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Politik

Umstellung auf Pflegegrade läuft weitgehend reibungslos

Freitag, 21. April 2017

/agenturfotografin, stock.adobe.com

Berlin – Die zum Jahresbeginn angelaufene Umstellung auf ein neues Begutachtungs­sys­tem für Pflegebedürftige ist nach Einschätzung der Bundesregierung und des Medizi­nischen Dienstes der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK), der heute eine erste Bilanz zog, bis­her weitgeh­end reibungslos verlaufen.

Insbesondere Versicherte mit einer Demenzerkrankung oder mit einem hohen krank­heits­bedingten Unterstützungsbedarf profitieren vom neuen Verfahren, hieß es vom MDK. „Die Versorgung ist besser geworden“, erklärte der Geschäftsführer des Medizi­nischen Dienstes des Spitzenverbands der Krankenkassen (MDS), Peter Pick. Der Pfle­gebevollmächtigte Karl-Josef Laumann (CDU) sagte, in vielen Gesprächen mit Verbän­den, Einrichtungen vor Ort oder Pflegebedürftigen habe er den Eindruck gewonnen, dass die Umsetzung im Großen und Ganzen ziemlich gut funktioniere.

Lauman betonte aber auch, dass es bei einer so großen Reform nicht ausbleibe, „dass es in Einzelfällen Probleme gibt“. So sei ihm von einigen Bürgern berichtet worden, dass bei ihren Begutachtungen durch den MDK zu viel Zeit vergehe, bis das Ergebnis vorlie­ge. Zwar habe der Gesetzgeber einige Verzögerungen eingeplant. „Einige MDKen müss­en hier aber offenbar mehr Tempo machen und sich auch mehr anstrengen“, sagte Lau­mann. Dem MDK zufolge müssen Versicherte aufgrund des hohen Auftrags­volumens derzeit mit einer Bearbeitungsdauer von vier bis zu acht Wochen rechnen. In dringenden Fällen gilt eine Ein-Wochen-Frist. Eine bis­her gültige 25-Tage-Frist sei ausgesetzt worden, da bereits klar gewesen sei, dass auf die MDK-Gutachter mehr Arbeit zukommt, hieß es. Die 25-Tage-Frist soll ab 2018 wieder gelten.

Zahlen des MDK zufolge begutachtete der Dienst im ersten Quartal 2017 mehr als 222.000 Menschen nach dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff. Bei mehr als 80 Pro­zent em­pfah­len die Gutachter demnach einen der fünf neuen Pflegegrade. Durch das neue Ver­fah­ren erhielten den Angaben zufolge fast 129.000 Menschen erstmals Leis­tun­gen aus der Pflegeversicherung. Die Resonanz bei Versicherten und Gutachtern sei positiv, das Auf­tragsvolumen bei den Begutachtungen sei erwartungsgemäß gestiegen. Allein im Pflege­grad 1 seien 43.434 Versicherte neu im Leistungsbezug.

Zu Jahresbeginn war ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt worden. Die drei bisherigen Pflegestufen wurden durch fünf Pflegegrade ersetzt. Der Zeitaufwand für die Pflege spielt nicht mehr die ausschlaggebende Rolle. Zudem bekommen Menschen, de­ren Geisteskraft nachlässt (wie etwa Demenzkranke), einen gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Damit werden insbe­son­dere Demenzerkran­kun­gen besser als bisher von der Pflegeversicherung erfasst. In Deutschland sind rund drei Millionen Menschen pflegebedürftig. © dpa/afp/EB/aerzteblatt.de

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