Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Schlaganfall wird im neuen ICD als neurologische Erkrankung kodiert

Montag, 10. April 2017

/Zerbor, stock.adobe.com

Berlin – Im neuen internationalen Diagnosenschlüssel ICD-11 der Weltgesundheitsorga­nisation (WHO) werden Schlaganfälle in der Gruppe der neurologischen Erkrankungen erscheinen. Bislang wurden sie als Herz-Kreislauf-Erkrankungen kodiert. „Alle Symptome zerebrovaskulärer Erkrankungen stehen in einem Zusammenhang mit Funktionsstö­run­gen des Gehirns. Wir sind sehr erleichtert, dass das nun entsprechend anerkannt wurde und unterstützen die umsichtigen Änderungen, die das WHO-Team  in der Letztfassung implementiert hat“, sagte Raad Shakir, Präsident der Weltföderation für Neurologie und Leiter der WHO Neurology Topic Advisory Group.

Neurologen auch in Deutschland hatten immer wieder kritisiert, die bisherige ICD-Kodie­rung lasse das Fach Neurologie deutlich kleiner erscheinen als es sei, weil in epidemio­logischen Studien, die sich an die ICD-Gruppierung hielten, der Schlaganfall häufig aus­geklammert blieb.

Zustimmung zu der WHO-Entscheidung äußerte daher auch der Berufsverband Deut­scher Neurologen (BDN): „Patienten mit Hirnschädigungen als Folge von Schlaganfällen leiden meist lebenslang unter neurologischen Ausfällen. Die bisherige Klassifikation gab immer wieder Anlass für Fehlinterpretationen“, sagte dessen Vorsitzender Uwe Meier auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts. Für die Versorgung in Stroke Units, in neuro­logi­schen Rehabilitationskliniken und in der wohnortnahen Weiterbehandlung unter anderen mit Heil- und Hilfsmitteln seien auch für die Bedarfsplanungen zuverlässige Zahlen not­wendig, „weswegen wir die Klarstellung der WHO ausdrücklich begrüßen“, so Meier.

Die Entscheidung zur angemessenen Klassifikation von Schlaganfall sei im Interesse der betroffenen Patienten, betonte der WFN-Präsident Shakir: „Damit ist auch sichergestellt, dass Ressourcenplanung und Finanzierung auf korrekten Daten beruhen werden, was bisher nicht der Fall war“, sagte er.

Die 11. Revision des ICD, an der seit 2009 gearbeitet wird, soll den medizinisch-wissen­schaftlichen Fortschritt berücksichtigen und wird laut der WHO 2018 in Kraft treten. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

12.09.17
Bessere Diagnose und gezieltere Therapie von Bewegungsstörungen nach Schlaganfall
München – Nach einem Schlaganfall können viele Patienten einfache Alltagsgegenstände und Werkzeuge nur eingeschränkt mit den Händen greifen oder halten. Grund dafür sind bekanntlich Schädigungen im......
01.09.17
Brain-Compu­ter-Interface möglicherweise hilfreich in der Schlaganfall­rehabilitation
Adelaide – Ein Brain-Computer-Interface könnte dabei helfen, auch bei älteren Schlaganfällen die motorische Funktion über eine Aktivierung von sensomotorischen Schleifen zu verbessern. Entsprechende......
29.08.17
Implantierter Herzmonitor erkennt Vorhofflimmern
New York – Ein daumengroßer Herzmonitor, der unter die Haut implantiert wird und bis zu drei Jahre lang die Herzaktivität aufzeichnet, erkennt häufig Episoden des Vorhofflimmerns, die beim......
25.08.17
Crystal Meth kann Schlaganfall bei jüngeren Menschen auslösen
Sydney – Jüngere Konsumenten der Droge „Crystal Meth“, die Blutdruck und Herzfrequenz stark ansteigen lässt, haben offenbar ein erhöhtes Schlaganfallrisiko, wobei nach Einschätzung von Experten im......
18.08.17
TAVI: Filtersystem reduziert Schlaganfälle bei OP um 70 Prozent
Ulm – Tritt während einer OP am Herzen ein Schlaganfall auf, bedeutet das für den Patienten häufig Invalidität oder gar den Tod. Verwenden Mediziner während einer......
08.08.17
Schlaganfall bei Jüngeren: Ursache häufig nicht bekannt
Köln – Schlaganfälle, für die sich keine definitiven Ursachen finden lassen, machen bis zu 50 Prozent der juvenilen Schlaganfälle aus. Grundsätzlich ist beim juvenilen Schlaganfall das......
24.07.17
Schlaganfall: Frühe Komplikationen erhöhen die Überlebenschancen
Toronto – Eine Sekundärprävention sollte auch bei kleinen Schlaganfällen (transient, ischämische Attacke, TIA) erfolgen, wenn in den ersten 90 Tagen nach dem Vorfall keine Komplikationen auftreten.......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige