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Ausland

Hilfsorganisationen geraten in Seenot

Dienstag, 18. April 2017

Die „Sea-Eye“ und ein deutsches Marineschiff nehmen am 15.04.2017 vor der Küste Libyens Flüchtlinge an Bord.
Die „Sea-Eye“ und ein deutsches Marineschiff nehmen am 15. April vor Libyens Küste Flüchtlinge an Bord. /dpa

Regensburg – Die Flüchtlingswelle im Mittelmeer hat über die Ostertage zu massiven Problemen für die Retter geführt. Mehrere Boote von Hilsforganisationen trieben Berich­ten zufolge manövrierunfähig im Meer. Grund war die Vielzahl der Flüchtlinge, die die Boote an Bord genommen hatten. Ein Schiff der Organisation Sea-Eye hatte beispiels­weise vor der libyschen Küste rund 210 Flüchtlinge aufgenommen.

Die „Sea-Eye“ wurde am Sonntag von einem italienischen Seenotrettungskreuzer be­glei­­tet, sagte Sea-Eye-Chef Michael Buschheuer. Die Flüchtlinge seien am Samstag­morgen von dem Schiff aufgenommen worden. Buschheuer erklärte, bei der Rettungsaktion sei­en in der Nähe des Schiffes „vermut­lich acht bis zehn Menschen ertrunken“. Auch die Hilfsorganisation Jugend Rettet aus Teltow bei Berlin setzte für ihr Schiff „Iu­ven­ta“ einen Notruf ab. Die „Iuventa“ nahm rund 400 Menschen an Bord.

Bereits am Karfreitag hatten Schiffe der italienischen Küstenwache und privater Hilfsor­ga­nisationen mehr als 2.000 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer gerettet. Die Menschen hät­t­en versucht, in 16 Schlauchbooten und drei Schiffen aus Holz von der liby­schen Küste aus nach Italien zu gelangen, erklärte die Küstenwache. Von einem der Boote habe ein junger Flüchtling nur noch tot geborgen werden können. 2.074 Men­schen hätten durch pausenlose Einsätze in Sicherheit gebracht werden können.

Die Küstenwache beschrieb die Rettungseinsätze als „sehr schwierig“. Mehr als die Hälfte der Geretteten – 1.145 Menschen – wurde von zwei Rettungsbooten der Organisation Ärzte ohne Grenzen aufgenommen. Drei weitere Schiffe von Hilfsorga­nisationen sowie die Küstenwache nahmen ebenfalls Flüchtlinge auf.

Die europäische Grenzschutzagentur Frontex hatte kürzlich den Einsatz der Rettungs­schiffe privater Organisationen vor der libyschen Küsten kritisiert, weil dadurch Men­schen zur Flucht über das Mittelmeer ermuntert werden könnten. Diese Schiffe brächten Flüchtlinge „wie Taxis“ nach Europa, kritisierte Frontex. Ärzte ohne Grenzen wies diese Kritik am Freitag zurück. In einer Twitter-Botschaft hieß es: „Wie viele Flüchtlinge wären heute losgefahren, wenn es uns hier nicht gäbe, Frontex? Wahrscheinlich genauso viele. Wie viele wären gestorben? Viel mehr.“

Flüchtlinge aus Afrika, aber auch aus dem Nahen Osten, treten aus Libyen die gefährli­che Überfahrt über das Mittelmeer ins rund 300 Kilometer entfernte Italien an. Nach An­ga­ben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR fuhren in den ersten drei Monaten dieses Jah­res bereits mehr als 24.000 Menschen von Libyen nach Italien. Im Vorjahreszeit­raum waren es demnach nur 18.000 Bootsflüchtlinge. Nach Einschätzung internationaler Orga­nisationen befinden sich derzeit zwischen 800.000 und einer Million Menschen in Libyen, die in die EU gelangen wollen. Die meisten von ihnen stammen aus afrikani­schen Län­dern südlich der Sahara. © afp/aerzteblatt.de

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