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Medizin

Multiple Sklerose: Prodromalsymptome beginnen bis zu fünf Jahre vor der Diagnose

Freitag, 21. April 2017

/ralwel stock.adobe.com

Vancouver – Die Multiple Sklerose hat ähnlich wie andere chronische neurologische Erkrankungen offenbar eine längere Prodromalphase. Eine Studie in Lancet Neurology (2017; doi: 10.1016/S1474-4422(17)30076-5) zeigt, dass die Patienten bis zu fünf Jahre vor der Diagnose vermehrt Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen.

Die Multiple Sklerose beginnt in den meisten Fällen mit einem Krankheitsschub. Die Symptome können jedoch sehr vielfältig sein, so dass es selbst für erfahrene Ärzte schwierig ist, die Krankheitszeichen richtig zu deuten und eine Magnetresonanz­tomographie anzufordern. Die Läsionen dort müssen zudem zum Krankheitsbild passen.

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Die meisten Neurologen gehen davon aus, dass der Schub, der zur Diagnose führt, nicht der erste ist und dass den spezifischen neurologischen Ausfällen unspezifische Prodromalsymptome vorausgehen. Worin diese bestehen, ist unklar. Ein Team um Helen Tremlett vom Djavad Mowafaghian Centre for Brain Health in Vancouver hat jetzt die Versichertendaten von 14.428 Patienten analysiert, die zwischen 1984 und 2014 in mehreren kanadischen Provinzen an einer Multiplen Sklerose erkrankt waren, und mit den Daten von 72.059 Kontrollen verglichen, die den Patienten möglichst ähnlich waren (außer dass sie nicht an einer MS erkrankt waren). Maßgeblich war der Zeitraum vor der Diagnose.

Ergebnis: Schon fünf Jahre vor der Diagnose waren die MS-Patienten häufiger krank als die Vergleichspersonen. Tremlett ermittelte eine um 26 Prozent erhöhte Inanspruch­nahme von Gesundheitsleistungen. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen war um 24 Prozent höher, die Ärzte rechneten zu 88 Prozent mehr Leistungen ab und die Patienten erhielten zu 49 Prozent mehr Medikamente verschrieben. 

Die Forscher wollen jetzt nach typischen Frühwarnzeichen suchen, die möglicherweise die Diagnose beschleunigen könnten. Dies ist wichtig, da die meisten Studien gezeigt haben, dass eine frühzeitige Behandlung mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen kann. Prodromalsymptome sind bei chronischen neurologischen Erkrankungen nicht ungewöhnlich. Beim Morbus Alzheimer und beim Morbus Parkinson gehen sie dem Ausbruch der Erkrankung nicht selten zehn Jahre oder länger voraus. © rme/aerzteblatt.de

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