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Azithromycin: Studie findet kein erhöhtes Risiko von ventrikulären Herzrhythmus­störungen

Mittwoch, 19. April 2017

/Bionerd - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3056037

Messina – Das Antibiotikum Azithromycin, das die Repolarisierung des Herzens (QT-Intervall) verlängert, war in sieben bevölkerungsbasierten Kohortenstudien zwar mit einem erhöhten Risiko von ventrikulären Arrhythmien verbunden, was die Forscher im Canadian Medical Association Journal (2017; doi: 10.1503/cmaj.160355) jedoch eher als Folge der Infektionen, denn als Komplikation der Therapie deuten.

Eine Verlängerung des QT-Intervalls kann eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung auslösen. Deshalb werden viele Medikamente, die diese Veränderung im EKG auslösen, als potentiell gefährlich eingestuft. Zu diesen Wirkstoffen gehören auch einige Makrolid-Antibiotika, darunter das häufig verordnete Azithromycin.

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Die US-Arzneibehörde FDA hat 2013 zu Azithromycin eine Drug Safety Communication veröffentlicht. Sie basierte auf der retrospektiven Analyse von Medicaid-Daten, in denen Azithromycin mit einem Anstieg der kardio­vaskulären Todesfälle (Hazard Ratio HR 2,88) und der Gesamttodesfälle (HR 1,85) assoziiert gewesen war (NEJM 2012; 366: 1881-90). Auch die deutschen Fachinformationen warnen inzwischen ausdrücklich vor dem Einsatz von Azithromycin bei Patienten, deren Risiko aufgrund einer QT-Verlängerung (angeboren oder durch Einnahme anderer Medikamente) bereits erhöht ist.

Ein Team um Gianluca Trifirò von der Universität Messina in Italien hat zu dieser Frage jetzt die Daten der ARITMO-Studie („Arrhythmogenic Potential of Drugs") ausgewertet, die im Auftrag der EU-Kommission die Sicherheit von Medikamenten untersucht hat, die das QT-Intervall verlängern. Dazu wurden die Daten aus sieben Kohorten von Krankenversicherten aus Italien, Großbritannien, den Niederlanden, Dänemark und Deutschland (Pharmakoepidemiologische Forschungsdatenbank GePaRD) analysiert. 

Von den 14.040.688 Versicherten, die neu mit Antibiotika behandelt worden waren, erlitten 12.874 im Untersuchungszeitraum eine ventrikuläre Arrhythmie, davon 1.221 Patienten während der Einnahme der Antibiotika. Von diesen 1.221 Patienten hatten 30 Azithromycin eingenommen. Obwohl die Zahl gering war, zeigte der Vergleich dieser Patienten mit bis zu 100 Kontrollen, dass die Einnahme von Azithromycin tatsächlich mit einer erhöhten Zahl von ventrikulären Arrthymien assoziiert war. Trifirò ermittelte eine adjustierte Odds Ratio von 1,97, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,35 bis 2,86 statistisch signifikant war. Insofern bestätigen die Ergebnisse die Medicaid-Analyse. 

Trifirò fand jedoch heraus, dass auch die Behandlung mit anderen Antibiotika mit einer erhöhten Rate von ventrikulären Arrhythmien verbunden war (adjustierte Odds Ratio 1,83; 1,71-1,97). Der Vergleich zwischen einer aktuellen Einnahme von Azithromycin und einer aktuellen Einnahme von Amoxicillin ergab, dass es unter der Behandlung mit den beiden Mitteln gleich häufig (oder gleich selten) zu einer ventrikulären Arrhythmie gekommen war (adjustierte Odds Ratio 1,01; 0,38-2,64).

Da Amoxicillin und Azithromycin die gleichen Einsatzgebiete haben, dürfte eher die Infektion als die Behandlung für die erhöhte Rate von ventrikulären Arrhythmien verantwortlich sein, vermutet Trifirò. Ob die Arzneimittelbehörden das ähnlich sehen, bleibt abzuwarten. Da die Verlängerung des QT-Intervalls ein plausibler Verursacher einer ventrikulären Arrhythmie ist, dürfte es vermutlich bei der Kontraindikation von Azithromycin bei Patienten bleiben, bei denen das QT-Intervall bereits vor Behandlungsbeginn verlängert ist.

© rme/aerzteblatt.de

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