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Politik

Umgang mit Diabetes: Modellprojekt für Erzieher und Lehrer

Donnerstag, 13. April 2017

/Herrndorff, stock.adobe.com

Mainz – Erzieher und Lehrer können sich in Rheinland-Pfalz fortan regelmäßig für den Umgang mit diabetischen Kindern und Jugendlichen fortbilden lassen. Das teilte heute das Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz mit. „Chronisch kranke Kinder sollen genau­so am Kita- oder Schulleben teilhaben wie gesun­de Kinder“, sagte Bildungsminis­terin Stefanie Hubig.

Bei dem den Ministeriumsan­ga­ben zufolge bundesweit ersten Schulungskonzept dieser Art wird Ba­siswissen für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen vermittelt, die an Dia­betes Typ 1 leiden. An dem Projekt beteiligt sind der Diabetes-Kinderhilfeverein, das rheinland-pfäl­zische Bildungsministerium sowie Ärzte, Diabetesberater und Hersteller von Diabetes-Hilfs­mitteln. „Qualifizierte Diabetesteams erteilen praxisnahe Schulungen. Den pädago­gi­schen Fach- und Lehrkräften wird ein Basiswissen vermittelt, das ihnen Ängste und die Befangenheit im Umgang mit Kindern mit einem insulinpflichtigen Diabe­tes Typ 1 nimmt“, erklärte Marlies Neese, Vorsitzende des Vereins Hilfe für Kinder und Jugendliche bei Diabetes mellitus.

Die Debatte um Kinder mit Diabetes Typ 1 war in den vergangenen Wochen mehrfach hochgekocht. Einerseits hatte das Sozialgericht Fulda hat in einem einstweiligen Rechts­schutzverfahren entschieden, dass der Vogelsbergkreis die Kosten für die erforderliche persönliche Schulbegleitung eines zuckerkranken Erstklässlers übernehmen soll. Der Kreis reichte jedoch Beschwerde ein. Die endgültige Entscheidung in der Haupt­sache steht noch aus. Andererseits ging es um die Überforderung von Lehrern bei einer medi­zinischen Versorgung von chronisch kranken Kindern.

Betroffene Kinder brauchen Unterstützung

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hatte zuletzt vor diesem Hintergrund bundes­einheitliche Regelungen für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gefordert, die an Di­a­betes Typ 1 erkrankt sind. „Bei den Betroffenen muss der Blutzuckerspiegel mehr­mals täglich kontrolliert und durch die Verabreichung von Insulin angepasst werden“, sagte Bap­tist Gallwitz, Präsident der DDG. „Dafür benötigen gerade jüngere Kinder häufig auch in der Schule Unterstützung.“

Um Kinder mit Diabetes Typ 1 in Kita und Schule erfolgreich integrieren zu können, sei in manchen Fällen eine persönliche Schulbetreuung notwendig – zumindest so lange bis die Betroffenen soweit geschult sind, dass eine intensive Beaufsichtigung nicht mehr not­wendig ist. Zudem sei für eine gute schulische Integration mindestens eine zwei­stündige Schulung des pädagogischen Personals durch Diabetesspezialisten relevant. Für die Durchführung und Finanzierung dieser Schulung existiert laut DDG jedoch bisher bun­des­weit kei­ne einheitliche Lösung.

„Wir als Diabetesexperten fordern schon seit langem eine bundeseinheitliche Regelung zur Integration von diabeteskranken Kindern in der Schule und in der Kita“, sagte Ralph Ziegler, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) der DDG. Nur mit einer bundesweit einheitlichen Lösung in Form einer gesicherten Schu­lung könnten Erziehern und Lehrern Unsicherheiten oder Ängste genommen und Kinder mit Diabetes in ihr gesellschaftliches Umfeld integriert werden. © dpa/may/aerzteblatt.de

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