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Medizin

Sepsis, Thrombose, Knochenbrüche: Studie findet Risiken einer kurzfristiger Steroidtherapie

Mittwoch, 19. April 2017

stock.adobe.com

Ann Arbor – Die kurzfristige Verordnung von oralen Steroiden, die aufgrund der raschen Symptomlinderung eine beliebte Therapie auch bei vielen akut entzündlichen Erkran­kungen ist, zog in einer retrospektiven Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2017; 357: j1415) einen signifikanten Anstieg von Sepsiserkrankungen, venösen Thromboembolien und Knochenbrüchen nach sich.

Kortikosteroide sind äußerst wirksame antientzündliche Medikamente, deren Einsatz leider mit erheblichen Risiken verbunden ist. Die langfristigen Folgen einer Steroid­behandlung sind hinlänglich bekannt. Infektionen, venöse Thromboembolien, avaskuläre Nekrosen und Frakturen gehören ebenso dazu wie ein Typ 2-Diabetes, eine arterielle Hypertension und eine Osteoporose, die das iatrogene Cushing-Syndrom umschreiben. 

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Die kurzfristige Therapie von Steroiden über wenige Tage wird von den meisten Ärzten als sicher betrachtet, obwohl Studien negative Auswirkungen auf die Immunabwehr und den Knochenstoffwechsel dokumentiert haben. Von 1,5 Millionen US-Privatversicherten im Alter von 18 bis 64 Jahren, deren Daten Akbar Waljee von der Universität von Michigan in Ann Arbor und Mitarbeiter auswerteten, hatten 327.452 Versicherte, also mehr als jeder fünfte, innerhalb von drei Jahren mindestens einmal als ambulante Patienten kurzfristig Steroide verschrieben bekommen. 

Die mediane Dauer der Behandlung betrug sechs Tage und die mediane Dosis 20 mg/die Prednisolon-Äquivalent (die beliebteste Verordnung ist ein „dosepak“ mit Methylprednisolon für sechs Tage, das fast der Hälfte der Patienten verordnet wurde). Die häufigsten Indikationen waren Infektionen der oberen Atemwege, Wirbelsäulen- und Bandscheibenerkrankungen, Allergien, Bronchitis sowie andere Erkrankungen der unteren Atemwege.

Die Verordnung blieb in den meisten Fällen ohne Folgen. Aber 170 der 327.452 Patienten (0,05 Prozent) erkrankten fünf bis 90 Tage nach der Verordnung an einer Sepsis. Bei 472 Patienten (0,14 Prozent) kam es während der gleichen Zeit zu einer venösen Thromboembolie, 1.657 Patienten (0,51 Prozent) erlitten einen Knochenbruch. Unter den 1.221.493 Versicherten, die keine Steroide erhalten hatten, erkrankten deutlich weniger Patienten an den drei Erkrankungen, die bekannte Folgen einer langfristigen Steroidtherapie sind.

Die Forscher verglichen die Inzidenz der drei Komplikationen an den Tagen 5 bis 30 und an den Tagen 31 bis 90 nach Behandlungsbeginn mit einer gleichlangen Phase vor der Verordnung der Steroide. Diese sogenannte „Self-Controlled-Cases Series“-Methode (SCCS) vermeidet Verzerrungen, die sich aus Unterschieden in den Patienteneigen­schaften ergeben können. Die SCCS-Methode hat sich beispielsweise bei der Untersuchung von Impfkomplikationen bewährt. 

Die Analyse ergab, dass die Inzidenzrate (IRR) für eine Sepsis im ersten Monat nach der Verordnung des oralen Kurzzeitsteroids um den Faktor 5,30 (95-Prozent-Konfi­denzintervall 3,80 bis 7,41) signifikant erhöht war. Für die venöse Thromboembolie betrug die IRR 3,33 (2,78-3,99) und für Knochenbrüche 1,87 (1,69-2,07). Passend zu der Vermutung einer Arzneimittelkomplikation ist, dass die IRR im Zeitraum 31 bis 90 Tage abgeschwächt war. Die Autoren ermitteln eine IRR von 2,91 (2,05-4,14) für die Sepsis, eine IRR von 1,44 (1,19-1,74) für die venöse Thromboembolie und eine IRR von 1,40 (1,29-1,53) für Knochenbrüche. Auch eine Dosis-Wirkungsbeziehung war ansatzweise erkennbar. 

Schließlich verglichen die Autoren Patienten mit der gleichen Erkrankung. In jeder Indikationsgruppe kam es bei den Patienten, die orale Steroide erhalten hatten, in den ersten 30 Tagen signifikant häufiger zu Sepsis, venösen Thromboembolien oder Knochenbrüchen. 

Obwohl retrospektive Untersuchungen fehleranfällig sind, hat Waljee aufgrund der konsistenten Ergebnisse in den unterschiedlichen Analysen keine Zweifel, dass die Komplikationen Folge der Steroidbehandlung sind. Die Komplikationen waren zwar insgesamt selten, ihre Folgen für die Patienten jedoch gravierend. Die Ärzte sollten deshalb wissen, dass Steroide auch bei einer kurzfristigen Verordnung nicht ohne Risiken sind, meint Waljee. Sie sollten nicht von dem Grundsatz abweichen, stets die niedrigste effektive Dosis für einen möglichst kurzen Zeitraum zu verordnen.

© rme/aerzteblatt.de

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