratifiziert hat und wo vor allem der Anteil der Raucher bei den Männern unverändert hoch ist. Indien hat dagegen Fortschritte gemacht. Der Anteil der Raucher ist bei den Männern zuletzt um 3,3 Prozent pro Jahr gesunken. Bei den Frauen gab es einen Rückgang um 2,2 Prozent pro Jahr. Gakidou führt dies unter anderem auf ein National Tobacco Control Programme (NTCP) zurück, das 2007 begonnen wurde.

In Osteuropa und Subsahara steigt die Anzahl der Raucher

In vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist der Anteil der Raucher gestiegen. Auch in Osteuropa ist der Nichtraucherschutz ein Fremdwort geblieben. In Russland ist seit 1990 wie in den anderen osteuropäischen Ländern vor allem bei den Frauen der Anteil der Raucher gestiegen.

Jeder zweite Raucher stirbt an den Folgen des Rauchens. Rauchen ist nicht nur für den größten Anteil von Lungenkrebs und chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) verantwortlich. Rauchen fördert auch die Atherosklerose und es ist ein anerkannter Risikofaktor für eine Reihe von Erkrankungen von der Makuladegeneration bis hin zur rheumatoiden Arthritis und Magengeschwüren. 

Rauchen ist nach den Berechnungen des IHME nach der arteriellen Hypertonie die zweit wichtigste mittelbare Todesursache. Im Jahr 2015 starben 6,4 Millionen an den Folgen des Rauchens (davon 130.000 in Deutschland). Dies waren mehr als 11 Prozent aller Todesfälle. Hinzu kommen noch einmal 148,6 Millionen Lebensjahre in schlechter Gesundheit (DALY, disability adjusted life years).

Davon entfallen 41 Prozent auf Herz-Kreisauf-Erkrankungen, 28 Prozent auf Krebs­erkrankungen und 21 Prozent auf chronische Atemwegserkrankungen. Diese Gesundheitsfolgen durch das Rauchen sind in den reichen Ländern seit 2005 gesunken, in den ärmeren Ländern sind sie seither bei Männern angestiegen. © rme/aerzteblatt.de

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