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Politik

Gröhe beklagt Impflücken in Deutschland

Donnerstag, 20. April 2017

/mafalda, stock.adobe.com

Köln/Berlin – Robert-Koch-Institut (RKI) und Bundesgesundheitsministerium (BMG) ha­ben zur Europäischen Impfwoche an bestehende Impflücken in Deutschland erinnert. „Die aktuellen Zahlen und die Masernausbrüche zeigen, dass wir immer noch zu große Impflücken haben“, mahnte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) heute in Berlin. Dabei gehörten Impfungen zu den wirksamsten Mitteln, um Infektionskrankheiten vorzubeugen und die individuelle Gesundheit sowie die der Mitmenschen zu schützen. Er for­­derte im Kampf gegen die Masern eine „gemeinsame Kraftanstrengung von Ärzte­schaft, Schulen, Kitas, Betrieben und  Familien“.

Unter dem Motto „Impfungen wirken – Impfungen schützen in jeder Lebensphase“ unter­­streicht die 12. Europäische Impfwoche vom 24. bis 30. April die Bedeutung von Im­pfun­gen als eine der wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen in der Medi­zin.

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Gestiegen sind die Impfquoten einer Mitteilung von BMG, RKI und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge bei Windpocken, Meningo­kok­ken und Pneu­mo­­kok­ken, hier setzt sich der positive Trend der vergangenen Jahre fort. Leicht gesun­ken sind sie für Tetanus, Diphtherie, Hämophilus influenzae, Polio und Hepatitis B. Vor allem die Ma­sern­impfung erfolgt demnach häufig zu spät.

RKI-Chef spricht von unhaltbarem Zustand

Nur 73,7 Prozent des Ge­burts­jahrgangs 2013 waren am Ende ihres zweiten Lebens­jah­res gemäß der Empfehlung der Ständigen Impf­kommission zweimal gegen Masern ge­impft, im Bundesschnitt hatten 2015 nur 92,8 Pro­zent der Schulanfänger die maßgeb­li­che zweite Masern-Impfung er­halten. Die für die Eli­mination der Masern erforderliche Impfquote von 95 Prozent für zwei Impfungen, die als Indikator für eine ausreichende Bevölkerungsimmunität dient, wird unter Schulanfängern bislang nur in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern erreicht. „Damit ist jedes Jahr bei rund 180.000 Zwei­jährigen in Deutschland ein ausreichender Schutz gegen Masern ungewiss, oder sie sind gar nicht geimpft, das ist ein unhaltbarer Zustand“, sagte RKI-Präsident Lothar H. Wieler.

Die großen Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen tragen entscheidend dazu bei, dass eingetragene Masernviren immer wieder zu vielen Krankheitsfällen führen können. Im laufenden Jahr wurden mit 410 Fällen (bis einschließlich 13. KW) bereits mehr Masernerkrankungen als im Jahr 2016 (325 Fälle) registriert. Die Ständige Impf­kom­mission am RKI empfiehlt daher die Masernimpfung allen nach 1970 gebore­nen Er­wachsenen, die in der Kindheit nicht oder nur einmal geimpft wurden, oder bei denen der Masern-Impfstatus unklar ist.

Unterschiedliche Informations- und Beratungsangebote sollen nun impfmüde Menschen aufwecken. So zeigt beispielsweise eine interaktive Karte VacMap des RKI jahrgangs- und altersspezifisch die Masern-Impfquoten für alle Land- und Stadtkreise und macht so lokale Unterschiede und Lücken im ganzen Bundesgebiet deutlich. Die BZgA erläutert in zwei neuen Erklärvideos, warum Kin­der und Erwachsene sich impfen lassen sollten.

Auch die Bundesregierung macht sich im Kampf gegen die Masern stark – zum Beispiel durch das 2015 verabschiedete Präventionsgesetz. Es erlaubt Kitas oder Schulen, unge­impfte Kinder und Jugendliche vorübergehend auszuschließen, um einen Krank­heits­­aus­bruch zu verhindern. Zudem können Gesundheitseinrichtungen wie etwa Krankenhäuser ungeimpfte Bewerber ablehnen oder ungeimpftes Personal versetzen, um Patienten bes­ser vor einer Ansteckung zu schützen. © dpa/kna/hil/sb/aerzteblatt.de

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