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Medizin

Bluttest ermöglicht Screening auf Schütteltrauma bei Säuglingen

Mittwoch, 12. April 2017

/dpa

Pittsburgh – US-Forscher haben einen Screening-Test entwickelt, der die Diagnose eines Schüttel­traumas bei Säuglingen erleichtern könnte. Der Test bestimmt drei Biomarker für Hirnblutungen und erreichte zusammen mit einem auffälligen Hb-Wert in einer ersten Studie in JAMA Pediatrics (2017; doi: 10.1001/jamapediatrics.2017.0429) eine Sensitivität von fast 85 Prozent.

Das Schütteltrauma ist die häufigste Ursache einer traumatischen Hirnverletzung bei Säuglingen. Die Diagnose wird von Kinderärzten häufig verpasst, weil neurologische Symptome bei Säuglingen oft unspezifisch sind. Leitsymptom ist ein Erbrechen und eine vermehrte Unruhe. Beide Symptome können bei Säuglingen auch aus anderen harm­losen Gründen vorkommen. Äußere Verletzungen liegen beim Schütteltrauma in der Regel nicht vor. Viele Ärzte sehen deshalb keinen Anlass für eine Kernspintomographie, in der die Hirnblutung sofort erkennbar wäre.

Ein Team um Rachel Berger vom Children’s Hospital of Pittsburgh hat zusammen mit der Firma Alexa aus Toronto einen Bluttest entwickelt, der im Vorfeld der Diagnostik eingesetzt werden könnte. Der Test misst die Konzentrationen von Matrix Metallo­peptidase-9 (MMP-9) und der Neuron-spezifischen Enolase (NSE), die bei Hirn­blutungen erhöht sind. Die dritte Komponente ist VCAM-1 (für vascular cellular adhesion molecule-1). Dieser Biomarker fällt – aus unklaren Gründen – nach einer Hirnblutung ab. Der Test soll zusammen mit der Bestimmung des Hämoglobin-Werts durchgeführt werden, dessen Abfall ebenfalls ein Anhaltspunkt für ein Schütteltrauma sein kann.

Die Forscher haben zunächst in einer retrospektiven Analyse von 99 Patienten (eine Hälfte mit, die andere ohne Schütteltrauma) Grenzwerte für den Screeningtest bestimmt und diese dann in einer prospektiven Studie an 599 Säuglingen aus drei Zentren überprüft. Der Test erreichte in dieser Validierung eine Sensitivität von 86,4 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 84,1-88,7) und eine Spezifität von 48,9 Prozent (47,9-49,8). 

Die Genauigkeit des Tests ist zu gering, um auf eine Bestätigung durch eine Bildgebung zu verzichten. Er könnte jedoch die Zahl der frühzeitig entdeckten Fälle erhöhen, da die Sensitivität der klinischen Diagnose derzeit nur bei etwa 70 Prozent liegt. Die relativ niedrige Spezifität würde allerdings bedeuten, dass auch jedes zweite Kind ohne Schütteltrauma einer weitergehenden Diagnose zugeführt würde. © rme/aerzteblatt.de

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