NewsMedizinRadfahrer pendeln gesünder: Niedrigeres Krebs- und Sterberisiko in Studie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Radfahrer pendeln gesünder: Niedrigeres Krebs- und Sterberisiko in Studie

Freitag, 21. April 2017

/Kara, stock.adobe.com

Glasgow – Menschen, die mit dem Rad zur Arbeit pendeln, hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2017; 357: j1944) ein um 40 Prozent vermindertes Risiko, an Krebs zu sterben. Dass sie dies dem Radfahren verdanken, kann die Studie jedoch nicht abschließend beweisen.

Die meisten Menschen bewegen sich zu wenig, und nur eine Minderheit lässt sich in der Freizeit zu sportlichen Aktivitäten motivieren. Eine Integration der körperlichen Aktivität in den Arbeitsalltag, wie ihn das Pendeln mit dem Fahrrad oder zu Fuß ermöglicht, würden viele jedoch akzeptieren. In den meisten Ländern macht dies jedoch nur eine Minderheit. Von den 263.540 Teilnehmern der „UK Biobank “-Studie pendelten 6.751 regelmäßig mit dem Fahrrad, weitere 12.449 benutzten teilweise das Rad für den Weg zur Arbeit.

Anzeige

In den median fünf Jahren seit Beginn der Studie sind 37 der Rad-Pendler gestorben, davon 25 an Krebs. Die Rate der Todesfälle war um etwa 40 Prozent niedriger als bei der Mehrheit der Studienteilnehmer, die das Auto oder öffentliche Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit benutzt hatten. Carlos Celis-Morales von der Universität Glasgow und Mitarbeiter ermitteln eine Hazard Ratio von 0,59 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,42–0,83) für einen Tod und von 0,60 (0,40–0,90) für einen Krebstod. Auch das Sterberisiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen war mit einer Hazard Ratio von 0,48 (0,25–0,92) signifikant vermindert. 

Da die Teilnehmer der „UK Biobank“-Studie zu Beginn der Untersuchung ausführlich zu ihren Krankheiten und Lebensgewohnheiten befragt und klinisch untersucht wurden, kann Celis-Morales eine Reihe von anderen Erklärungen ausschließen. Dazu gehörten Alter und Geschlecht, soziale Schicht, ethnische Herkunft, Rauchen, Sport, körperliche Aktivität am Arbeitsplatz, sitzende Tätigkeit, Ernährungsgewohnheiten und anderes mehr.

Dennoch lässt sich eine „Selection bias“ nicht ganz ausschließen. Die Bereitschaft, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, könnte Teil eines gesunden Lebensstils sein mit anderen von den Umfragen nicht erfassten Aspekten, die anstelle des Radelns für das geringe Sterberisiko verantwortlich sind. 

Die Studie ist allerdings nicht die erste, die Radfahren mit einer besseren Gesundheit in Verbindung gebracht hat. Lars Bo Andersen von der Universität Bergen zählt im Editorial weitere Untersuchungen, darunter eine eigene auf, in denen Radfahren mit einer niedri­geren Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Krebserkrankungen und einer verminderten Sterblichkeit assoziiert war. 

Auch Pendler, die nur für eine Teilstrecke das Rad benutzten, hatten ein vermindertes Krebs- und Gesamtsterberisiko. Für Personen, die den Weg zur Arbeit zu Fuß zurück­legten, konnte Celis-Morales lediglich ein vermindertes Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermitteln – allerdings nur, wenn die Pendler dabei mindestens sechs Meilen pro Woche zurücklegten. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Januar 2019
Saarbrücken – Menschen mit höheren Einkommen fühlen sich in Deutschland laut EU-Statistik deutlich gesünder als Bürger mit niedrigen Bezügen. Am stärksten ausgeprägt sind die Unterschiede bei den
Wohlhabende fühlen sich gesünder als Ärmere
11. Januar 2019
Berlin – Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat die Lebensqualität der Allgemeinbevölkerung in 15 verschiedenen Ländern ermittelt. Die Daten sollen dazu beitragen, die
Studie standardisiert die Beurteilung der Lebensqualität bei Krebspatienten
8. Januar 2019
Rostock – Männer in Ostdeutschland fühlen sich einer Studie (SSM - Population Health doi: 10.1016/j.ssmph.2018.100326) zufolge weniger gesund als Frauen. Direkt nach der Wiedervereinigung sei dies in
Männer in Ostdeutschland fühlen sich ungesünder als Frauen
28. November 2018
Berlin – Das Bundeskabinett hat heute das „Rahmenprogramm Gesundheitsforschung“ verabschiedet. Es soll aufzeigen, auf welchen medizinischen Gebieten großer, bisher nicht gedeckter Bedarf gesehen wird.
Bundeskabinett beschließt Rahmenprogramm Gesundheitsforschung
20. November 2018
Berlin – In Deutschland hängt die durchschnittliche Lebensdauer eines Menschen stark mit seiner wirtschaftlichen und sozialen Lage zusammen. Darauf wies die Nationale Akademie der Wissenschaften
Soziale Ursachen und finanzielle Auswirkungen führen zu Unterschieden in der Lebenserwartung
20. November 2018
Hamburg – Krebs bleibt die Krankheit, vor der die Deutschen am meisten Angst haben. Allerdings fürchtet sich mittlerweile jeder Zweite vor Alzheimer und Demenz, wie eine heute in Hamburg
Mehr Menschen fürchten sich vor Alzheimer
8. November 2018
Berlin – Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) wollen im Bereich der globalen Gesundheit („Global Health“) eng zusammenarbeiten. Die
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER