Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Ambulanz für Männer soll Vergewaltigungen verhindern

Mittwoch, 19. April 2017

/Antonioguillem, stock.adobe.com

Hannover – Eine neue Ambulanz an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) für Männer mit sexuellen Gewaltfantasien soll verhin­dern, dass Frauen zu Opfern werden. Wer befürchtet, seine sexuellen Impulse nicht kon­trollieren zu können, kann sich dort ano­nym und kostenlos behandeln lassen. Geplant sind Einzel- und Gruppentherapien, bei Bedarf auch mit medikamentöser Unterstützung. „Sexuelle Übergriffe passieren nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel“, sagte Sexualme­diziner Uwe Hartmann heute bei der Vorstellung des Pilotprojekts in Hannover. Es gebe einen Vorlauf in der Seele und der Sexualität des Täters.

An der MHH gibt es bereits seit fünf Jahren die Ambulanz für pädophile Männer „Kein Tä­ter werden“. In dieser Zeit habe es auch Anfragen von Männern gegeben, die von Ge­walt­­fantasien berichteten, die sich auf erwachsene Frauen richteten, sagte Hartmann. Die­se Gruppe sei groß und kaum erforscht. 2015 verzeichnete die Polizeiliche Kriminal­statistik bundesweit 7.022 Vergewaltigungen. Nur fünf Prozent der Taten werden Studien zufolge angezeigt – weil der Täter meist der eigene Partner oder Ex-Freund ist, aus Scham oder aus Angst, dass einem niemand glaubt.

Kontakt zur Gewaltambulanz der MHH

Menschen, die unter ihren sexuellen Impulsen leiden, können sich ab sofort unter der Telefonnummer 0511/532-6746 (montags von 8 bis 11 Uhr; mittwochs von 15 bis 17 Uhr und freitags von 15 bis 17 Uhr) oder per E-Mail unter protect-me@mh-hannover.de an die MHH wenden.

Um die Hintergründe der sexuellen Phan­tasien und Impulse besser zu verstehen, werden die Patienten auf freiwilliger Ba­sis parallel zum Therapiean­gebot wissen­schaftlich beglei­tet und untersucht. „Bis­he­rige Untersuchungen weisen zum Bei­spiel darauf hin, dass Al­kohol- und Dro­gen­konsum oder auch psychiatrische Be­­gleiterkrankungen als Risikofak­toren die Wahrscheinlichkeit eines sexuellen Übergriffs maßgeblich erhöhen können“, er­läuterte Tillmann Krüger, geschäftsführender Oberarzt in der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, der das Projekt gemeinsam mit Hartmann leitet. Das soll nun genauer untersucht werden. „Letztlich wollen wir Therapieansätze weiter­ent­wickeln, damit sie noch individueller und effektiver einsetzbar sind.“

Auch Thomas Weis­haupt vom Verein der Weisser Ring zeigte sich von dem neuen Pro­jekt überzeugt. Alles was helfen könne, Straftaten und damit einhergehendes Leid von Opfern von Straftaten zu vermeiden, sei Opferschutz im besten Sinne des Wortes, sagte er.

Das niedersächsische Ge­sund­heits­mi­nis­terium fördert die neue Ambulanz mit 450.000 Euro für zunächst drei Jahre. „Frauen leiden ihr Leben lang, wenn sie Opfer von Gewalt geworden sind“, betonte Ge­sund­heits­mi­nis­terin Cornelia Rundt (SPD). Insgesamt stelle ihr Haus jährlich über sieben Millionen Euro für den Opferschutz bereit.

Prävention und Behandlung dysregulierter Sexualität (PBDS) lautet die offizielle Bezeich­nung des Pilotprojektes. Mit einem Plakat versuchen die Mediziner, Betroffene direkt an­zu­sprechen: Abgebildet ist ein junger Mann, sein Gesicht und seinen Körper verdeckt der Satz: „Willst du mehr, als sie will?“ Die Psychiater sind optimistisch, dass Männer mit Gewaltfantasien das Angebot auch annehmen werden. „Die Menschen sind da und brau­chen Hilfe“, sagte Tillmann Krüger, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychia­trie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie. © dpa/EB/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

11.12.17
Prozessauftakt: Arzt entschuldigt sich für Missbrauch von Patientinnen
Ansbach – Ein Arzt, der wegen sexuellen Missbrauchs von drei Patientinnen angeklagt ist, hat sich heute beim Prozessauftakt vor Gericht bei den Frauen entschuldigt. „Sie waren meine intimen......
08.12.17
Syrische Jungen und Männer oft Opfer sexueller Gewalt
Beirut – Jungen und Männer aus Syrien werden nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) in ihrer vom Bürgerkrieg heimgesuchten Heimat und als Flüchtlinge im Ausland Opfer sexueller Gewalt. Seit dem......
05.12.17
Bundesverfassungs­gericht befasst sich mit Fixierungen in der Psychiatrie
Karlsruhe – Der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) will am 30. und 31. Januar 2018 über Fixierung im Rahmen der öffentlich-rechtlichen Unterbringung verhandeln (Az.: 2 BvR 309/15, 2......
01.12.17
Psychiatrie: Flüchtlingstrauma kann auf die nächste Generation übertragen werden
Uppsala – Die psychischen Belastungen, denen Kinder durch Krieg und Flucht ausgesetzt sind, können noch in der nachfolgenden Generation ihre Spuren hinterlassen. Eine Studie in JAMA Psychiatry (2017;......
28.11.17
Radiologie: Was sind die Zeichen häuslicher Gewalt?
Aufnahmen einer 21-jährigen Frau mit Nasenbeinfraktur sowie Weichteilschwellung der linken Gesichtsseite (oben). Eine Überprüfung der elektronischen Krankenakten ergab ähnliche Verletzungen, die 9......
27.11.17
Frankreich setzt im Kampf gegen Gewalt an Frauen auf schärfere Gesetze
Paris – Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will mit einer deutlich verschärften Gesetzgebung und Etaterhöhungen Frauen besser vor sexueller Belästigung und Gewalt schützen. Frankreich dürfe nicht......
21.11.17
Forderungen des Psychotherapeuten­tages an die Gesundheitspolitik
Berlin – Die Reform der Psychotherapieausbildung als Gesetz in die kommende Legislaturperiode einzubringen, ist wichtigstes Ziel der Psychologischen Psychotherapeuten (PP) und Kinder- und......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige