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Medizin

Morbus Alzheimer: Sedativa erhöhen Pneumonierisiko in den ersten Wochen

Dienstag, 11. April 2017

mathaywardphoto-stockadobecom

Kuopio/Finnland – Die Verordnung von Benzodiazepinen, die generell bei älteren Men­schen als problematisch gelten, erhöht bei Patienten mit Morbus Alzheimer das Risiko auf eine Pneumonie. Dies zeigt die Analyse von finnischen Patientendaten, die jetzt im Canadian Medical Association Journal (CMAJ 2017; doi: 10.1503/cmaj.160126) veröf­fentlicht wurde.

Obwohl Benzodiazepine die Sturzgefahr erhöhen, die kognitiven Fähigkeiten beein­trächtigen und zur Abhängigkeit führen können, werden sie häufig bei älteren Menschen verordnet. Ein äußerst beliebtes Sedativum sind sie bei Menschen mit Demenzen, die aufgrund von Schlafstörungen häufig nachts herumwandern und auch zur Aggressivität neigen. Benzodiazepine werden hier oft eingesetzt, um die Patienten ruhig zu stellen und das Pflegepersonal zu entlasten.

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Die Gabe von Benzodiazepinen ist jedoch auch bei Demenzpatienten nicht ohne Risi­ken. Zu den weniger bekannten Gefahren gehört die Entwicklung einer Lungenentzün­dung, da sedierte Patienten sich leichter verschlucken und dann unter Umständen eine Aspirationspneumonie entwickeln.

Ein Team um Heidi Taipale vom Forschungszentrum für geriatrische Pflege in Kuopio hat den Zusammenhang anhand der MEDALZ-Kohorten („Medication use and Alz­heimer disease“) untersucht, die alle 70.000 Finnen umfasst, bei denen zwischen 2005 und 2011 (mit CT oder MRT und Bestätigung durch einen Neurologen) ein Morbus Alzheimer diagnostiziert wurde.

Nach einem Propensity-Score-Matching wurden 5.232 Patienten, denen Benzodiazepine und Patienten 3269 Patienten, die die verwandten Z-Substanzen erhalten hatten, mit einer gleichen Anzahl von Patienten mit Alzheimer-Demenz aber ohne Sedativa-Verordnung verglichen. Dabei wurden eine Reihe von Faktoren wie Einnahme von zentralwirksamen Medikamenten, Erkrankung an Asthma/COPD, frühere Pneumonien, Sozialstatus und früherer Drogenkonsum berück­sichtigt, die das Ergebnis einer Fall-Kontrollstudie verfälschen können.

Am Ende bliebt die Gabe von Benzodiazepinen an die Alzheimerpatienten mit einem signifikant erhöhten Risiko auf eine Pneumonie assoziiert (Hazard Ratio 1,28: 1,07–1,54). Bei den Z-Substanzen war das Risiko ebenfalls leicht erhöht. Die Hazard Ratio von 1,10 war jedoch mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,84 bis 1,44 nicht signifikant. Ein erhöhtes Risiko lässt sich nicht ausschließen, die Gefahr scheint jedoch geringer zu sein. 

Am höchsten war das Risiko auf eine Lungenentzündung in den ersten 30 Tagen nach Beginn der Verordnung von Benzodiazepinen. Während dieser Zeit erkrankten Patien­ten mit Alzheimer-Demenz mehr als doppelt so häufig an einer Pneumonie wie Patien­ten, die keine Sedativa erhalten hatten (Hazard Ratio 2,09; 1,26–3,48). Dass das Risiko in den ersten Wochen der Verordnung besonders hoch ist, führt Taipale auf die nachlassende Wirkung der Benzodiazepine zurück, bei denen es häufig zu einer Gewöhnung kommt, die die Wirkung der Medikamente abschwächt. © rme/aerzteblatt.de

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