Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Orale Kontrazeptiva können Wohlbefinden verschlechtern

Freitag, 21. April 2017

Sven-Bhren-stock.adobe.com

Stockholm – Ein beliebtes Kombinationspräparat zur hormonellen Kontrazeption hat in einer randomisierten kontrollierten Studie in Fertility and Sterility (2017; doi: 10.1016/j.fertnstert.2017.02.120) das Wohlbefinden der Anwenderinnen vermindert, aber keine Depressionen ausgelöst.

Obwohl weltweit schätzungsweise 100 Millionen Frauen die Antibabypille verwenden, sind die Auswirkungen der Hormonpräparate auf die Lebensqualität der Frauen kaum untersucht, berichtet Angelica Lindén Hirschberg vom Karolinska Institut, die zusammen mit anderen Forschern aus Stockholm und Zürich deshalb eine randomisierte kontrol­lierte Studie durchführte, an der sich 340 gesunde Frauen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren beteiligten.

Die Frauen nahmen über drei Monate täglich eine Antibabypille, wobei sie nicht wuss­ten, ob sie tatsächlich die derzeit populärste Kombinationen aus 150 µg Levonorgestrel und 30 µg Ethinylestradiol oder nur ein Placebo enthielt. Sie wurden deshalb ange­hal­ten, zusätzlich andere Verhütungsmittel zu benutzen. Die Auswirkungen auf das Gefühlsleben wurden mit dem Fragebogen BDI (Beck Depression Inventory) und mit dem Fragebogen PGWB (Psychological General Well-Being Index) ermittelt.

Im BDI, der gezielt nach Symptomen einer Depression fragt, konnten die Forscher keine Auswirkungen der Pille feststellen. Die Antworten im PGWB zeigen eine Verschlechte­rung des allgemeinen Wohlbefindens um 4,12 Punkte (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,06–7,18) an. Betroffen waren die Dimensionen positives Wohlbefinden (3,90; 0,01–7,78), Selbstkontrolle (6,63; 2,06–11,20) und Vitalität (6,84; 2,88–10,80). In der Dimension depressive Stimmung gab es jedoch auch im PGWB keine Hinweise auf eine ernsthafte depressive Störung.

Die Ausschläge im PGWB waren insgesamt gering. Die Ergebnisse sollten deshalb mit Zurückhaltung interpretiert werden, betonen die Forscher. Für einzelne Frauen könnten die negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität jedoch von klinischer Bedeutung sein, warnt Hirschberg. So sei vorstellbar, dass die Änderungen der Gemütslage we­nigs­tens teilweise die bekannte unvollständige Compliance mit der Einnahme der Anti-Baby-Pille erklären, die eine ungewollte Schwangerschaft zur Folge haben könnte. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 22. April 2017, 18:06

Placebos und ...

ungewollte Schwangerschaften mit möglichen Partnerschafts-Konflikten "können" aber auch unter 'Umständen' ganz erheblich das "Wohlbefinden verschlechtern"!

Von daher "sei" ebenso das genaue Gegenteil "vorstellbar, dass die Änderungen der Gemütslage we­nigs­tens teilweise die bekannte unvollständige Compliance mit der Einnahme der Anti-Baby-Pille [gerade n i c h t] erklären [würde], die eine ungewollte Schwangerschaft zur Folge haben könnte"?

Das ForscherInnen-Team von Niklas Zethraeus et al. macht mit ihrer Publikation: "A first-choice combined oral contraceptive influences general well-being in healthy women: a double-blind, randomized, placebo-controlled trial"
http://www.fertstert.org/article/S0015-0282(17)30247-9/fulltext
aber nicht mal ansatzweise den Versuch, in zwei v e r s c h i e d e n e Richtungen nachzudenken!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


Nachrichten zum Thema

09.10.17
Trump streicht Kostenübernahme für Antibabypille
Washington – Die Regierung von US-Präsent Donald Trump hat die Kostenübernahme für die Antibabypille als Leistungspflicht aus der Gesundheitsreform von Trumps Vorgänger, Barack Obama, gestrichen.......
25.09.17
Kostenfreie Verhütungsmittel für Einkommensschwache gefordert
Berlin – Niedersachsen und Bremen wollen Frauen mit geringem Einkommen die Kosten für Verhütungsmittel unbürokratisch erstatten. Ein entsprechender Antrag wurde am vergangenen Freitag im Bundesrat......
19.09.17
Französische Justiz stellt Ermittlungen zu Risiken von Anti-Baby-Pillen ein
Paris – Die französische Justiz hat ihre Ermittlungen zu möglichen Gesundheitsrisiken von Anti-Baby-Pillen eingestellt, die auch auf den Pharmakonzern Bayer abzielten. Die Ermittlungen über einen......
29.08.17
Verhütungsmittel für Bedürftige: Niedersachsen plant Bundesratsinitiative
Hannover – Niedersachsen will sich mit einer Bundesratsinitiative dafür einsetzen, dass die Kosten für Verhütungsmittel für Frauen mit geringem Einkommen übernommen werden. Die Landesregierung......
29.08.17
Immer jüngere Mädchen erhalten hormonelle Verhütungsmittel
München – Die Versicherten, die ein Rezept für eine hormonelle Verhütungsmethode erhalten, werden immer jünger. Auf diesen Trend hat heute die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) hingewiesen. Im......
18.08.17
Studie: Antibabypille senkt Rheumarisiko
Stockholm – Frauen, die über längere Zeit die Antibabypille einnehmen, erkranken im späteren Leben seltener an einer rheumatoiden Arthritis. Dies kam in einer bevölkerungsbasierten Fall-Kontrollstudie......
14.06.17
EMA prüft levonorgestrel­haltige Hormonspiralen auf psychiatrische Nebenwirkungen
Rotterdam – Die Hormonspiralen Mirena, Jaydess, Levosert, Luadei und Kyleena haben eines gemeinsam, das Hormon Levonorgestrel soll eine Schwangerschaft verhindern. Bereits 2009 stand das synthetische......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige