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Medizin

FDA: Valbenazin schwächt Spätdyskinesie ab

Donnerstag, 13. April 2017

Silver Spring – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat erstmals ein Medikament zuge­lass­en, das die tardive Dyskinesie abschwächt, zu der es nach einer längeren Behandlung insbesondere mit älteren „typischen“ Neuroleptika kommen kann. Der Wirkstoff Valbena­zin hemmt die Bereitstellung von Monoaminen wie Dopamin im synaptischen Spalt.

Tardive oder Spätdyskinesien sind unkontrollierbare, abnorme und sich wiederholende Bewegungen des Rumpfes, der Extremitäten und/oder des Gesichts. Die Patienten zei­gen Zuckungen, Schmatz- und Kaubewegungen, die sie nicht abstellen können. Die neu­rologische Störung wurde in den 1950er Jahren kurz nach der Einführung von Chlorpro­mazin beschrieben.

Später stellte sich heraus, dass die meisten damaligen Neuroleptika/Antipsychotika die Störung auslösen, darunter auch Haloperidol. Die Spätdyskinesien, die in der Regel auch nach dem Absetzen der Medikamente anhalten, waren die Motivation zur Entwick­lung von sogenannten atypischen Antipsychotika, die frei von diesen Neben­wirkungen sein sollten. Das traf allerdings streng genommen nur auf Clozapin zu. Andere Substan­zen wie Risperidon lösen vergleichbare akute Dystonien aus.

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Der Pathomechanismus, der zur Entstehung von Spätdyskinesien führt, ist nicht genau bekannt. Nach der vorherrschenden Hypothese kommt es jedoch zu einer Über­empfind­lichkeit von Neuronen in den Basalganglien auf Dopamin. Hier greift der neue Wirkstoff ein. Valbenazin hemmt die Funktion von VMAT2 („Vesicular monoamine transporter 2“), der in den Nerven für den Transport von Monoaminen vom Zytosol in die präsynapti­schen Vesikel verantwortlich ist. Die Folge ist eine Abnahme der Dopamin-Konzentration im synaptischen Spalt, was die Spätdyskinesien abschwächen kann.

Die Wirkung von Valbenazin wurde in der Zulassungsstudie Kinect 3 untersucht, an der 234 Patienten mit Spätdyskinesien teilnahmen. Die Patienten wurden auf drei Gruppen randomisiert, in denen sie mit Placebo oder Valbenazin in der Dosierung von 40 oder 80mg pro Tag über sechs Wochen behandelt wurden. Nach den kürzlich im American Journal of Psychiatry (2017; doi: 10.1176/appi.ajp.2017.16091037) veröffentlichten Ergebnissen kam es unter der Behandlung mit Valbenazin in der höheren Dosierung zu einem deutlichen Rückgang der Bewegungsstörungen im AIMS („Abnormal Involuntary Movement Scale), die jetzt die FDA von der Wirksamkeit des Medikaments überzeugte.

Die Behandlung mit Valbenazin ist nicht ohne Risiken. Die FDA erwähnt als wichtigste Nebenwirkungen eine vermehrte Schläfrigkeit, die bei mehr als 5 Prozent der Patienten auftritt, sowie Herzrhythmusstörungen. Eine Verlängerung des QT-Intervalls könnte vor allem Patienten mit angeborenem Long-QT-Syndrom oder verwandten Störungen gefährlich werden. Um sich und andere Menschen im Fall eines Kreislaufkollapses nicht zu gefährden, dürften die Patienten zu Beginn der Behandlung keine Fahrzeuge führen oder gefährliche Maschinen bedienen. © rme/aerzteblatt.de

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