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Medizin

Autoimmunerkrankung erzeugt hohe Triglyzeridwerte

Sonntag, 9. April 2017

Los Angeles – US-Forscher haben eine neue Erkrankung entdeckt, bei der Autoanti­körper gegen ein Transportprotein für das Enzym Lipoproteinlipase den Abbau von Triglyzeriden im Plasma verhindern. Die Patienten erkrankten laut einer Studie im New England Journal of Medicine (2017; doi: 10.1056/NEJMoa1611930) an einer lebens­gefährlichen Chylomikronämie.

Das Enzym Lipoproteinlipase wird in den Fettzellen gebildet, seine Wirkungsstätte sind aber die Blutkapillaren. Den „Shuttle“-Service für die Lipoproteinlipase übernimmt das Protein GPIHBP1 (für „glycosylphosphatidylinositol-anchored high-density lipoprotein binding protein 1“). Es ist bekannt, dass Mutationen im GPIHBP1 zu einer Chylomikro­nämie führen können. Chylomikronen sind die Transportvehikel für Triglyzeride, die in den Kapillaren von der Lipoproteinlipase in freie Fettsäuren gespalten werden, da nur diese von den Fettzellen aufgenommen werden.

Eine ähnliche Folge wie Mutationen können Antikörper haben. Antikörper gegen die Lipoproteinlipase verhindern, dass die Triglyzeride abgebaut werden. Es kommt zu einem Aufstau im Blut, der sich als Chylomikronämie bemerkbar macht. Ein Team um Stephen Young von der University of California, Los Angeles, hat die Antikörper eher zufällig entdeckt. Eigentlich hatte der Forscher einen Test für den Nachweis von GPIHBP1 im Blut entwickelt. Ein übliches Testverfahren ist ein ELISA, der Substanzen mithilfe von Antikörpern bestimmt. Bei zwei Patienten waren die GPIHBP1 nicht nach­weisbar. Young vermutete, dass die beiden Patienten Autoantikörper haben, die anstelle er Antikörper des ELISA die GPIHBP1 binden.

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Die Forscher haben dann die Blutproben von 162 Patienten untersucht. Darunter waren 122 Patienten, bei denen keine Ursache für eine extreme Hypertriglyzeridämie gefunden werden konnte, sowie 40 Patienten mit systemischem Lupus erythematodes (SLE). An einem SLS hatte auch einer der ersten beiden Patienten gelitten. Einschließlich dieser beiden Patienten wurden insgesamt sechs Patienten mit Autoantikörpern gegen GPIHBP1 gefunden.

Da es sich um Patienten aus Spezialkliniken handelt, sind keine Aussagen über die Ver­brei­tung der neuen Erkrankung möglich. Alle sechs Patienten hatten extrem hohe Triglyzeridwerte, die bei allen Pankreatitiden ausgelöst hatten. Bei einem Patienten mit SLE besserten sich die Fettwerte unter einer immunsuppressiven Behandlung, die aufgrund der SLE erfolgt war. Young vermutet, dass die Medikamente die Produktion der Autoantikörper vermindert haben.

Eine andere Patientin hatte nach Ausbruch der Erkrankung ein Kind geboren. Das Kind hatte nach der Geburt extrem hohe Triglyzerid­werte (9090 mg/dl) weil, wie Yong vermutet, die Antikörper der Mutter über die Plazenta ins Blut des Feten gelangt waren. Nach einigen Wochen normalisierten sich die Trigly­zerid­werte des Säuglings (weil die mütterlichen Antikörper abgebaut waren und das Immunsystem des Kindes keine neuen gebildet hatte). © rme/aerzteblatt.de

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