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Medizin

Leukämie: Behandlungs­ergebnisse in Deutschland weltweit am besten

Donnerstag, 13. April 2017

/psdesign1-stockadobecom

London – Nirgends sind die Überlebenschancen von an Leukämie erkrankten Kindern so günstig wie in Deutschland. Die 5-Jahres-Überlebensraten liegen bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) mittlerweile bei mehr als 90 Prozent, und bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) sind sie in den letzten Jahren auf mehr als 70 Prozent gestiegen. In ärmeren Ländern sind die Therapieaussichten weitaus schlechter, auch wenn sich die Schere laut einer Studie in Lancet Haematology (2017; doi: 10.1016/S2352-3026(17)30052-2) langsam zu schließen beginnt.

Die Behandlung von Leukämien im Kindesalter gehört zu den Erfolgsgeschichten der modernen Medizin. Unbehandelt verlaufen ALL und AML stets tödlich. Die moderne Chemotherapie, teilweise ergänzt durch eine Bestrahlung des Schädels, hat die Situation deutlich verbessert. In Deutschland lag die 5-Jahres-Überlebensrate im Zeitraum 1995-99 bei der ALL bereits bei 86,3 Prozent, bei der AML waren es noch 61,4 Prozent.

Kinder, die zwischen 2005/2009 erkrankten, überlebten in Deutschland eine ALL zu 91,6 Prozent und eine AML zu 78,2 Prozent. Dies sind nach einer Analyse von 198 Krebsregistern aus 53 Ländern, die Audrey Bonaventure von der London School of Hygiene & Tropical Medicine und Mitarbeiter vorstellen, weltweit die besten Ergebnisse. In den USA liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei der ALL bei 87,7 Prozent und bei der AML bei 63,3 Prozent, in Großbritannien überleben 89,3 Prozent und 68,1 Prozent der Kinder.

Die Fortschritte, die zuletzt bei der AML erzielt wurden, führt Bonaventure auf Ver­besserungen bei der diagnostischen Charakterisierung, der Risikostratifizierung sowie bei der Auswahl der Patienten zurück, für die eine riskante Therapie wie die Schädelbestrahlung oder eine hämopoetische Stammzelltransplantation vorbehalten werden. 

Die hoch spezialisierte Therapie der Leukämie setzt ein gut funktionierendes Gesund­heitswesen und eine Leitlinien-gemäße Diagnose und Behandlung voraus, die es in vielen Ländern nicht gibt. China hat einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Bei der ALL ist die 5-Jahres-Überlebensrate von 11 auf 69 Prozent gestiegen (dies gilt allerdings nur für die Regionen, in denen die Patienten in Registern erfasst werden). Bei der AML gab es eine Verbesserung von 4 auf 41 Prozent. 

Andere Länder haben einen größeren Nachholbedarf. In Kolumbien beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate bei der ALL erst 52 Prozent. Bei der AML ist Bulgarien mit 31 Prozent derzeit das Schlusslicht, was zeigt, dass es auch innerhalb der EU noch sehr große Unterschiede gibt.

Die Studie kann nur die Daten von Ländern vergleichen, die über ein Krebsregister verfügen und in der Lage sind, die Patienten auch über längere Zeit nachzubeobachten. Dies ist in weiten Teilen der Erde nicht möglich. Vor allem in Afrika südlich der Sahara dürfte eine Leukämie bei einem Kind in der Regel zum raschen Tod führen. © rme/aerzteblatt.de

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