Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Typ 1-Diabetes: Zahl der Augenuntersuchungen könnte gesenkt werden

Donnerstag, 20. April 2017

dpa

Rockville – Menschen mit Typ 1-Diabetes wird wegen der Gefahr einer Erblindung engmaschig zu augenärztlichen Untersuchungen geraten. Die Erfahrungen einer maßgeblichen US-Studie im New England Journal of Medicine (2017; 376:1507-1516) zeigen jedoch, dass die Kontrollintervalle zwischen den Tests verlängert werden könnten. Jede zweite Funduskopie scheint entbehrlich zu sein.

Die diabetische Retinopathie ist in den entwickelten Ländern die häufigste Ursache für eine Erblindung im Alter. Experten sind sich einig, dass eine rechtzeitige Behandlung durch Laserkoagulation oder neuerdings auch durch Injektion von Inhibitoren der Endo­thelwachstumsfaktoren (VEGF-Hemmer) viele Erblindungen verhindern könnte. Die Leit­linien raten deshalb zu engmaschigen Kontrollen. Die Nationale VersorgungsLeitlinie sieht bei Patienten ohne Netzhautveränderungen mindestens alle zwei Jahre eine Kotrolle vor. Patienten mit beginnender Retinopathie sollen je nach Befund einmal jährlich oder häufiger untersucht werden. 

Ein Team um den Biostatistiker John Lachin von der George Washington Universität in Rockville/Maryland hat jetzt untersucht, ob die engen Kontrollintervalle notwendig sind. Das Datenmaterial lieferten 23.961 Funduskopien, die im Laufe von 28,7 Jahren bei den Teilnehmern des Diabetes Control and Complications Trial (DCCT) und der Nachfolge­studie Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications (EDIC) durchgeführt und dokumentiert wurden.

Der DCCT mit 1.447 Teilnehmern hatte in den 1990er Jahren der intensivierten Insulintherapie beim Typ 1-Diabetes zum Durchbruch verholfen. Während dieser Zeit war alle vier Monate eine Funduskopie durchgeführt wurden. In der EDIC-Studie, die die Kohorte seit dem Ende des DCCT weiterbeobachtet, werden die Untersuchungen alle vier Jahre wiederholt. Die Forscher haben in einer sogenannten Markov-Analyse ausgerechnet, wie lang es dauert, bis 5 Prozent der Patienten das nächste Stadium der Retinopathie erreichen.

Bei Patienten ohne Retinopathie (Stadium 1) dauerte dies im Durchschnitt etwa vier Jahre. Bei Patienten mit milder nonproliferativer diabetischer Retinopathie (Stadium 2) vergingen drei Jahre. Patienten im Stadium 3 (mäßige nicht-proliferative diabetische Retinopathie) haben nach sechs Monaten eine 5-Prozent-Wahrscheinlichkeit auf eine Verschlechterung. Im Stadium 4 (schwere nonproliferative diabetische Retinopathie) muss bereits nach drei Monaten damit gerechnet werden.

Nach diesem Zeitplan würden im Verlauf von 20 Jahren acht augenärztliche Unter­suchungen ausreichen, um ein Fortschreiten der Retinopathie rechtzeitig zu erkennen, deutlich weniger als derzeit in den Leitlinien vorgesehen ist. Für die USA würden sich daraus über 20 Jahre Kostenersparnisse von etwa 1 Milliarde US-Dollar ergeben, rechnet Lachin vor.

Die Berücksichtigung der HbA1c-Werte könnten das Screening weiter entschlacken. So kam es nur bei 1 Prozent der Patienten mit einem guten Ausgangs-HbA1c von 6 Prozent innerhalb von fünf Jahren zu einer Verschlechterung vom Stadium 1 zum Stadium 5. Bei Patienten mit einem ungünstigen-HbA1c von 10 Prozent kam es dagegen bei 4,3 Prozent innerhalb von drei Jahren zur Progression vom Stadium 1 ins Stadium 5. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige