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Medizin

Typ 1-Diabetes: Keine Vorteile von Insulin-Pumpen im Fastenmonat Ramadan

Dienstag, 11. April 2017

Dammam – Besonders geschulte und engagierte Patienten mit Typ 1-Diabetes können am Fastenmonat Ramadan teilnehmen. In einer Kohortenstudie in Diabetes Technology & Therapeutics (2017; doi: 10.1089/dia.2016.0418) war die Rate der Hypoglykämien niedrig. Eine intensivierte Insulintherapie mit mehreren täglichen Injektion (MDI) erwies sich als ebenso sicher wie eine Insulinpumpentherapie.

Immer mehr Muslime mit Typ 1-Diabetes möchten am Ramadan teilnehmen, obwohl sie als Menschen mit einer chronischen Erkrankung von der Pflicht befreit wären. Die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten mit dem Verzicht von Speisen und Getränke während der Tageszeit und den üppigen und oft sehr zuckerhaltigen Speisen am Morgen (Sahur) und vor allem am Abend (Iftar) erschwert die Einstellung des Blutzuckers. Dies gilt vor allem für Regionen fern des Äquators, wo die Tage im Sommer sehr lang sein können, so auch in diesem Jahr, in dem der Ramadan zwischen den 27. Mai und 24. Juni 2017 fällt.

Diabetologen am Imam Abdulrahman Bin Faisal National Guard Hospital in Dammam in Saudi Arabien empfehlen ihren Patienten ein MDI-Schema, bestehend aus einem Basal-Insulin (Glargin oder Detemir) kombiniert mit einen schnell wirksamen Insulin (Aspart, Glulisin oder Lispro) während der Mahlzeiten. Die Patienten werden zudem angehalten, sechs bis sieben Mal am Tag den Blutzucker zu bestimmen (alle 2 bis 4 Stunden beim Fasten, sowie vor den beiden Mahlzeiten Sahur und Iftar sowie eine Messung zwei Stunden nach Mitternacht). Die regelmäßigen Blutzuckerkontrollen sollen helfen, schwere Hypoglykämien frühzeitig zu erkennen, die das wichtigste Risiko der Insulintherapie im Intervallfasten des Ramadan sind und deren Auftreten zum Abbruch des Fastens zwingen.

Die Empfehlungen haben sich in einer prospektiven Kohortenstudie als sicher erwiesen. An der Studie hatten 156 junge Erwachsene im Alter von Mitte 20 teilgenommen, deren Typ 1-Diabetes seit etwa zehn Jahren bestand. Die Patienten, die zur Hälfte eine universitäre Ausbildung genossen, waren durch eine Schulung auf die Insulintherapie während des Ramadan vorbereitet worden. Die Zuteilung zur Therapie war nicht randomisiert und die 61 Patienten  mit Insulinpumpe hatten einen besseren HbA1c-Wert als die Patienten in der MDI-Gruppe (8,0 versus 8,8 Prozent).

Wie Reem Alamoudi und Mitarbeiter berichten, kam es in beiden Gruppen während des Ramadan zwar häufiger zu leichten Hypoglykämien: Einen Blutzuckerabfall auf unter 80 mg/dl erlitten 8,6 Prozent der Patienten unter Pumpentherapie und 9,85 Prozent in der MDI-Gruppe. Schwere Hypoglykämien mit einem Abfall des Blutzuckers auf unter 50 mg/dl waren jedoch die Ausnahme: 0,99 Prozenten unter der Pumpentherapie und 1,7 Prozent in der MDI-Gruppe (betroffen war jeweils ein Patient).

Auch hinsichtlich der Blutzuckereinstellung (Fructosamin-Test) und der Tage, an denen die Teilnehmer das Fasten unterbrechen mussten, gab es keine Unterschiede. Alamoudi sieht deshalb keinen zwingenden Grund für eine Pumpentherapie während des Ramadan, auch wenn die glykämische Variabilität signifikant besser aufgefallen war.

Am Ende des Ramadan hatten sich die HbA1c-Werte in beiden Gruppen verschlechtert (auf 8,4 Prozent in der Gruppe mit Insulinpumpe und 9,3 Prozent in der MDI-Gruppe), was noch einmal die Anforderungen betont, der die Patienten während des religiös motivierten Fastens ausgesetzt sind. © rme/aerzteblatt.de

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