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Ärzteschaft

Notfallversorgung: Gassen verteidigt Abklärungspauschale

Donnerstag, 13. April 2017

/pongmoji, stock.adobe.com

Berlin – Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundes­vereini­gung (KBV) hat die neue Abklärungspauschale im Bereitschafts- und Notfalldienst vertei­digt. Es gehe nicht um eine Notfallbehandlung im Zwei-Minutentakt, wie von der Deut­schen Krankenhausgesellschaft dargestellt, sagte er in einem Video-Interview mit KV-on. Vielmehr sei die Pauschale eingeführt worden, weil es Fälle gebe, in denen Patienten mit Bagatellerkrankungen oder für ein Rezept eine Notfallambulanz aufsuchen. „Diese Pa­tien­ten soll der Kran­ken­hausarzt dann zum niedergelassenen Arzt schicken. Für diese Abklärung hat das Krankenhaus bisher kein Geld bekommen“, erklärte Gassen.

Der KBV-Chef wies zudem darauf hin, dass es nicht darum gehe, dass Klinikärzte in kür­zester Zeit Ent­schei­dungen über gefährliche Grunderkrankungen treffen. „In dem Mo­ment, wo er den Eindruck hat, dass hier eine doch akute Gesundheitsstörung vorliegt, hat er selbstverständlich die Möglichkeiten, den Patienten eingehender zu untersuchen und gegebenenfalls auch apparative Untersuchungen anzuschließen“, erläuterte Gass­en. Die neue Abklärungspauschale solle Krankenhäusern dabei helfen, ihre Notfallam­bu­lanzen zu entlasten und zugleich die Patienten zur jeweils angemessenen Versorgungs­form zu führen, ergänzte er.

Viele Patienten nehmen den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder den Notfalldienst an Krankenhäusern in Anspruch, obwohl sie keine dringende Behandlung benötigen. Für solche Fälle können Bereitschaftsdienst- und Notfallärzte seit dem 1. April die Abklä­rungs­pauschale abrechnen, wenn sie den Patienten an einen niedergelassenen Arzt wei­terleiten. Der ergänzte erweiterte Bewertungsausschuss hatte die Abklärungs­pau­schale Ende des vorigen Jahres beschlossen und als neue Leistung in den Einheitlichen Bewer­tungsmaßstab aufgenommen. Die Pauschale beträgt tagsüber 4,74 Euro sowie nachts, am Wochenende und an Feiertagen 8,42 Euro.

© EB/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 17. April 2017, 12:04

KBV-Absurditäten-Abklärungspauschale!

Selbstverständlich funktioniert die neue Abklärungspauschale im Bereitschafts- und Notfalldienst bei Notfallbehandlung nur im Zwei-Minutentakt.

Ist es Naivität oder Ignoranz, wenn der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Kollege Dr. med. Andreas Gassen behauptet, die Pauschale sei eingeführt worden, weil es Fälle gebe, in denen Patienten mit Bagatellerkrankungen oder nur für ein Rezept eine Notfallambulanz aufsuchten?

Gassen im O-Ton weiter: „Diese Pa­tien­ten soll der Kran­ken­hausarzt dann zum niedergelassenen Arzt schicken. Für diese Abklärung hat das Krankenhaus bisher kein Geld bekommen“, ist eine krasse Fehleinschätzung. Denn selbstverständlich wurden derartige "Bagatellfälle" zur Quersubvention aufwändiger echter Notfälle voll abgerechnet, entsprechend dem gleichmacherischen Durchschnitts-Vergütungs-Prinzip mit Regelleistungsvolumina (RLV) in der haus- und fachärztlichen, vertragsärztlichen Praxis.

Im Wortlaut heißt es bei der KBV: "Abrechnungshinweise zur Abklärungspauschale GOP 01205 und 01207 - Die Abklärungspauschale kann abgerechnet werden, wenn ein Patient in die reguläre vertragsärztliche Versorgung weitergeleitet werden kann, weil er kein Notfall ist. Damit wird die Abklärung der Behandlungs-Notwendigkeit und Koordination der weiteren Behandlung vergütet.
Die Ausschlüsse sind die gleichen wie bei den bestehenden Notfallpauschalen (GOP 01210, 01212, 01214 und 01216 und 01218). Zudem dürfen neben der Abklärungspauschale nicht die EBM-Kapitel 33, 34, und 35 (bildgebende Diagnostik) abgerechnet werden."
http://www.kbv.de/html/1150_25783.php

Zu Recht wird von der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft (DKG) und vielen Ärzte-Verbänden heftig kritisiert, dass die beiden folgenden Gebührenordnungspunkte zum 1. April 2017 im Einheitlichen Bewertungsmaßstab EBM

- GOP 01205: berechnungsfähig am Tag (Tag = 7-19 Uhr; ohne Wochenenden, Feiertage & 24./31.12); Bewertung: 4,74 Euro (45 Punkte); einmal im Behandlungsfall
- GOP 01207: berechnungsfähig in der Nacht (Nacht = 19-7 Uhr; ganztägig an Wochenenden, Feiertagen & 24./31.12); Bewertung 8,42 Euro (80 Punkte); einmal im Behandlungsfall

nicht mal ansatzweise Untersuchungs- und Abklärungs-Aufwendungen bzw. Kosten für "die Abklärung der Behandlungs-Notwendigkeit und Koordination der weiteren Behandlung" decken können. Denn schließlich besteht bei jeder Art von Behandlungsvertrag mit Patientinnen und Patienten eine Fürsorge- und Garantenpflicht seitens des verantwortlichen und koordinierenden Arztes für die angemessene Versorgung und gezielte Weiterleitung.

Derartig banale, grundlegend arztrechtliche Tatsachen müssten eigentlich einem KBV-Vorstandschef bekannt sein. Stattdessen stiften seine multimedialen Äußerungen zu diesem Themenkomplex nur Verwirrung und Verunsicherung - oder ist das etwa beabsichtigt?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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