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Medizin

Die Wirkung von Antidepressiva vorhersagen

Mittwoch, 19. April 2017

/nenetus, stock.adobe.com

München – Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts (MPI) für Psychiatrie in München haben eine Biosignatur identifiziert, die es möglich macht vorherzusagen, welche Patien­ten auf die Behandlung mit dem Antidepressivum Paroxetin ansprechen und welche nicht. Ihre Arbeit ist in der Fachzeitschrift Translational Psychiatry erschienen (2017; doi: 10.1038/tp.2017.39).

Die Wirkung von Antidepressiva ist im Augenblick oft nicht vorher zu gewährleisten. Ein Drittel aller Patienten, die an einer Depression leiden, spricht nicht auf das erste Medika­ment an, das ihnen verordnet wird. Bisher bleibt dem behandelnden Arzt nichts anderes übrig, als verschiedene Präparate auszuprobieren. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Wirksamkeit meist erst nach vier bis sechs Wochen kontinuierlicher Einnahme he­raus­­stellt.

In der aktuellen Arbeit haben Wissenschaftler unter der Leitung von Chris Turck vom Münchner MPI in Zusammenarbeit mit Marianne Müller von der Universität Mainz zu­nächst an Mäusen molekulare Signalwege beschrieben, die für das Ansprechen bezie­hungsweise Nichtansprechen auf das Antidepressivum Paroxetin charakteristisch sind. Sie fanden heraus, dass zwischen Glutamat- und Ubiquitin-Proteasom-Signalwegen und der Reaktion auf Antidepressiva ein direkter Zusammenhang besteht.

In einem nächsten Schritt untersuchten die Forscher, ob Ärzte mithilfe dieser Signal­wege herausfinden könnten, welche Patienten auf eine Behandlung ansprechen würden und welche nicht. Sie nahmen dazu Blutproben von Patienten, die an Depression litten und entdeckten, dass die Biosignaturprofile eine Klassifizierung des klinischen Anspre­chens auf Antidepressiva ermöglichten. Insbesondere waren sie in der Lage, Patienten, die auf ein Antidepressivum ansprechen würden, bereits vor Behandlungsbeginn von denen zu unterscheiden, bei denen dies nicht der Fall sein würde.

„Biosignaturen zur Prognose des Behandlungserfolges von Antidepressiva werden die langwierigen Leidenswege von Patienten verkürzen, indem sie im Voraus abklären, wel­ches das vielversprechendste Antidepressivum ist. Dies ist ein wichtiger Schritt für die per­sonalisierte Medizin im Bereich Psychiatrie“, sagte der Erstautor des Artikels, Dongik Park vom MPI in München. © hil/aerzteblatt.de

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