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Medizin

US-Studie: Marathonläufe können für Anwohner tödlich sein

Donnerstag, 13. April 2017

/Kara adobestockcom

Boston – Die großräumigen Absperrungen, die anlässlich von Marathonläufen not­wendig werden, können die Versorgung von medizinischen Notfällen behindern. Eine US-Studie im New England Journal of Medicine (2017; 376:1441-1450) belegt einen leichten Anstieg in der Zahl der tödlichen Herzinfarkte. 

Auch in den USA veranstaltet praktisch jede Großstadt im Sommer einen Marathonlauf. Der Straßenverkehr wird im Bereich der Laufstrecke weiträumig umgeleitet, was auch für Notfallambulanzen mit Umwegen und einem Zeitverlust verbunden ist. Für Patienten mit einem Herzinfarkt oder nach Reanimation eines Herzstillstands kann jede Verzögerung tödlich sein.

Anupam Jena von der Harvard Medical School in Boston und Mitarbeiter haben hierzu die Medicare-Daten aus elf US-Metropolen untersucht. Sie verglichen die Überlebens­raten von 1.145 Patienten, die an den Tagen des Marathonlaufs wegen eines Herzinfarktes oder nach Reanimation eines Herzstillstands hospitalisiert wurden, mit einer Gruppe von 11.074 Patienten, die an Nichtmarathon-Tagen Hilfe benötigten.

Ergebnis: Die 30-Tage-Sterblichkeit nach einem kardialen Notfall betrug an den Marathon-Tagen 28,2 Prozent im Vergleich zu 24,9 Prozent an den Nichtmarathon-Tagen. Dies ergibt eine absolute Risikodifferenz von 3,3 Prozentpunkten, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,7 bis 6,0 Prozentpunkten signifikant ausfiel. Mit anderen Worten: Auf 100 Patienten mit Herzinfarkt oder Herzstillstand kommen an Marathon-Tagen fast vier zusätzliche Todesfälle, weil die Notfallambulanzen nicht rechtzeitig die Klinik erreichen.

Dabei waren die Verzögerungen nicht gravierend: Nach Berechnungen von Jena trafen die Ambulanzen an den Marathon-Tagen nach durchschnittlich 18,1 Minuten in der Klinik ein gegenüber 13,7 Minuten an anderen Tagen. Die Differenz betrug damit nur 4,4 Minuten, was laut der Untersuchung bei Patenten mit einem kardinalen Notfall jedoch über Leben oder Tod entscheiden kann.

Wie immer bei epidemiologischen Untersuchungen, lässt sich eine Kausalität nicht zweifelsfrei beweisen. Jena hat jedoch versucht, mögliche andere Erklärungen auszuschließen. So wurde geprüft, ob die Patienten an Marathon-Tagen in anderen Krankenhäusern behandelt wurden, ob sich das Patientenaufkommen unterschied, ob weniger Personal vorhanden war oder ob die Patienten andere Behandlungen erhielten. Dies war nicht der Fall.

Es gab auch keine Unterschiede hinsichtlich der Herkunft der Patienten und es wurden nicht etwa vermehrt Besucher der Marathon-Veranstaltungen mit erhöhten kardialen Risiken behandelt. Es gab auch keine Hinweise, dass die Patienten an den Marathon-Tagen länger gewartet haben könnten, bevor sie einen Notruf absetzten. © rme/aerzteblatt.de

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