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Politik

Hunderttausende Behinderte ohne Aussicht auf normalen Job

Donnerstag, 13. April 2017

Berlin – Menschen mit Behinderung gelingt nur äußerst selten der Sprung aus einer spe­ziellen Werkstatt auf den normalen Arbeitsmarkt. Nur 0,02 Prozent der Betroffenen wech­seln pro Jahr in einen regulären Job, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf ei­ne Anfrage der Linken hervorgeht. Bezogen auf das Jahr 2015 wären das 56 Personen gewesen.

Im Jahr 2015 waren demnach 281.512 Menschen mit Behinderung zur Arbeits- und Be­rufsförderung in den Werkstätten tätig. 2012 arbeiteten dort erst 268.111. Die Betrof­fe­nen verdienen im Schnitt 179,83 Euro pro Monat. Der Verdienst änderte sich über die vergangenen Jahre kaum. Seit 2011 schwankte er zwischen 179,65 und 185,58 Euro.

Gehalt oft nur ein Taschengeld

Die linke Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann, die die Anfrage gestellt hatte, kritisierte die Beschäftigungssituation als völlig unbefriedigend. Die Werkstätten müssten einer genauen Betrachtung unterzogen werden. „Viele Menschen mit Behinderungen ar­beiten dort ganz normal und bringen ihre Leistung, werden aber nur mit einer Art Ta­schen­geld ,entlohnt’, obwohl sie für teils namhafte Auftraggeber wichtige Produkte her­stellen.“

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Dass nur ein paar Dutzend Beschäftigte jedes Jahr für den allgemeinen Arbeits­markt ge­eignet sein sollen, sei wenig überzeugend. Dies liege aber auch daran, dass die Arbeit­ge­ber nur wenige Menschen mit Behinderungen einstellten. Nicht akzeptabel sei es, Men­­­schen mit Behinderungen in Werkstätten den Mindestlohn pauschal vorzuent­hal­ten. In der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen sind bei einem Organisationsgrad von 93 Prozent derzeit 680 Hauptwerkstätten mit 2.759 Betriebs­stätt­en organisiert.

Mit dem Bundesteilhabegesetz, das die Koalition vergangenen Dezember nach fast ei­nem Jahrzehnt langen Vorbereitungen verabschiedet hatte, wurde die Rechtslage für Be­hinderte neu geordnet. Für dauerhaft voll erwerbsgeminderte Menschen mit Behinde­run­gen sollten dabei die Weichen für mehr Wahlmöglichkeiten gestellt werden.

So werden die Beschäftigungsangebote der Werkstätten durch die Zulassung anderer Anbieter und die Einführung eines „Budgets für Arbeit“ ergänzt. Für Beschäftigte in Werk­stätten für behinderte Menschen wurde das zusätzlich zum Werkstattentgelt zu zahlende Arbeitsförderungsgeld zudem von monatlich 26 auf 52 Euro erhöht. Kriti­ker warfen der Koalition unzureichende Schritte vor. © dpa/aerzteblatt.de

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