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Politik

Grüne fordern bessere Hebammenversorgung

Dienstag, 18. April 2017

/Anatoly Tiplyashin, stock.adobe.com

Berlin – In einem Positionspapier fordern die Grünen im Bundestag mehr Hebammen und eine höhere Zahl von Kreißsälen in Ballungszentren. „Die Politik muss die richtigen Vo­raus­setzungen für diesen so wichtigen Beruf schaffen“, erklärte die Fraktions­vor­sit­zen­de Katrin Göring-Eckardt in Berlin. Schwangere müssten darauf vertrauen können, dass sie vor, während und nach der Geburt gut und umfassend betreut werden.

Dazu gehöre, dass jede Schwangere während der Geburt 1:1 durch eine Hebamme betreut werden könne. Es brauche künftig ausreichend Personal in den Kreißsälen, betonte Göring-Eckardt. Der Grünen-Gesundheitsexperte Harald Terpe sagte, es dürfe nicht sein, „dass Schwangere von Klinik zu Klinik geschickt werden, weil die Kreißsäle überfüllt sind.“

Dem Papier zufolge wollen die Grünen die Rahmenbedingungen für Hebammen ver­bess­ern. So sollen teure Haftpflichtversicherungen in der Geburts­hil­fe in ein öffentliches Mo­dell ähnlich der gesetzlichen Unfallversicherung überführen. He­bammen, die sich in un­ter­versorgten Regionen niederlassen, sollen einen Zuschlag er­halten. Außerdem schlägt die Fraktion Modellprojekte für dünn besiedelten Regionen vor, etwa mobile Geburtssta­tio­nen oder eine telefonische Begleitung durch erfahrene Geburtshelfer. Zu­dem sollten Familien nach der Geburt besser unterstützt werden, etwa durch eine Aus­wei­­tung des Anspruchs auf Haushaltshilfe in der Wochenbettphase.

Vergütung anpassen

Die Grünen wollen darüber hinaus natürliche Geburten fördern und die Kaiserschnittrate senken. Dafür sollen Hebammen und Ärzte verstärkt zum Beispiel für Mehrlingsgeburten und Risiken wie die Beckenendlage des Babys trainiert werden, heißt es in dem Be­schluss der Bundestagsfraktion. Die Vergütung für natürliche Geburten solle der von Kai­serschnitten angepasst werden – bisher können Kliniken mehr abrechnen, wenn ein Kind per OP zur Welt kommt. Zudem wollen die Grünen Krankenhäuser verpflichten, ihre Kaiserschnittraten öffentlich zu machen.

„Nur zehn Prozent aller Kaiserschnitte sind absolut zwingend“, heißt es in dem elfseiti­gen Papier der Fraktion. Manche Gründe seien wissenschaftlich fragwürdig. In kleineren Kli­ni­ken würden nachts oder am Wochenende häufiger Kinder per Kaiserschnitt gebo­ren, weil Personal fehle. Mitunter würden auch Risiken und mögliche Probleme wie Schmer­zen oder Folgen für spätere Schwangerschaften verschwiegen.

Der Deutsche Hebammenverband (DHV) beklagt seit Langem eine Verschlechterung der Versorgung von Frauen in der Geburtshilfe. Laut einem Gutachten des Wissen­schaft­­li­chen Dienstes (WD) des Bundestages aus dem März dieses Jahres müssen in Deutsch­land dreimal so viele Gebärende wie in anderen europäischen Ländern von einer He­bamme betreut werden. Zudem ist die Anzahl der Geburtsstationen laut Statis­tischem Bundesamt zwischen 1991 und 2015 um rund 40 Prozent auf 709 zurück­gegangen.

Für Aufsehen sorgte am Osterwochenende auch der Facebook-Post einer Hebamme aus Nordrhein-Westfalen. In dem sozialen Netzwerk riet sie Paaren mit Kinderwunsch, an den Feiertagen noch zu verhüten: Sonst käme das Baby im Dezember oder Januar zur Welt, und in dieser Zeit sei es noch schwieriger als ohnehin, eine Hebamme zu finden. © kna/dpa/aerzteblatt.de

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