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Medizin

Marburg-Virus: Antikörper verhindert Tod auch fünf Tage nach der Infektion

Freitag, 7. April 2017

Galveston – Die Behandlung mit einem monoklonalen Antikörper hat in tierex­perimentellen Studien in Science Translational Medicine (2017; 9: eaai8711) den sicheren Tod am Marburg-Fieber und einer verwandten Erkrankung auch dann noch abgewendet, wenn die Behandlung erst fünf Tage nach der Infektion erfolgte.

Monoklonale Antikörper sind in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil der Behandlung von Krebs und Autoimmunerkrankungen geworden. Bei Infektionen werden sie derzeit nur selten eingesetzt. Dabei können Antikörper, wenn sie rechtzeitig ein­gesetzt werden, die natürliche Immunantwort vorausnehmen. Die Bildung von Antikörpern führt bei Virusinfektionen stets zur Genesung – sofern der Patient nicht vorher stirbt. Der Tod bei Ebola- und Marburg-Virus ist darauf zurückzuführen, dass es innerhalb weniger Tage zu einem hämorrhagischen Fieber kommt. Die Patienten sterben, bevor das Immunsystem mit der Bildung von Antikörpern beginnt.

Die B-Zellen, die die spezifischen monoklonalen Antikörper bilden, können heute aus dem Blut von Menschen gewonnen werden, die eine Infektion überstanden haben. Die Gene werden dann beispielsweise in Tabakpflanzen integriert, um die Antikörper später aus den Blättern zu gewinnen. Ein Team um Thomas Geisbert von der Universität von Texas in Galveston sucht bereits seit einiger Zeit nach Antikörpern, die bei tödlichen Virusinfektionen wie Ebola- oder Marburg-Fieber eingesetzt werden könnten. 

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Der Antikörper MR191-N, der ursprünglich aus dem Blut eines am Marburg-Fieber erkrankten Patienten isoliert wurde, hat jetzt in Tierversuchen sehr vielversprechende Ergebnisse erzielt. Nachdem der Antikörper in früheren Experimenten bereits Mäuse vor einer tödlichen Infektion geschützt hat, überlebten jetzt auch Meerschweinchen und Makaken eine ansonsten tödliche Infektion mit dem Marburg- und dem verwandten Ravn-Virus. Die Behandlung war auch dann noch wirksam, wenn seit der Inokulation fünf Tage vergangen waren. 

Ähnliche Antikörper sollten nach Einschätzung von Geisbert auch bei Ebola wirken. Allein die Existenz einer effektiven Behandlung könnte helfen, schwere Epidemien wie zuletzt 2013-2016 in Westafrika einzudämmen. Da die Ärzte die Erkrankung damals nicht heilen konnten, entzogen sich die meisten Patienten einer Behandlung. Aus Angst vor einer erzwungenen Isolierung verschwiegen viele ihre Erkrankung und trugen damit zur Ausbreitung der Epidemie bei, die zeitweise außer Kontrolle geriet.

Monoklonale Antikörper könnten in Zukunft nicht die einzige Option sein. Die Behand­lung mit sogenannten „small interfering RNA“ (siRNA) oder Antisense-Molekülen, die die Umsetzung von Virusgenen auf der Ebene der Boten-RNA unterbinden, haben sich in präklinischen Studien als wirksam erwiesen. Ihre klinische Verträglichkeit wurde jedoch erst ansatzweise untersucht. Die monoklonalen Antikörper sind hier im Vorteil, da es bereits mehr als 45 zugelassene Medikamente aus dieser Gruppe gibt. © rme/aerzteblatt.de

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