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Medizin

Medizinalcannabis: Epileptische Anfälle bei Lennox-Gastaut-Syn­drom halbiert

Donnerstag, 20. April 2017

Das Lennox-Gastaut-Syndrom ist eine schwere epileptische Enzephalopathie mit regelhaft auftretender mentaler Retardierung sowie Verhaltens- und Persönlichkeitsstörungen. /Tobilander stock.adobe.com

Boston – Flüssiges Cannabidiol (CBD) konnte in einer doppelblinden Studie epileptische Anfälle bei Kindern mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom halbieren. Zuvor hatten die Proban­den durchschnittlich 85 Sturzanfälle pro Monat, und etwa sechs Antiepileptika zeigten keine Wirkung. Die Ergebnisse der pharmaunterstützten Versuche wurden auf dem 69. Annual Meeting der American Academy of Neurology’s vorgestellt.

Das Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) tritt vorwie­gend bei Kindern zwischen 2 und 7 Jahren auf und ist bei Jungen häufiger als bei Mädchen. Sturzanfälle treten meist erst später im Krankheitsverlauf auf und lassen sich mit Antiepileptika nur schwer vermeiden. Bei Sturzanfällen ändert sich der Muskeltonus, es kommt zu einer ruckartigen Beugung von Kopf und Rumpf sowie im Hüftgelenk, was zum Sturz führt.

Die Forscher beobachteten bei etwa 40 Prozent der Kinder mit LGS, die zusätz­lich zu ihren durchschnittlich drei Epilep­siemedikamenten ein CBD-haltiges Öl bekamen, eine Reduktion der epilepti­schen Sturzanfälle um mindestens 50 Prozent. Bei jenen, die ein Placebo ein­nahmen, profitierten hingegen nur 15 Prozent in vergleichbaren Ausmaß.

„CBD könnte Patienten mit epileptischen Anfällen helfen, die sonst nur schwer kontrol­lier­bar sind“, leitet die Autorin Anup Patel vom Nationwide Children’s Hospital und The Ohio State University College of Medicine in Columbus aus den Studienergebnissen ab. Sie ist davon überzeugt, dass CBD eine wichtige Therapieoption für LGS-Patienten werden könnte.

Insgesamt wurden 212 Patienten im Alter von durchschnittlich 16 Jahren untersucht. Davon erhielten 76 LGS-Patienten CBD-Öl gemischt mit Sesamöl zweimal täglich in einer Dosierung von 20 mg/kg, 73 bekamen 10 mg CBD pro Kilogramm und 76 ein Placebo über einen Zeitraum von zwei Wochen. Die höhere Dosierung erzielte bei den Teilnehmern eine etwas bessere Wirkung (40 Prozent versus 36 Prozent 50-prozentige Sturzanfallreduktion).

Ebenfalls dosisabhängig berichteten die LGS-Patienten auch über Nebenwirkungen. Diese traten bei 94 Prozent beziehungsweise 84 Prozent der CBD-Patienten mit der geringeren Dosis auf. Selbst 72 Prozent der Kinder, die ein Placebo erhielten, klagten über dieselben Auswirkung: vor allem Schläfrigkeit und weniger Appetit.

Von den Teilnehmern der Studie haben bereits 99 Prozent die erweiterte Open-Label-Folgestudie begonnen. Unterstützt wurde die Studie von GW Pharmaceuticals (US: Greenwich Biosciences Inc.), dem Hersteller von Epidiolex, einem CBD-haltigen Öl, das in der Studie zum Einsatz kam. © gie/aerzteblatt.de

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